Review

Das waren noch Zeiten, als ein deutlich vom Alter gezeichneter Charles Bronson durch die billig produzierten Filmchen der Cannon-Studios geisterte und sich noch ein paar Dollar für die Altersversorgung zusammenmeuchelte.
Die Action-Fans damals fanden jedenfalls daran Gefallen, die produzierenden Cannon-Studios ebenso und nach deren Konkurs auch die neuen Rechteinhaber. Auf Grund neuer Ansichten in Sachen Jugendschutz bot sich nämlich die Chance, die damals teilweise recht drastisch zensierten Filme neu prüfen zu lassen und sie den 80`s-Action Nostalgikern in einer uncut- bzw. weniger zerschnittenen Version als damals zum Kauf anzubieten.

„Death Wish 3“ ist so ein Fall. Die seinerzeit veröffentlichte Version war eigentlich kein Film mehr, sondern nur noch eine planlose Ansammlung von uninteressanten Dialogen, Füllszenen, unerklärlicher Abgänge von Charakteren und sinnloser Ballerei. Welche und vor allem wie im damaligen Zensur-Wahn Filme veröffentlicht wurden spottet geradezu jeder Beschreibung.
Deswegen war ich auch gespannt, wie die „Death Wish-Filme“ denn eigentlich wirklich gedreht wurden.

Nachdem ich schon von Teil 1 alles andere als begeistert war, bot sich mit „Death Wish 2“ bereits eine neue Chance mich von der wirklichen Qualität dieser Filme zu überzeugen. Dieses Mal hatte ich den Film seinerzeit schon komplett uncut im Kino gesehen und freute mich schon sehr darauf, einen meiner absoluten damaligen Favoriten endlich wieder in der einzig wahren Fassung ins DVD-Regal stellen zu können. Doch Pustekuchen!
Wieder fehlten einige Szenen! Damit war meine Neugier dann schon so gut wie befriedigt bzw. ich hatte die Schnauze voll von dieser ewigen Nepperei und der dt. Jugendschützer-Zensur!! Teil 3 war aber bereits gekauft und lag nun einige Jahre bis zum heutigen Tag im Schrank und schliesslich habe ich ihn mir doch endlich angeschaut....

Paul Kersey (C. Bronson) nennt sich inzwischen Kimble (...wirklich lahmer Gag...) und ist nach einer angedeuteten Rächer-Tour durch die USA wieder an alter Wirkungsstätte in New York angekommen. Eingeladen von einem alten Freund aus dem Korea-Krieg trifft er genau dann ein, als der gerade dabei ist den Löffel abzugeben. Die bösen Buben, sprich Mörder, sind natürlich wieder die Mitglieder einer Jugend-Gang und Opa Bronson packt im Verlauf der Handlung irgendwann die Browning-MG`s und die Panzerfaust aus um dem üblen Gesocks die Lebenslichter auszublasen.

Vergessen wir mal die allgemein geltenden Attribute einer halbwegs vernünftigen Filmhandlung und vergleichen nur die Story von Teil 2 mit der von Teil 3. Überraschenderweise schneidet da Teil 3 doch sehr viel besser ab (allerdings auf gaanz, ganz niedrigem Niveau). Um das dürftige Plus an Handlung aber dann gleich 100fach wieder durch jede Menge Quatsch im Drehbuch, der Inszenierung und den darstellerischen Leistungen zu verspielen.

Fangen wir mal bei den meiner Ansicht nach gröbsten Fehlleistungen an.

Die Aufmachung und Darstellung der Mitglieder der Gang. Zuerst mal haben viele davon eine total dämliche Gesichtsbemalung, die eigentlich keinen Sinn zu haben scheint. Allesamt wirken weder irgendwie überzeugend noch gar bedrohlich. Nicht mal der böse Ober-Creep, der aus der Riege der Dummbeutel eigentlich nur noch durch seine saublöde Frisur und etwas mehr Screentime hervorsticht.
Die Guten bzw. die Opfer sind aber genausowenig überzeugend. Charlie Bronson ist schlichtweg zu alt für den Scheiß. Die alten Leutchen in dem terrorisierten Viertel sind allesamt nichts weiter als eben alt und Opfer. Der junge Latino, dessen Frau natürlich vergewaltigt wird und dann an einem gebrochenen Arm stirbt, ist auch bloß eine lächerliche Minderheiten-Alibi-Rolle und erklimmt den Gipfel der Lächerlichkeit im Schluß-Shoot-Out, als er mit einer Art Rohr und einzelnen Patronen den unzähligen Gang-Mitgliedern zu Leibe rücken darf.

Schauspielerisch gewinnt hier keiner auch nur einen Blumentopf und eigentlich hätte man die eine Fraktion am besten im Kindergarten belassen und die andere erst gar nicht aus ihren Särgen treiben müssen um solch einen Scheiß auf Zelluloid zu bannen.
Klar, wo keine Grundlage ist, da kann auch nichts vernünftiges entstehen. Was ich hier ganz deutlich auf das Drehbuch beziehen will.

Die sogenannte Handlung dient eigentlich nur dazu um Bronson genug Gründe zu liefern Unmengen an sogenannten Creeps zu killen. Da man ja aus der Tagespresse weiß, daß in manchen Gegenden dieser Welt fast kein Grund zu billig ist um einen Menschen zu töten, verwundert das geradezu infantile Drehbuch eigentlich auch nicht wirklich.

Über allem steht bei solchen Produktionen ja der Blutanteil und Bodycount!
Hier angelangt kann ich wenigstens vermelden, daß der Bodycount sehr hoch ist, wenn auch die möglich gewesene blutige Umsetzung dessen, doch eher auf bescheidenem Niveau abläuft. Wenn ich nun noch bedenke, daß der Streifen damals nur in einer total verhackstückten Version zu sehen war, dann muß ich mich schon mal fragen, weshalb damals so rigoros die Schere des Zensors zum Einsatz kam.
Gerade der ca. 15-minütige Schluß-Shoot-Out ist sowas von lächerlich, trashig-übertrieben und auch noch fast blutarm inszeniert, daß man sich echt fragt, weshalb das erbärmliche Stückchen Film damals solche Aufmerksamkeit von der FSK bekam.

Fazit: Wem es nur um möglichst ausufernde, aber blutarm und ermüdend inszenierte Schiessereien geht, dem dürfte dieser Streifen aus der „Death-Wish-Reihe“ wahrscheinlich gefallen. Für manch andere bestätigt sich vielleicht ein schon lange gehegter Verdacht. Nämlich, daß eine ausgiebige Zensur und/oder hohe FSK-Freigabe geradezu dazu beitragen ein größeres Interesse für Filme erwecken, die ohne diese Maßnahmen wahrscheinlich nicht mal einen Bruchteil an Interessenten/Zuschauern/Käufern gefunden bzw. oder gar verdient hätten.

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