Also, ich kann ich die Lobeshymnen auf Hafström´s Film nicht so ganz nachvollziehen. Sicherlich ist "Evil" zwar kein wirklich schlechter Film - aber all diejenigen, die ihn hier so überschwänglich bewertet hatten, haben anscheinend die unzähligen Klischees und den ganzen Schmalz übersehen (oder mit viel Wohlwollen beide Augen zugedrückt...).
Dabei macht der Film gerade anfangs vieles richtig. So schafft er es sogar, dass man tatsächlich Sympathien für die Hauptfigur entwickelt, was mir ja gerade bei solchen "Rebellen-Charakteren" nur selten gelingt. Äußerst schwach gezeichnet sind dagegen aber die "Bösen", welche einfach nur reißbretthaft den gängigen Stereotypen entsprechen.
Selten durfte ich bei einem Film dann so ein Auf und Ab erleben: es wechseln sich durchaus starke Szenen ab mit dermaßen seichtem Stoff. Wieso zum Teufel mussten die Macher denn in einen Film, der in einem Knaben-Internat spielt, noch unbedingt eine Liebesgeschichte einbauen? Und dazu noch dermaßen klischeehaft und kitschig dargestellt (allein schon die Szene, als Erik von ihr "gerettet" wird, könnte aus einer Daily Soap stammen...). Und bei Sätzen wie "Du bist der beste Freund, den ich je hatte" kann ich eh nur mit dem Kopf schütteln. Nein, was ist da nur streckenweise in den Autor gefahren? Dabei hätte das Ganze doch Potential für ein wirklich erschütterndes Drama gehabt. Aber wie soll man erschüttert sein, wenn sich am Ende dann sowieso wieder alles (aber auch wirklich ALLES) zum Guten wendet? Was soll das für eine Message sein? Nein, mit Realismus hat das nix zu tun! Hier fehlte einfach der Mut, ausgelatschte Pfade zu verlassen, und vor allem mal auf die typischen Klischees zu verzichten, um am Ende nicht wieder eine Heile Welt hinzurücken, wie ihn die Zuschauer von Rosamunde-Pilcher-Filmen und Co. gerne sehen wollen. Ich will sowas jedenfalls nicht sehen - jedenfalls nicht in einem Drama (das auch noch den Anspruch hat, erschütternd oder gar realistisch zu sein)!