1968 war es, als Regisseur George A. Romero mit "Night of the Living Dead" anfing, dass Zombie-Genre zu dem zu machen, was es heute ist. In "Dawn of the Dead" revolutionierte er das Genre erneut und schuf den wohl brillantesten Zombie-Film aller Zeiten, trotz merkbar billiger Inszenierung und ein nicht unbedingt Hieb- und Stichfesten Story. Daraufhin schossen die Zombie-Filme dann wie Unkraut aus dem Boden. Mal mehr, meist weniger gut, wurde der Zombie-Streifen, ähnlich wie das Slasher-Genre, zu Tode geritten. Erst mit "28 Days Later" aus dem Jahre 2002 kam wieder Leben in die müden Zombie-Knochen. Und alles was gut ist, wird irgendwann mal parodiert. Und mit "Shaun of the Dead" beweisen uns nun die Briten und das Team von "28 Days Later" wie man so etwas am besten macht, ohne unter die Gürtellinie zu gehen oder übermäßig albern zu sein.
"Shaun of the Dead" ist eigentlich weniger Verarsche als vielmehr eine liebevolle Parodie und Hommage auf ein Genre, was einem am Herzen liegt. Regisseur Edgar Wright verhohnepipelt die Zombie-Streifen nicht, nein, er zeigt uns eher wie man einen Zombiestreifen auf lustig trimmen kann und dabei sogar etwas Romantik mit hinein bringt. Dabei ist die Geschichte um den trägen, schlurfigen Anti-Helden Shaun, der gerade von seiner Freundin verlassen wurde, und seinem noch trägeren Kumpel fein ausgedacht und passt zu einer guten Horror-Comedy wie die Faust aufs Auge. Die üblichen Logik-Lücken sind zwar vorhanden, doch wenn stört das hier eigentlich noch? Insgesamt kann man bei diesem Punkt vollkommen zufrieden sein.
Wie schon kurz angesprochen ist dieser Film weniger eine Zombie-Verarsche, sondern mehr eine Mischung aus den Genres Comedy, Horror und Romantik. Das dabei aber natürlich die Komödie am meisten bedient wird, dürfte keine Überraschung darstellen. Und hierbei funktioniert der Streifen auch am allerbesten. Die Gags sind nämlich, nahezu durchgehend, echte Brüller. Auf Sex- und Brachialhumor alla "Scary Movie" wird komplett verzichtet, alles spielt sich fein säuberlich über der Gürtellinie, aber über und über mit Blut besudelt, ab. Denn schließlich handelt es sich hierbei um eine Brit-Comedy und die sind bekanntlich meist schwärzer als die Nacht. Dabei kann man hier allerdings wirklich auch noch über den deftigsten Joke aus vollem Halse lachen.
Aber nicht nur die Gags sind für einen Brüller nach dem Anderen gut, auch die schrägen Charaktere animieren durchgehend zum schmunzeln. Egal ob es nun der herrlich träge Looser Shaun, sein nicht minder gemütlicher Kumpel Ed, die schnuckelige Freundin Liz oder seine, schon von vorne herein zombiehaft anmutende, Mutter ist. Allesamt sind sie herrlich schräge Gestalten, feinsinnig überzeichnet, dabei aber in keinster Weise lächerlich. Man lacht zwar in einem Fort über sie, aber wirkliches Auslachen der einzelnen Figuren kommt nicht in die Tüte. Und ab und an kann man sogar richtig mit ihnen mitfühlen. Vor allem Shaun tut einem irgendwann eigentlich nur noch leid, zumindest irgendwie;)!
Wer jetzt allerdings denkt, dass das ganze Geschehen nur aus irgendwelchen (Zombie-)Witzen besteht, der irrt sich gewaltig. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Parodien, gibt es in "Shaun..." auch wirklichen Horror. Nachdem sich die Freunde durch die Zombie verseuchte Stadt geschlagen haben und endlich in ihrem heißgeliebten "Winchaster-Pub" angekommen sind, kommt sogar noch richtige Horror-Atmosphäre auf. Die Zombies schlagen von draußen an die Tür, die Musik schwillt auf unheimliche Art und Weise an, und schon fühlt man sich plötzlich so, als würde man in einem bierernsten Zombie-Streifen sitzen. Wer also denkt, dass hier alles nur harmloses Gewitzel vorhanden ist, der ist im falschen Film. Zwar werden natürlich auch hier Witze gerissen und wirklich ernst wird man das Ganze dennoch niemals nehmen, aber im Gegensatz zur Konkurrenz ist hier stimmungsvolles Gruseln durchaus gewünscht.
Dafür sorgen, wie schon erwähnt, die, manchmal sogar recht knackige, Atmosphäre, der brillant komponierte Score, als auch die mehr als deftigen Gore-Szenen, die in ihrer Härte teilweise schon an manch heftiges Zombie-Getöse erinnern. Das Blut fließt in Strömen, die Zombies fressen kräftig und zerteilen sogar eines ihrer Opfer in seine Einzelteile. Spätestens hier dürfte auch der letzte Zuschauer davon überzeugt sein, dass dies hier nichts für zarte Gemüter ist. Die deutsche FSK 16-Freigabe ist dabei eigentlich vollkommen unverständlich, denn hier gibt es durchaus Szenen, die selbst in manchem FSK 18-Streifen noch herausgeschnitten wurden. Durch die einwandfreie, glaubwürdige und meist nicht übertrieben wirkende Inszenierung dieser Gore-Szenen, wirken gerade diese Stellen eher ernst als komödiantisch und dadurch eben verdammt hart, wodurch mancher Horror-Anfänger den Kinosaal dennoch mit vollen Hosen verlassen dürfte.
Als Zuckerguss gibt es dann noch ein wenig Romantik mit oben drauf, die allerdings kaum zu spüren ist, was natürlich auch gut so ist. Shaun und Liz trennen sich am Anfang und kommen im Laufe des Films natürlich wieder zusammen (ich hoffe ich habe jetzt nicht zu viel verraten;)). Geknutsche etc. wird außen vor gelassen, Kitsch ebenfalls. Also keine Angst wenn ihr die Worte "Romantische Komödie" irgendwo zu lesen bekommt!
Einzig und allein ein paar wenige Längen müssen leider kritisiert werden. Genau genommen sind diese Längen in der Pub-Szene zu finden. Bevor der flotte und blutige Showdown ins Rollen kommt, zieht sich das Geschehen doch eine zeitlang spürbar in die Länge, ohne so recht vom Fleck kommen zu wollen. Zwar lockern einzelne Jokes auch hier das Geschehen auf, doch im Grunde wirkt hier manche Einstellung schlicht und einfach überflüssig. Wollte man das Publikum erst einmal beruhigen, bevor man es ins das temporeiche Final schickt? Ich weiß es nicht! Aber na ja, das ist auch wirklich das Einzige was stört.
Als letztes sollten noch kurz die Darsteller erwähnt werden, die allesamt eine zufriedenstellende Performance abliefern. Allen voran Simon Pegg der seine Rolle als Triefsack Shaun wirklich exzellent zur Schau stellt. Da macht das Zuschauen gleich doppelt so viel Spaß!
Fazit: Liebevolle, blutige und vor allem verdammt witzige Zombie-Persiflage, die das Genre nicht verarscht, sondern auf eine tief verbeugende Art und Weise karikiert. Auf der einen Seite zum brüllen komische Gags, auf der anderen Seite hart und ernst inszenierte Gore-Effekte, lassen einen ein Wechselbad der Gefühle zwischen (vielen) Lachern und (einzelnen) Schauern durchleben. Wem "Scary Movie" zu albern oder zu lächerlich ist, der dürfte hier eigentlich genau richtig sitzen. Und die Fans von SM sowieso!
Bis auf kleinere Längen wirklich ein wunderbar britisches Kinoerlebnis!
Wertung: 8/10 Punkte