Angestachelt vom Erfolg der Filme von Dark Castle drehte William Butler einen Horrorfilm, der sehr an deren Streifen „Haunted Hill“ und „Gothika“ erinnert.
Nach einem hektischen Vorspann, bei dem sich die Gesichter von Anstaltsinsassen zu Geisterfratzen morphen („Haunted Hill“ lässt schön grüßen) betritt Medizinstudent Clark Stevens (Joshua Leonard) die Cunningham Hall, eine Irrenanstalt. Der junge Mann will sich so die Aussichten auf einen späteren Job verbessern und betritt das Kuckucksnest. Von außen sieht es respektabel aus, von innen schon heruntergekommener („Haunted Hill“ grüßt beim Raumdesign erneut).
Schon kurz nach Arbeitsbeginn ist Clark die ganze Anstalt suspekt, doch lediglich in der Pflegerin Sara (Jordan Ladd) findet er eine Vertraute. Als bald darauf jemand ermordet wird, macht sich Clark daran herauszufinden, was hier eigentlich vorgeht…
„Madhouse“ gibt sich teilweise sichtlich Mühe trotz des Mangels an eigenen Ideen noch spannend zu werden. Tatsächlich kann er optisch nicht gegen „Gothika“ anstinken, aber andrerseits ahnt man die Auflösung nicht bereits nach 15 Minuten. So streut „Madhouse“ über den Film hinweg verschiedene Fährten, mal kommt Paranormales in Frage, mal verhalten sich bestimmte Charaktere sehr suspekt. Leider wird der finale Twist nicht bloß mit Pfahl, sondern direkt mit dem ganzen Lattenzaun herangewunken, zumal die Auflösung in den letzten Jahren häufiger in dieser oder ähnlicher Form gebraucht wurde, und so ist man bereits 10 Minuten vor dem Protagonisten auf den Trichter gekommen, wer hier nun hinter dem Ganzen steckt.
Auch als reiner Slasher funktioniert „Madhouse“ nicht so richtig, da die Anzahl der Mordszenen sehr gering ist und die erste Sterbeszene auch recht lange auf sich warten lässt. Blutig und heftig sind die meisten der wenigen Mordszenen, doch richtig spannend sind sie leider nicht geraten, da man eh immer schnell ahnt, wann der Killer auftaucht und wie er wohl zuschlägt. Doch nicht nur in den Sterbeszenen, auch insgesamt hat „Madhouse“ seine Schnitzer im Spannungsbogen: Viel zu lange dauert die Einführung, erst im letzten Drittel nimmt der Film dann so richtig Fahrt auf und sorgt dann mit diversen falschen Fährten und ein paar Enthüllungen über die Anstalt noch mal für ordentlichen Drive, ehe er die Auflösung dann viel zu deutlich andeutet.
Ebenfalls nicht gerade förderlich ist die große Menge an Klischees und Standardsituationen, die „Madhouse“ auffährt: Der Mann im Arztkittel, der Clark begrüßt, ist in Wahrheit nur ein Irrer, aber den Gag kennt man aus zig anderen Filmen, das Anstaltspersonal besteht zum Teil aus echten Sadisten und im Keller sperrt man die Klischeepsychos weg, die am liebsten an der Scheibe ihrer Zelle nuckeln und deren Zellen wohl nie gesäubert werden. Das macht „Madhouse“ dann teilweise noch unorigineller als er eh schon ist.
Doch misslungen ist „Madhouse“ trotzdem nicht, da William Butler immerhin für stimmige Bilder sorgt. Eindrucksvoll z.B. die Gespräche Clarks mit dem Zelleninsassen Ben, der nie ins Licht kommt, oder die Kameraführung in der Mordszene am Kühlschrank. Auch die wenig farbfrohe Beleuchtung in den Mauern der Anstalt sorgt für eine bedrückende, düstere Stimmung und gibt dem Film die Atmosphäre, die das Script nicht so recht aufbauen kann.
Schauspielerisch kann man hier keine Glanzleistungen verzeichnen, gerade Lance Henriksen und Natasha Lyonne sind mit wenig Screentime gesegnet und können nur wenig aus ihren Parts machen. Jordan Ladd ist recht mittelmäßig und Joshua Leonard fehlt einfach das nötige Charisma für die Hauptrolle. Er bleibt zu blass und hat zu wenig Profil, um den Zuschauer mitzureißen oder gar eine Identifikationsfigur abzugeben.
Stimmige Bilder, aber wenig dahinter: Mit wenig Innovationen, reichlich Klischees und nur im Schlussdrittel wirklich ordentlicher Spannungskurve kommt „Madhouse“ daher. Passabler Durchschnitt, aber bei weitem keine Großtat.