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"Madhouse", der zweite Film des Schauspielers William Butler ("Watchers 3"), bietet soliden Horror der B-Film-Klasse, wobei es sich jedoch um einen besseren Vertreter jener Gattung handelt, denn die gradlinige Inszenierung vermag auch ohne großes Budget oder ausufernde Effektorgien zu unterhalten.

Um den Notendurchschnitt seines Studiums etwas anzuheben, tritt der junge Medizinstudent Clark (Joshua Leonard) sein Praktikum in der "Cunningham Hall" Klinik für seelisch gestörte an. Sein Taten- und Ideendrang wird jedoch gleich zu Beginn von dem Anstaltsleiter Dr.Frank (Lance Henriksen) gebremst, der ihn schnell auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Tatsächlich sind viele Bereiche der Institution erneuerungsbedürftig (von der Bausubstanz bis hin zu den angewandten Methoden), doch mit freundlicher Unterstützung der attraktiven Schwester Sara (Jordan Ladd) wird Clark in den Tagesablauf eingeführt und versucht die Situation bestmöglich zu meistern.

Schon bald wird er jedoch von unheimlichen Visionen geplagt, deren Zentrum ein Junge bildet, den Clark zuerst für einen Patienten hält, dann aber seine Meinung durch das Gesehene hin zum Paranormalen korrigieren muss. Merkwürdig ist auch, dass Dr.Frank Bücher zu übernatürlichen Themengebieten in seinem Büro aufbewahrt, obwohl jener ein durch und durch rationaler Mensch ist. Langsam kommt Clark zudem dahinter, dass etwas mit den Patienten nicht stimmt, denn niemand von ihnen scheint je gesund entlassen worden zu sein...

Als schließlich die ersten Angestellten auf bestialische Weise ermordet aufgefunden werden, verschlimmern sich auch seine Visionen. Ein Patient, ganz tief unten im Kellergeschoß mit den "schlimmsten Fällen" der Klinik (dem so genannten "Madhouse"), scheint jedoch mehr über die Vorfälle zu wissen, die weit in der Vergangenheit der Institution verwurzelt sind...

Nach der hypernervösen einleitenden Sequenz (vor den Anfangscredits), bei der ein mit hektischer Handkamera gefilmter Fluchtversuch gezeigt wird, welcher immer wieder von aufblitzenden Bildern verzerrter Fratzen oder blutüberströmter Patienten unterbrochen wird, wird der Film etwas ruhiger und leitet die Geschichte ein, bevor rechtzeitig zum Showdown wieder raschen videoclipartigen Schnittfolgen zu verfallen. Während des Verlaufs werden die Visionen natürlich auch mit Hilfe dieses Stilmittels dargestellt, woraus einige gute Schockmomente resultieren. Der Film ist modern inszeniert, wirkt aber fast ein wenig altmodisch, was wohl aus dem Verzicht auf Special Effects resultiert – statt dessen wird viel auf Schnitt-Technik und Geräusche, wie flüsternde Stimmen oder bedrohliche Laute, gesetzt.

Die gesamte Art der Umsetzung fand ich persönlich gelungen. Die einzelnen Elemente sind wahrlich nicht neu oder innovativ, dafür allerdings recht gut proportioniert worden. Ein zentraler Aspekt der Auflösung ist leider für Kenner dieser Art von Filmen etwas vorhersehbar geraten, doch (vielleicht um diesen Faktor etwas zu überspielen?) gleichzeitig zieht Regisseur Butler am Ende noch einmal alle (leider etwas verbrauchten) Register genretypischer Inszenierungsweisen: Gewitter, Zeitlupeneinstellungen und Axt-schwingender Killer inklusive.

Vieles erinnerte mich an "House on Haunted Hill" (das Remake), vor allem die Sequenzen aus der Irrenanstalt jenes Films. Der Goregehalt hält sich in Grenzen, doch einige Szenen sind diesbezüglich durchaus gelungen (beispielsweise wenn die Oberschwester, an einem Stuhl gefesselt, mit Elektroschocks gefoltert wird und sich dabei explizit die eigene Zunge abbeißt, die aufblitzenden Visionen, Gehirn-OPs, oder als einem Arzt der Schädel gespalten wird).
Nicht alle Patienten werden als total irre oder abstoßend dargestellt (nur jene im "Loch"), sondern auch als Opfer der Umstände und/oder ihrer Krankheiten. Viele von ihnen sind natürlich nur vordergründige Abziehbilder von Irrenanstaltinsassen, aber einigen wird durchaus genügend Charakterraum geboten.

Die Spannung hält sich leider etwas in Grenzen, doch einige Schreckeffekte und atmosphärische Szenen (vor allem die Gespräche zwischen Clark und dem geheimnisvollen Patienten, der es aus bestimmten Gründen vorzieht, nur im Dunkeln zu leben) sind durchaus geglückt.

Kommen wir zur Besetzung: Joshua Leonard ("the Blair Witch Project") hat mich positiv überrascht, denn er meistert seine Rolle wirklich überzeugend. Ein weiteres Highlight dieses Bereiches ist auch mal wieder B-Film-Veteran Lance Henriksen ("Pumpkinhead" / "Alien vs. Predator"), der den strengen Anstaltsleiter, welcher aus Profitgründen seinen Patienten Placebos verabreicht, um sie lukrativ bei sich in der Institution halten zu können, gekonnt souverän darstellt. Natasha Lyonne ("Freeway 2") spielt eine Insassin glaubwürdig, doch leider ist sie hier verschenkt worden, denn ihre Rolle ist einfach zu klein und unbedeutend ausgefallen. Jordan Ladd ("Cabin Fever") ist hübsch und hat sicher auch Talent, dient hier allerdings vornehmlich nur als "Eye Candy" des Films.

Fazit: "Madhouse" ist B-Film-Horror, der einen für rund 90 Minuten seines Lebens oberflächlich sowie ohne größere Ansprüche durchaus angenehm zu unterhalten vermag ... 7 von 10.

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