Was tut man nicht alles, um seinen Film interessant zu machen...
Zur Deko von veralteten Splatterdrehbüchern halten Transvestiten her, stylische Lesbenszenen verwurschtelt man in *gähn* Vampirfilmen, etc. Dann können auch Schwule (und um die Perversion auf die Spitze zu treiben: SM-Schwule *shocking!*) in einem versuchten Thriller herhalten.
Das Problem bei Cruising ist folgendes: Nie vorher gab es in irgendeinem von Hollywood produzierten oder sonstwie von der breiten Allgemeinheit beachteten kommerziellen Film sympathisch gezeichnete Schwule. NIE!
In Cruising kommt nicht die schwule SM-Szene zu Wort, sondern eine heterosexistische Sicht auf die schwule SM-Szene, die zudem noch mit Vergewaltigung und Mord in Verbindung gesetzt wird.
Klar, dass in einem solchen Film nicht auch noch positive schwule Figuren eingebracht werden... Einer pervers - alle pervers.
Ergo: Schwule waren im Hollywoodfilm schon immer die, die entweder psychisch krank oder sexuell abartig sind. In Cruising sind sie dann doch auch mal beides. Und, habe ich es noch nicht erwähnt?, Mörder.
Deshalb ist dieser Film so himmelschreiend homophob und es ist mir ein Rätsel, wie irgendjemand meinen kann, er sei es nicht...
Zur weiteren Lektüre empfehle ich übrigens Vito Russos The Celluloid Closet (in der schlechen deutschen Übersetzung Gefangen in der Traumfabrik). No One Sleeps wäre dann meine Empfehlung zum filmisch umgesetzten Thema "schwule Mörder".