Ein junger Mann geht Freitag abends ins Dampfbad - er möchte etwas Neues erleben. Schnell lernt er einen verheirateten älteren Herren kennen, mit dem sich bald ein sehr persönliches Gespräch entwickelt...
Als "Vapors" 1963 herauskam, verursachte der Streifen schnell einen Skandal: Schwule als ganz normale Menschen darzustellen - undenkbar! Nun, wenn man einige Gesellschaftsschichten oder Regionen in Deutschland betrachtet, hat man leider das ungute Gefühl, es habe sich innerhalb von 46 Jahren kaum was verändert. Aber das ist ein anderes Thema...
"Vapors" jedenfalls löste heftige Kontroversen aus, wurde verbannt, verschwand in der Versenkung und fristet selbst heute nur das Schattendasein eines unbekannten Kunstwerks. Dabei ist der Film nichts anderes als ein Dialogdrama über homosexuelles Coming Out. Keine knutschenden Männer. Kein Analsex. Nur ganz zum Schluss ist für etwa eine Zehntel-Sekunde ein nackter Mann zu sehen...
Die größte Überraschung ist jedoch, wenn man bedenkt, wer "Vapors" überhaupt gedreht hat. Denn Andy Milligan gilt in der Regel als Mastermind des grottenschlechten Horrorschlocks. Filme wie "Guru the Mad Monk" oder "The Ghastly Ones" liesen wohl schon so manchem Fan wie Kritiker den Harn in der Blase gefrieren. Sein Erstling "Vapors" hingegen ist ein kleines expressionistisches Kunstwerk. Und darüber hinaus ein sehr mutiger Film. Milligan liefert ungewöhnliche Kamera-Einstellungen, die Atmosphäre ist unaufdringlich und doch irgendwie intensiv. Auch die Schauspieler sind beeindruckend. Teilweise bewegt sich Milligan fast schon in auf Andy Warhol/Paul Morrissey-Level und man mag kaum glauben, dass der Mann später nur noch groben Unfug fabrizierte.
Fazit: Sehenswerter s/w-Kurzfilm, der sich für liberale Heteros wie mich genauso lohnt wie für die Freunde der Arthaus-Fraktion oder die Fans des erwachsenen Exploitations-Kinos. Lediglich kleinkarierte homophobe Dumpfbacken nehmen Abstand. 7 von 10 Punkten.