FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER!
Nachdem DER KRIEG DER INFRAS (1975) - seines Zeichens erster kompletter Spielfilm basierend auf der japanischen SciFi-Serie KAMEN RIDER - nur ein chaotischer Mix aus Serien-/Feature-Stock Footage und nachgedrehtem Material war, präsentiert sich die Fortsetzung FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER! (1976) als trashig-unterhaltsame Superhelden-Klamotte aus einem Guss…
Die Satansbruderschaft ist zurück! Die ursprünglichen zwei „Super-Rider“ Feng Su Tong und Piao Hung haben den bösen Dr. Morton kaum besiegt (vgl.: DER KRIEG DER INFRAS) und schon steht sein Nachfolger in den Puschen: Der grausame General Skorpion soll im Auftrag des aus dem Verborgenen agierenden Dr. Frankenstein die Weltherrschaft an sich reißen! Das von Dr. Chai entwickelte Minium-Kalzium kommt ihm dabei gerade recht - kann es doch einen menschlichen Körper zur vollständigen Auflösung bringen. Dr. Chai wird kurzerhand auf die Evergreen-Insel verschleppt und dort soll ihm die Geheimformel zur Produktion des Minium-Kalziums entlockt werden. Bei ihrem Befreiungsversuch tappen Feng Su Tong und Piao Hung in eine Falle. Der junge Yin Kit rettet den beiden das Leben, wird jedoch selbst so schwer verwundet, dass sein Leben nur noch durch eine Operation gerettet werden kann: Er wird zum verbesserten Nachfolgemodell Super-Rider V3!
Nun zu dritt, begeben sich die Super-Rider auf die Suche nach der Tochter von Dr. Chai, denn die junge Lily hat des Vaters Geheimformel an einem sicheren Ort versteckt. General Skorpion und die Satansbruderschaft sind ihnen dabei dicht auf den Fersen und schlagen immer wieder unvermittelt zu. Deshalb wird Lily Chai durch eine weitere Operation zum Super-Rider V4 umfunktioniert. Gegen diese geballte Super-Rider-Power muss sich General Skorpion etwas Besonderes einfallen lassen: Wie am Fließband produziert er seine gefürchteten Kung-Fu Monster und besorgt sich zusätzlich noch schnell das Elixier des Todes aus den Pearl Mountains … ein Elixier, welches 100x so explosiv sein soll wie die H-Bombe!
„Henshin!“… wenn ein Asiat diesen Kampfschrei ausstößt, sollten Kung-Fu Monster und andere Höllenkreaturen schleunigst das Weite suchen! In einem knallbunten, nachträglich ins Bild gezeichneten Gewitter aus Blitzen und Funken (man erinnere sich an Godzilla-Filme… z.B. an die Strahlen von King Ghidorah) verwandelt sich der Asiat in einen der unschlagbaren Super-Rider… im Original „Kamen Rider“, was übersetzt in etwa „maskierter Motorradfahrer“ bedeutet. Diese Anfang der 70er Jahre von den japanischen Toei-Studios ins Leben gerufene SciFi-Serie hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit der „Ultraman“-Serie und wird obendrein als großes Vorbild und Wegbereiter der „Power Rangers“ gehandelt.
FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER! steht für puren Trash, was bei den Kostümen beginnt, dann mit den Kampfszenen fortgeführt und abschließend vom deutschen Verleih auf die Spitze getrieben wird! Ein Super-Rider ist ein Typ im bunten Sportanzug und sein Kopf wird von einem Helm geschützt, dessen Optik mit Riesenaugen und Antennen an einen Insektenkopf erinnert. General Skorpion schmücken ein prunkvolles Gewand und ein goldener Helm mit einem bedrohlichen Skorpionsstachel. Seine Verteidigung gewährleistet eine goldene Plastikaxt, mit der er wild in der Gegend herumfuchtelt. Seine Gefolgschaft setzt sich aus Kanonenfutter (schwarzgekleidete Typen mit weißen Masken und einem aufgemalten Skelett) und den titelgebenden Kung-Fu Monstern zusammen. Hier reicht die Palette vom glänzenden Pharaonenweib, über eine riesige Küchenschabe, bis hin zum Ochsen mit gewaltigen Hörnern, dem man zwei Raketenwerfer auf die Schultern montiert hat. Von selbst versteht sich, dass sämtliche Kung-Fu Monster ebenfalls von Stuntmen in Sportanzügen verkörpert werden. Sie springen gerne überraschend aus diversen Deckungen hervor, tragen unbewegliche Plastikmasken und ihre zahlreichen Accessoires (Panzer, Stachel und Waffen) wurden einfach am Sportanzug angetackert… unfreiwilliger Verlust während eines Kampfes inklusive…
Die Action besteht fast ausschließlich aus Martial Arts-Kämpfen, sofern man das Gezeigte als Martial Arts bezeichnen kann. Ob am Strand, im Wald oder vor großen Tempelanlagen… einer oder mehrere der Super-Rider schlagen und treten sich mit den Anhängern der Satansbruderschaft durch das Terrain, wobei man auf den Einsatz von Choreographie, Schnittwechseln oder Zeitlupen so gut wie ganz verzichtet hat. Auch brutal geht es niemals zur Sache… das trashige Gebashe und Gebounce sorgt eher für Jubel, Trubel, Heiterkeit!
Ein Minenfeld in einem Entwicklungsland ist nix gegen die Welt, in der die Super-Rider leben: Vor, während und nach den Kämpfen schießen Explosionen wie Pilze aus dem Boden, die zwar spektakulär anzusehen sind, aber bis auf wenige Ausnahmen (z.B. Beschuss durch einen Raketenwerfer) keinen Ursprung zu haben scheinen. Die Super-Rider kämpfen am Strand… Explosionen im Sand… die Super-Rider fahren Motorrad… Explosionen links und rechts… „Alarm! Jemand ist ins Hauptquartier eingedrungen!“… Boom! Am meisten schmerzhaft ist das für die Kung-Fu Monster, die nach ihrer Niederlage ebenfalls in die Luft fliegen müssen… General Skorpion sogar in einer Stock Footage - Atombomben-Explosion!
Auch zwischen den Kämpfen braucht man auf Trash nicht zu verzichten: Die Anhänger General Skorpions bestätigen ihre empfangenen Befehle per Hitlergruß, die Super-Rider können per Handkantenschlag Gegenstände in die Luft sprengen und die oft praktizierte Auflösung menschlicher Körper besteht aus Rasierschaum, den sich die armen Opfer im Gesicht verschmieren, bevor sie als Plastikskelette auf dem Boden enden…
Doch FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER! wäre nicht FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER! ohne den deutschen Verleih: Die Inhaltsangabe auf der Kassettenbox (Zerstörung der Erdachse, etc.) gehört zum Vorgänger DER KRIEG DER INFRAS, die Kung-Fu Monster hören auf Namen wie „Dragon-Monster“ und „Kill-Monster“ und Dr. Frankenstein selbst muss wohl vorübergehend unabkömmlich gewesen sein! Schließlich sagt er über einen Lautsprecher durch: „Ich ziehe es vor, im Verborgenen zu bleiben!“…
Die naiven, todernst vorgetragenen Dialoge machen das Trashfest dann komplett: „Das ist mal wieder typisch! Wenn mein Bruder schon ein Mädchen rettet, dann muss sie auch noch hübsch sein!“ - „Ach, Unsinn! Er hat es sich doch nicht ausgesucht!“. Ein Erwachsener, der mit voller Überzeugung „Ich bin mir sicher, dass ich ein Ungeheuer gesehen habe! Es saß in dem Wagen und wollte mich überfahren!“ sagt, dem muss man doch einfach Glauben schenken, oder? Mein absoluter Favorit ist und bleibt aber: „Drei von uns können mit nur einem Schlag die gesamte Monsterbrut ausrotten! Kung-Fu Fighting!“… :D
Entgegen dem Vorgänger ist dieses (wohl in einigen Storysequenzen gekürzte) 65-Minuten-Trashfest bisher leider nicht auf DVD erschienen! Dabei ist FRANKENSTEINS KUNG-FU MONSTER! deutlich kurzweiliger und unterhaltsamer als DER KRIEG DER INFRAS! Liebhaber von asiatischem Trash und Sammler von seltenen VHS-Kassetten sollten zumindest einen (oder gleich mehrere) Blicke riskieren! Ich habe mir den Wahnsinn jedenfalls schon mehrfach und sicher nicht zum letzten Male reingezogen!
7/10 Punkten, diBu!