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Vor einem Jahr hat die junge Gina ihren Ehemann Stuart und ihre kleine Tochter Katie durch einen Autounfall verloren. Nach einer langwierigen Therapie durch ihre Psychiaterin Dr. Stamos fühlt sich die Witwe nun jedoch wieder in der Lage, ein geregeltes Leben zu führen und einer festen Arbeit nachzugehen. Deshalb übernimmt sie einen Posten als Schaufenster-Dekorateurin im Laden des griechischen Mode-Designers Nikos Lissandros. Kurz nachdem sie ihren neuen Job angetreten ist, läuft Gina im Einkaufszentrum allerdings ein kleines Mädchen über den Weg, das ihrer verstorbenen Tochter zum verwechseln ähnlich sieht. Geschockt verfolgt Gina die Kleine bis zu ihrem Haus und muss dort feststellen, dass die Mutter des Kindes ihr selbst bis aufs Haar gleicht. Verliert Gina etwa langsam den Verstand oder handelt es sich bei den beiden tatsächlich um Doppelgänger aus dem Totenreich, die es auf sie abgesehen haben...? "Die Doppelgängerin" ist ein unspekrakulärer, aber unterhaltsamer TV-Film, der seine Zielgruppe ziemlich genau im Blick hat und in Ermangelung vordergründiger Schauwerte deshalb konsequent auf Mystery-Thrill und seichte Grusel-Motive setzt. Gary Nelson, der sich nach seinem überbordenden (und von Kritiker-Seite nicht allzu wohlgelittenen) Science-Fiction-Spektakel "Das Schwarze Loch" weitestgehend von der großen Leinwand verabschiedet und stattdessen als Fernseh-Regisseur Karriere gemacht hatte, kriegt die Sache dank seiner soliden Inszenierung gut in den Griff und hat somit einen Streifen auf die Beine gestellt, der besser ist als vieles, was sonst so fürs Pantoffel-Kino produziert wird... und der sein zunächst recht phantastisch anmutendes Thema im kleinen Rahmen und unter völligem Verzicht auf Gewalt und Effekte doch tatsächlich auch recht spannend umsetzt. Da sich die Geschichte recht verzwickt anlässt, wird das Zuschauer-Interesse frühzeitig geweckt und kann dank der glaubhaften Darsteller sogar über einen Großteil der Laufzeit aufrechterhalten werden. Die Frage, die einen beim Ansehen am meisten beschäftigt, ist natürlich die, ob die Doppelgänger nun real (und vielleicht tatsächlich geisterhaften Ursprungs) sind, oder ob man hier nicht doch auf nicht ungeschickte Art und Weise in die Irre geführt wird und in Wahrheit lediglich den Hirngespinsten einer traumatisierten Mutter aufsitzt... die darüber hinaus auch noch Zwiegespräche mit ihrem toten Gatten führt, der ihr immer wieder in Tagträumen und Halluzinationen erscheint. Nun ja, die Auflösung ist dann leider weniger aufregend als eigentlich erwartet und geht zudem noch mal in eine ganz andere Richtung, denn aus dem anfänglichen Psycho-Thriller mit Fantasy-Aspekt wird in den letzten zehn Minuten ein fast schon als banal zu bezeichnendes Familien-Drama. Schade drum, ein Ende mit Knalleffekt hätte dem Ganzen gut zu Gesicht gestanden, aber es hat wohl nicht sollen sein.

6/10

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