Ein Mann sieht rot 3 ist unfreiwillig eine Art Endzeitfilm: In den Straßen eines New Yorker Viertels herrscht absolute Anarchie. Es leben dort etwa 20 % rechtschaffene und freundliche Senioren. Und 80 % skrupellose Bandenmitglieder und Verbrecher. Da kommt es der Polizei nicht ungelegen, dass Paul Kersey (Charles Bronson) einen Freund besuchen kommt, der gerade von einer Bande ermordet wurde.
Waren die ersten beiden "Ein Mann sieht rot"-Teile noch gesellschaftskritische Actionfilme mit einer Menge Gewalt, gleitet Teil 3 in den Bereich des B-Rachefilms ab. Die Geschichte macht nicht mehr viel Sinn, die Charaktere (vor allem der Gefängnisdirektor - oder ist er der Polizeichef?) handeln teilweise ziemlich widersprüchlich und Kersey ist im Filmuniversum mittlerweile als Selbstjustizler bekannt und schon fast anerkannt. Die Mängel des Drehbuchs werden jedoch durch die äußerst sympathische Aussage des Films wettgemacht: Bekämpft Feuer mit Feuer und schaltet noch ein paar Gang rauf. War Kersey früher noch ein nachdenklicher und gescholtener Bürger, ist er inzwischen zu einem eiskalten Killer "herangereift". Schon wer sich an seinem Auto zu schaffen macht, hat damit die Freifahrkarte in die Hölle eingelöst.
Death Wish 3 besticht durch den souverän agierenden Bronson, die Unbedarftheit der Achziger und ein Gemetzel am Schluss, das fast das Ausmaß mancher asiatischer Filme annimmt. Hier stirbt jeder, der Bronson auch nur schief anschaut. Waren es früher noch die auf frischer Tat ertappten Täter, die daran glauben mussten, fallen Kersey in Teil 3 dank waffenmäßiger Aufrüstung gleich ganze Gruppen von Bösewichten zum Opfer. Die Bandenmitglieder haben absolut keinen Sinn für Humor und Kersey kommt - wie man es eigentlich aus Steven Seagal-Filmen gewohnt ist - nie wirklich in Bedrängnis.
Objektiv gesehen ist Death Wish 3 einfach gestrickt und mit Sicherheit keine Granate. Der Film weiß den Zuschauer aber trotz so manchem Tiefschlag prächtig zu unterhalten und seine Blutlust zu befriedigen.