Hach ja klassischer staubtrockener britischer Humor, wie man ihn aus den guten alten Monty Phyton Zeiten kennt ist schon was Feines. Blutige Zombiestreifen, seien sie von Romero, Fulci oder Zack Snyder sind auch was Feines für den gebürtigen Horrorfan. Kombiniert man diese beiden Aspekte bekommt man als Ergebnis Shaun of the Dead, seines Zeichens der erste Film, der das Genre romantische Zombiekomödie für sich in Anspruch nehmen darf.
Kurz zur Story: der Fernseher verkaufende Loser Shaun und sein Timesplitters zockender Kumpel der Oberloser Ed wachen eines morgens auf und finden sich in einem von Zombies verseuchten London wieder. Schaun fasst den Plan sowohl seine Mutter als auch seine Freundin Liz, die ihm am Vorabend abgeschossen hat, zur retten und sich daraufhin in seiner Stammkneipe zu verbarrikadieren, wo er mit viel Bier im Kreise seiner Liebsten auf die hoffentlich kommende Rettung warten will.
Funktioniert das überhaupt, eine Zombiefilmparodie? Aber auf alle Fälle der Film brennt ein Feuerwerk an verschiedensten Gagsorten ab. Klassischer trockener britischer Dialogwitz, herrlich alberne Slapstickeinlagen, Parodien auf die Genre-Klassiker und deplazierte Zitaten ala „Coming to get You Barbara“ strapazieren gehörig die Lachmuskeln. Die großen Pluspunkte welche den Film so gut machen, sind zum einen die schrulligen liebenswerten Charaktere, denen der Film mehr Emotionalität und Authentizität zugesteht als das für Komödien eigentlich üblich ist. Zum anderen die rasante Inszenierung, die keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Einige Sequenzen, wie die ohne sichtbare Schnitte auskommende mehrminütige Szene in der Shaun völlig verkatert, die um ihn herum geschehende Zombie-Apokalypse völlig ignorierend, von seiner Wohnung in den nächsten Supermarkt schlendert, ein Eis und eine Cola Light (wichtig) kauft und zur Wohnung zurückkehrt, wissen den Filmfreund zu begeistern. Auch der Soundtrack steuert einen gehörigen Teil zur guten Laune Stimmung bei, bis auf einige meinen Ohren missfallenden Technotracks passt die Musik immer Klasse zum Film, vor allem die Rockmusik im Auto oder das geniale Goblins Lied sind perfekt gewählt. Die Darsteller, allem voran Simon Peg als Shaun machen ihre Sache wirklich gut, zwar nicht oskarverdächtig, aber man kauft allen Beteiligten ihre Rollen durch ihre Natürlichkeit jederzeit ab.
Kommen wir zum einzigen großen Manko des Films, wenn die Überlebenden den scheinbar rettenden Pub erreichen, hört der Film plötzlich auf eine Komödie zu sein. Im folgenden Überlebenskampf ist so ziemlich jedes Zombiefilmklischee vorhanden, was man sich vorstellen kann: Attacke durch verbarrikadierte Fenster, Diskussionen um die Führerschaft, nicht war haben wollen der Infektion eines geliebten Menschen inklusive höchst klassischer Auflösung, die unvermeidliche Gedärme Ausweidungsszene und die finale Debatte über den passenden Selbstmord. Nur der Film parodiert diese Klischees nicht mehr, wie er das anfangs tat, er imitiert sie nur noch, dies freut zwar den Fan, dürfte aber den normalen Zuschauer deutlich überfordern. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher ob dies absichtlich geschieht, die Gags sind zwar prinzipiell noch vorhanden, aber der Film schöpf ein Maximum an Spannung und Dramatik aus der Belagerungssituation, so das die Gags einfach nicht mehr zünden wollen. Gute Beispiele hiefür sind der Mexican-Stand-Off mit den Bierflaschen oder das Verwenden der Überreste eines gefallenen Kameraden als Schlagwerkzeug. Auch das Finale im Keller würde man trotz des Wortwitzes niemals einer Komödie zuordnen, würde man die Szene für sich genommen betrachten. Ich hatte ja fast schon ein Ende ala Night ob the Living Dead erwartet, indem die Überlebenden fälschlicherweise für Zombies gehalten und getötet werden, aber der Film kehrt noch mal zur Komödie zurück. So witzig das Ende auch ist, vor allem der Fernsehbericht ist köstlich, so unpassend ist es auch nach der Dramatik der vergangenen Szenen.
Fazit: Man bekommt 70 Minuten eine wahnwitzige Zombiekomödie mit irrem Tempo und Klasse Gags, dann 15 Minuten dramatischen blutigen Zombie-Survival-Horror mit etwas schwarzem Humor und dann noch mal die restlichen 5 Minuten der ursprünglichen Komödie zu sehen. So perfekt gemacht beide Teile auch sind, der Stilbruch ist etwas drastisch ausgefallen. Jeder Fan von Zombiefilmen wird sich über die gesamte Spieldauer perfekt amüsieren, aber durch die Härten im letzten Drittel verschließt sich der Film einem breiteren Publikum. Etwas schade, da Shaun of the Dead einer der erfrischendsten und abgedrehtesten Filme ist, die in letzter Zeit die Lichtspielhäuser erreicht haben. Ein Film der den Genre-Klassiker Braindead vom Humor her locker übertrifft, aber leider nicht für jedermann geeignet ist.