Review

Triadenboss Hung Yan-jau [ Andy Lau ] hat gerade von seiner Frau Emily [ Jaqueline Wu ] einen Sohn geschenkt bekommen, als sich bereits das Unheil zusammenbrodelt. Der Kleinkriminelle Yik [ Shawn Yu ] hat einen Todesauftrag bekommen und macht sich auf dem Weg zu seiner Zielperson auf, währenddessen Lefty [ Jacky Cheung ] seine rechte Hand Shing [ Gordon Lam ] und dessen Killer auf Hungs Kontrahenten Tall Man [ Eric Tsang ], Big Lungs [ Norman Tsui ] und Figo [ Miu Kiu Wai ] loslässt.

"Cut the weeds and dig up the roots".
Als der Film erschien, glichen sich interessanterweise die Kommentare, die oft einen Vergleich mit As Tears go By [ 1988 ] anstellten und gleichzeitig die "style over substance" Formel bemühten.
Die Hinführung auf den Wong Kar Wai Film ist etwas verfehlt; ergibt sich dann wirklich nur aus dem Setting sowie der Besetzung mit auch Andy Lau und Jacky Cheung, was allein einige Erinnerungen schürt. Mehr nicht.
Auch das zweite Merkmal trifft nicht so wirklich zu. Der Film bezieht zwar seine Wirkung aus dem Inszenierten, aber vernachlässigt das zu Erzählende nicht; sondern weist speziell bezüglich der Handlungsführung einige interessante Punkte auf.

Es spielt sich alles in einer Nacht ab. Die anscheinend schon begonnen hat; man sieht zumindest kein Tageslicht mehr. Also ist der vorhandene Spielraum sehr stark eingeschränkt, was auch dazu führt, dass die Geschehnisse bereits in Gang gesetzt sind und weder vorbereitet noch eingeleitet werden müssen. Der Film zeigt den Ablauf bereits programmierter Handlungen an; wodurch man mitten in die Erlebnisse hineinversetzt wird und den sich abspulenden Verlauf nur noch beobachten kann. Ein Eingreifen ist zu spät, da sich die Parteien lange vorher aufeinander zubewegt haben und die Kräfte bereits zum Tragen kommen.
Dieser Eindruck wird durch die Kürze und Organisation der Erzählung verstärkt; Jiang Hu ist für ein Epos ein ausgesprochen kompakter Film [ 85min Laufzeit ], der sich nicht extra nach allen Seiten hin breit machen muss, um bedeutend zu wirken.

Andererseits erscheint das dargestellte Geschehen angesichts der knappen Zeit nicht wirklich gedrängt, sondern teilweise auch, als wäre viel Bewegungsfreiheit vorhanden. Als würde es in einem ausgedehnteren Rahmen stattfinden als angegeben. Dafür sprechen die grossflächigen Veränderungen in der Unterwelt ebenso wie die relative Ruhe, die einige Szenen umgibt; besonders die Gespräche von Hung und Lefty.
Beide haben sich in einem frisch renovierten Restaurant zurückgezogen, wo sie von allem abgeschlossen eine Art letztes Mahl zu sich nehmen. Sie stehen über den Dingen. Nur sie beide sind dort und klären in mehreren Einzeldialogen die Grundlagen für ihr bereits vollzogenes Tun und ihre weitere Vorgehensweise; während draussen auf den Strassen ihre jeweiligen Anweisungen nach und nach ausgeführt werden.
Spürbar dabei ist, dass Lefty seinen alten Freund und Wéggefährten ebenso aus dem Geschäft hinaushaben will und erst mit Andeutungen auf die aufgebaute Familie und speziell des Neugeborenen dazu drängt; die Sicherheit als Vorwand. Allerdings bei der verhaltenen Reaktion von Hung intensiver wird. Seine Stellung als nur zweiter Mann an der Spitze ist ebenso erkennbar wie der Willen, auch endlich einmal an der Spitze der Hirarchie zu stehen.
Gleichzeitig wird dabei aufgezeigt, dass Lefty zwar von der Position her das Zeug dazu hätte – im Gegensatz zu Tall Man, Big Lungs oder Figo –, aber auch nicht die geeignete Mentalität und Führungsqualität.

Parallel dazu erfolgt der zweite Handlungsstrang. Das komplementäre Gegenstück dazu besitzt mit Yik und seinen best buddy Turbo [ Edison Chen ] gleichzeitig die Merkmale eines Neubeginns als auch des Rückblicks auf die Anfänge der nunmehr älteren Bosse, die sich ja wahrscheinlich ebenso mühsam hochgearbeitet haben. Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich zu einer einheitlichen, allerdings etwas stereotypen und dadurch begrenzten Charakterisierung. Die Figur des Yik muss man eigentlich nicht mehr porträtieren, verschafft ihm aber in den Stunden noch eine versuchte Analyse. Er wird mit seiner Mutter – einer Polizistin [ Kara Hui ] – ebenso gezeigt wie sein Umgang mit dem in Schwierigkeiten steckenden Turbo und auch der wohl ersten grossen Liebe zu der Prostituierten Yoyo [ Yuan Lin ], die er auch grad erst kennengelernt hat.

Vor allem hierbei wirken die Ereignisse länger als es der knappe Handlungsrahmen eigentlich zulässt. Zu dicht gedrängt die verschiedenen Thematiken, einfach zu viel auf einmal. Ausserdem ist das Verhalten und Vorgehen nicht wirklich frisch; in Bezug auf den Machtkampf in der Hak Seh Wui werden sowieso keinerlei erweiternde Aussagen gemacht. Der eingebaute Clou am Ende gibt dem Film eine etwas andere Sichtweise und erklärt einiges hinterher, verschafft aber keine wirklichen Erneuerungen hinsichtlich der Biographien und bleibt genrerealistisch.
Und im Gegenzug sind die anderen Figuren drumherum theoretisch arg vernachlässigt, da allein auf die Mitte fokussiert wird; wirken aber dann doch noch allein aufgrund der schillernden – und besseren – Besetzung imposant.
Die formale Betonung drückt sich dann bei der Filmsprache durch, die mit ihrer Stilisierung vielleicht etwas selbstzweckhaft und überproduziert erscheinen mag, aber das Bild extrem dynamisiert. Der Film lebt dann aucb mehr von einzelnen ästhetischen Konvolutonen, die mit ihrer visuell faszinierenden Montage immer wieder erneut die Aufmerksamkeit erregen und dabei einprägsame Momente schaffen. Was zum Beispiel Election nicht hervorbringt und Wong Ching Pos Nachfolger Mob Sister komplett vergeigt.

Eine reizvolle Aufarbeitung von Klischees; durch die Plotkonstruktion gut unterstützt und durch die Besetzung wie als gelungenes Gegenstück zu Infernal Affairs wirkend.

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