Review

Da hat man einen ganz ordentlich gespielten Film zum Thema "Jugend in der Psychiatrie" gesehen, der sogar oscargekrönt ist, aber trotzdem hat man das Gefühl einer Literaturverfilmung, die die Welt nicht braucht.

Winona Ryder spielt hier eine psychisch anscheinend labile junge Dame, die sich selbst einliefert, bis sie wieder Perspektiven im Leben hat. Der Aufenthalt in der Nervenklinik wird für sie zur Selbstfindung. Allerdings ist ihr "anders-als-die-anderen" keine ernste psychische Erkrankung, sondern mehr ein Reifungsprozeß, dessen Abschluß zu finden ihre Hauptaufgabe ist, bevor sie tatsächlich irgendwann zu den psychisch Kranken gehören sollte.

Das Buch hätte in den 70ern noch erhebliche Relevanz besessen, als Reflexion auf die Hippie-Jahre und der Aufbruch in eine neue Zeit, als die Eltern die Kinder nun wirklich nicht mehr verstanden haben. Es spielt auch Ende der 60er, doch inzwischen fehlt für die Erkenntnisse von Ryder Charakter die Grundlage.
Was bleibt ist ein prima gespieltes Melodram aus der Nervenklinik, das den Zuschauern eine Vielzahl verschiedenster Charaktere mit verschiedensten Lebensängsten und Problemen präsentiert, die entweder einen Ausweg finden oder nicht.

Obwohl sie recht patent das Rehlein spielt, wirkt Ryders Figur nie so ganz zugehörig (was sie ja eigentlich auch nicht ist), doch das wirkt sich auch auf die Beziehung zum Publikum aus. Ehrlich gesagt, wirkt sie uninteressant.
Unterstützt wird das durch die oscar-ausgezeichnete Angelina Jolie, die einen wandelnden Zusammenbruch auf zwei Beinen spielt, ein Wrack, welches beständig sämtliche Stadien der Emotionen durchwandert. Mit ihr erlebt man eine wilde Achterbahnfahrt zwischen Hilfsbereitschaft, exzessiven Rebellensein und totalem Arschlochverhalten und ihr Portrait ist sehr präzise gespielt, wie im übrigen auch von den übrigen Mitspielern, die auf Insassen machen. Whoopie Goldberg ergänzt das alles als Schwester, ist aber nicht mehr als ein Extra, weniger ein Mentor, wie man erwarten könnte.

Doch so trefflich der Film die Zustände schildert, um so fragwürdiger wird die Produktion, denn Klinikfilme gibt es wahrhaftig genug. Wer sich jedoch für Krankenfilme interessiert und auf gute Leistungen wert legt, wird hier nicht enttäuscht, ohne auf Starpower zu setzen. (5/10)

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