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Porsche, Trimmel, hallo HSV

„Was war er von Beruf?“ – „Eigentlich Penner!“

Der am 19. August 1973 erstausgestrahlte sechste Fall des ersten Hamburger „Tatort“-Ermittlers Paul Trimmel (Walter Richter) entstand unter der Regie des Stammregisseurs dieses „Tatort“-Zweigs, Peter Schulte-Rohr, der auch zusammen mit Friedhelm Werremeier das Drehbuch verfasste und es auf insgesamt 15 Beiträge zur öffentlich-rechtlichen Krimireihe brachte. „Platzverweis für Trimmel“ ist im Milieu der deutschen Fußball-Ligen angesiedelt und greift den Bundesliga-Skandal der Saison 1970/’71 auf: Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld hatten sich mittels manipulierter Spiele den Klassenerhalt gesichert.

„In dem Gewerbe könnt‘ ich mir ‘nen ehrlichen Menschen nur äußerst schwer vorstellen…“

Eine Leiche wird nachts im Tor eines Bolzplatzes abgelegt, ein Zeuge beobachtet die unheimliche Szenerie. Ein Dauerläufer findet den Toten am nächsten Morgen und alarmiert die Polizei, die mit Kriminalhauptkommissar Trimmel anrückt und den Leichnam als Louis Spindel identifiziert. Dieser war finanziell gut betucht, Geldbriefträger Jonny Feldmann (Klaus Stieringer, „Cliff Dexter“) brachte regelmäßig höhere Summen Bares vorbei. Außerdem sei eine Frau namens Olga (Christa Berndl, „Die wilden Fünfziger“) regelmäßig zu Besuch gewesen, so Spindels Vermieterin. Spindel unterhielt offenbar geschäftliche Beziehungen zum nordrhein-westfälischen Regionalligisten VfL Bonsdorf. Trimmel kombiniert einen Zusammenhang mit dem Bundesliga-Skandal vor wenigen Jahren. Er heftet sich an Feldmanns Fersen und reist nach Köln sowie nach Bonsdorf, um sich einen Überblick über die Geldschiebereien im Fußballgeschäft zu verschaffen. Bis ein weiterer Mord geschieht…

„Ich war dreimal unglücklich verliebt, und die Männer sind alle tot.“

Der Fall und der VfL Bonsdorf sind fiktional, der Bundesliga-Skandal war es nicht und auch die HSV-Spieler, die mit Trimmel im Zug nach Köln reisen, sind ebenso real wie deren (toll gefilmte!) Spielszenen aus der Partie gegen den 1. FC Köln im Februar 1973, das für die Hanseaten verlorenging. Dort trifft Trimmel auf seinen Kollegen Böck (Hans Häckermann) aus Bremen, womit auch der damals obligatorische Gastauftritt eines anderen „Tatort“-Ermittlers abgehakt wäre. Die Verquickung von mutmaßlicher Spielmanipulation und dem Mord ist zunächst einmal spannend, legt aber zahlreiche falsche Fährten und ist mit seiner Vielzahl an nebulösen Nebenfiguren und zudem etwas arg langatmigen Erzählweise dramaturgisch nicht immer ein Volltreffer – bisweilen eher Standfußball denn Offensivzauber.

„Jetzt muss ich dich ‘n bischn verhaften!“

Dafür punktet diese Episode mit einer zeitweise recht düsteren Stimmung und der überraschenden charakterlichen Entwicklung Feldmanns hin zur gruseligen Type, deren Verhalten sich nur noch schwer nachvollziehen lässt. Auch seine Freundin Tilly (Eos Schopohl, „Einer muss der Dumme sein“) steigert besonders im betrunkenen Zustand den Unterhaltungswert, die Musik erinnert mitunter ein bisschen an Maestro Morricone und die Gesichtszooms ans gute alte Euro-Genrekino. Auch die Auflösung der Morde hat in ihrer Verquertheit beinahe etwas Gialloeskes, während das Thema manipulierter Spielverläufe bestechend simpel abgeschlossen wird und sich letztlich ebenfalls als roter Hering entpuppt, jedoch nicht, ohne der Schiedsrichterzunft aufgrund ihrer Subjektivität kräftig einen mitzugeben – und dabei gleichzeitig die Bundesliga zu relegitimieren.

„Der HSV hilft gern, wenn man kann!“ – „Besonders der Polizei!“

Ausgerechnet Jürgen Scheller von der Münchner Lach- und Schießgesellschaft einen Kölner spielen zu lassen, ist mutig, das weitaus authentischere, geballte Zeit- und Lokalkolorit Hamburgs und Kölns aber helfen aus heutiger Perspektive, über die Schwächen dieses historischen „Tatorts“ hinwegzusehen.

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