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Die Antwort der Warner Bros auf die Horrorfilme von Universal wurde wie auch bei Doctor X [ 1932 ] und Das Geheimnis des Wachsmuseums [ 1933 ] von Michael Curtiz gedreht, der hier eine passende Komposition aus Gangster- und Zombiefilm erschuf, wobei die reanimierte Person hier noch weit mehr ein Mensch als eine blosse Kreatur ist und mitfühlend von Boris Karloff dargestellt wird.

Karloff ist der frisch aus dem Gefängnis entlassene John Ellman, der als Sündenbock für den Mord an einem nicht bestechlichen Richter herhalten soll. Seine leicht naive und sanft - traurige Art machen ihn zum perfekten Opfer ebenso wie zum tragischen Aufhänger der Geschichte; Ellman wird zum Tode verurteilt und auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Da in letzter Sekunde zwei Zeugen seiner Unschuld auftauchten, erweckt ihn der Wissenschaftler Beaumont [ Edmund Gwenn ] wieder zum Leben. Ellman reagiert zwar noch langsamer als vorher und sein Erinnerungsvermögen scheint auch durch ein Blutgerinsel blockiert zu sein, dafür scheint er andere mächtige Kräfte und auch Vorausahnungen zu besitzen. Nacheinander sucht er seine Mörder heim.

Anders als bei einem reinen Rachewerk werden die wahren Täter nicht durch ihn selber umgebracht, sondern erliegen unglücklichen Zufällen, die allerdings ohne sein Zutun nicht erfolgt wären. So stürzt der Killer des Richters und bricht sich das Genick, einer weiterer rennt auf der Flucht vor einen Zug, ein dritter erleidet einen Herzinfarkt und kracht beim Fallen durch sein Appartmentfenster auf den Gehsteig. Furcht genug vor dem Auferstandenen haben sie bereits bei seinem blossen Anblick, wobei seine Augen die Schuld auf ihren Gesichtern auch wörtlich lesen kann und den ersten Angstschweiss selbst in sicherer Entfernung hervortreibt.
Auch will Ellman gar nicht ausdrücklich Rache, sondern in seiner gestellten Frage "Warum haben Sie mich umgebracht ?" nur das Vorgehen des Mobs verstehen, die die gesamte Stadt eingeschüchtern, korrumpieren und fest in ihrer Hand haben. Die zwei Gerichtsprozesse im Film sind reine Farce, die Urteile stehen eigentlich schon vorher fest, was alle Beteiligten auch wissen.
Die Kraft hinter dem weiteren unschuldigen Tod von Ellman sorgt dann für ausgleichende Gerechtigkeit, sein bei der Hinrichtung empfundener Friede kann erst wieder hergestellt werden, wenn wirklich alles wieder im Reinen ist; reelle Gegenwehr der Gangster kann ihn dabei nicht stoppen.

Curtiz inszeniert dabei in einer effizienten Direktheit, knapper Szenenaufbau beschränkt sich auf das elementar Nötigste und injiziert den ruhigen dramatischen Aspekt über den hier beeindruckenden Karloff. Wahre Eingebundenheit in den Stoff kann durch die eingeschränkte Laufzeit nicht erreicht werden, einige Plotelemente müssen in der Rasanz des Geschehens dran glauben.
Die sehr gesunde und abwechslungsreiche Urbanität des Modern Day Schauplatzes wird nur kurz mit gängigen Science Fiction - [ Labor ] und Horrormotiven [ Friedhof ] gespickt und vermischt so geschickt Realität mit dem Unvorstellbaren und Unerklärlichen, woran auch die Wissenschaft scheitert. Der Lebensgeist hat Ellman nur kurz verlassen, aber die Auswirkungen der Zeit der Leere und die vorübergehende Trennung von Geist und Körper sind unbestimmter Natur und werden am Ende mit "Leave the dead to their Maker. The Lord our God is a jealous God." angedeudet.

Unverständlicherweise für den ansonsten entsprechend sehr ernsten Ton werden zwei harmlose Running Gags ebenso reingeschrieben, wie später eine längere, fast comedyartige Sequenz, die in den 5min die ansonsten düstere Atmosphäre des Filmes fast umkehrt. Andere Arten der Effekthascherei treten ansonsten auch nicht in den Tötungsszenen auf, dafür sind die Autostunts für die damalige Zeit ganz schön fesch.
Der Originaltitel Walking Dead ist im Übrigen eine schöne Analogie zu "Dead Man Walking", Ellman's Todesmarsch hätte nämlich zweimal verhindert werden können, letztlich bringt man ihn auch zweimal um.

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