Review

William Friedkins Streifen war ja seinerzeit schon ein kleiner Skandalfilm, getraute er sich doch seinen Thriller im Homosexuellen-Milieu von New York anzusiedeln und sich ausgiebig an Bildern aus eben diesem Milieu zu bedienen.
Nachdem inzwischen 26 Jahre vergangen sind und auch die damals ausgesprochene Indizierung zurückgenommen wurde lohnt sich vielleicht ein Blick auf den Streifen der so kontrovers diskutiert wurde...

Story:
Frank Burns (Al Pacino), ein junger New Yorker Cop, wird Undercover auf einen Killer angesetzt, der seine Opfer in der Homosexuellen-Szene sucht. Burns arbeitet sich langsam in die Materie ein, lernt die Rituale und Zeichen der ihm neuen und fremden Umgebung kennen, verliert nach und nach die Bindung zu seinem alten, normalen Leben. Kann er den Killer finden?

Um diese Frage zu beantworten, rate ich jedem der Interesse hat, sich den Film anzuschauen. Ich will hier mal nichts weiter verraten.

Anhand des Milieus und der Zeit als der Film gedreht, bzw. veröffentlicht wurde läßt sich hier sicherlich ein gewisses Konfliktpotenzial zum damals üblichen Hollywoodfilm und dem was man bis dato dem Publikum glaubte zumuten zu können finden. Heutzutage ist die Thematik der Homosexualität im Film und überhaupt schon Normalität. Von Bio, Hape und Wowi outet sich jeder der Lust und Laune dazu hat und sogar in den Daily-TV-Soaps kommt irgendein netter, für die Probleme der dort agierenden Mädels, immer verständnisvoller Klischee-Schwuler vor. Die Toleranz gegenüber diesem Thema ist heutzutage also eindeutig höher um nicht zu sagen, daß Homosexualität oberflächlich toleriert wird, zumindest in Europa.
Als Friedkin seinen Film drehte war dies aber noch deutlich anders. Scheinbar war dies ein Tabu-Thema, daß jede Menge an düsteren, perversen und lasterhaften Mysterien zu bergen schien.
Leider suhlt sich Friedkins Film förmlich in Bildern, die dies zu unterstreichen versuchen. Mag sein, daß sie filmtechnischer Natur nötig sind um Burns und den Zuschauer mit ihm in diese neue, fremde Welt mitzunehmen, aber mir persönlich kommen sie eindeutig zu plakativ daher. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema findet nicht statt. Diese Szene wird hier nur als oberflächliches Spielfeld für die Thriller-Handlung benutzt. Und bei näherer Betrachtung wird dem Zuschauer auch klar weshalb. Weil diese, eigentliche Handlung eigentlich wenig interessantes bietet. Der Täter ist eigentlich von Anfang an zu sehen und daher fehlt das beliebte "Who-Dun-It-Ratespiel" natürlich und die Regie läßt sich durch das Drehbuch jede Menge an Möglichkeiten Spannung aufzubauen nehmen.

Für mich wurde hier versucht, eine mäßige Story anhand drastischer Bilder über eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu vermarkten. So richtig funktioniert hat dies allerdings nicht. Der Film war vorhersehbarer Weise natürlich kein Blockbuster und Regisseur Friedkin, der mit "Der Exorzist" und "French Connection" Filmgeschichte schrieb, als auch Hauptdarsteller Al Pacino tat dieser Film nicht unbedingt gut. Friedkins Karriere hatte danach mit Ausnahme von "Leben und Sterben in L.A." nichts wirklich gutes zu bieten und Pacino, der mit dieser Rolle sicherlich sehr viel Mut bewies, hatte mit einer längeren, finanziell wenig erfolgreichen, karrieretechnischen Durststrecke zu kämpfen.

Fazit: "Cruising" bietet zwar eine düstere Stimmung und einen ordentlichen Hauptdarsteller, ist aber als Thriller eher mäßig und die teils drastische Darstellung der Schwulenszene wird zusehr missbraucht um die Wenig spannende Handlung aufzupeppen.
(6,5/10 Punkten, rundungsbedingt 7/10)

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