Vor etwa zehn Jahren wurde in einem nicht näher benannten Club für Freunde cineastischer Kuriositäten keine Geschichte geschrieben, sondern wiederholt: USA und die für einen Tag wiederbelebte Sowjetunion beschossen im kalten Krieg um die Gunst des Publikums unschuldige Zivilisten mit den absurdesten Waffen des jeweiligen Niedrigbudgetkinos. Während die Amis den eher irdischen "Revenge of the Ninja" mit Japans Ein Mann - Armee Sho Kosugi ins Feld schicken griff Russland in Kooperation mit dem einstigen Bruderstaat Polen zu okkulter Kriegsführung. Und Schlangegift. Jede Menge Schlangengift. Als Reptilienfreund und Trashfan hat mich hier eindeutig der sowjetische Beitrag zum freundschaftlichen Filmkrieg beider Nationen mehr gepackt als der zugegeben durchaus ansehbare Cannon - Klassiker. Jedem Tierchen sein Pläsierchen halt.
Der Handlungsschmarren ist eindeutig ein Produkt der durch Indiana Jones international neu entfachten Begeisterung für das Abenteuergenre: Der ganze Zores beginnt mit einen in den Wirren des Indochinakrieges abgeschmierten Soldaten, der sich in einem Tempel einen Zusatzsold in Form einer mysteriösen goldbesetzten Schatulle ergaunert. Da genretypisch grundsätzlich nur Artefakte des Bösen in solchen Kisten lagert, wie hier nur spärrlich von drei altersschwachen Betbrüdern Buddhas bewacht und in besagter Filmsparte nur strahlende Helden oder grenzwertige Psychopathen existieren schießt der Bruchpilot vom Dienst jede Warnung des Abtest in den Wind, dass der Kasten nur Scherereien apokalyptischen Ausmaßes mit sich bringt.
30 jahre später sucht besagter Bruchpilot den Archäologen und Vorzeigenerd Jan Tarnas bei einer Lesung in Paris auf und bittet ihn, ein in der Kiste gefundenes Manuskript zu übersetzen. Hinter dem sind wiederrum auch die hinterfotzigen Agenten und Wissenschaftler einer Geheimorganisation her, die sich hier den Schlüssel zu einer prähistorischen, außerirdischen Waffe erhoffen. In Begleitung der unglaublich schlecht frisierten Journalistin Christine ziehen die beiden Mannsbilder los, um in Vietnam der Organisation der Oberschurken zuvor zu kommen und auf dem Weg einen Haufen alberner Gefahren wie ständig auftauchende Schlangen, rumlasernde Wächterstatuen im Scharfschützenmodus und den krassesten Pappmachépython der Filmgeschichte zu überwinden, nur damit der vermeidliche Schatz dann doch den Baddies in die Hände fällt und sich als fatale Fehlinvestition erweist.
Die Schnittmenge von Indiana Jones - Fans und Erich von Däniken - Jüngern hat eindeutig den größten Grund zum Durchsabbern, aber auch andere Freunde abseitigen Filmgenusses kommen auf ihre Kost, wenn die Gräber reptiloider Ersatzbankanunnaki geplündert und böse Wissenschaftler per Stop motion allerbester Harryhausenmanier in ulkige Zyklopen - Grubenotter - Hybriden verwandelt werden. Der Charme alter sowjetischer Märchenfilme tränkt dieses Werk bis in den letztem Frame und bringt stellenweise sogar einem Bruno Mattei noch bei, wie man kosteneffektiv und gleichzeitig atmosphärisch arbeitet. Untermalt wird der heitere Schlangenreigen mit einem Score, nach dem man sich als 80's - Synthenthusiast durchaus ohne Scheu die Finger lecken kann und der zu seinen Qualitäten noch diesen herrlich käsigen Katze rennt über Keyboard - Charme in seinem pathosgeschwängerten Klang mitschweben lässt.
Leider wurde der Knall dieser cineastischen Atombombe von einem anderen historischen Ereignis gnadenlos überschattet: zum Starttermin wurde der berüchtigte Checkpoint Charlie endgültig eingemottet und die Leute hatten größtenteils besseres zu tun, als sich im Kino ein russisches Indiana Jones - Ripoff reinzuziehen wie ein abgerichteter Ameisenbär, der sich auf eine Koksstraße stürzt. Demnach war "Der Fluch des Schlangentals" hierzulande mur eine sehr geringe Halbwertszeit beschieden und fand auch nie den synchronisierten Weg in die Heimkinoauswertung. Auf entsprechenden Wegen, glücklicherweise auch auf dem des Importes, kommt man aber immerhin an eine englisch untertitelte Fassung. Der Wahnsinn des Originals ist Gorbatschow sei Dank in Ermangelung an Zensurschnitten der selbe geblieben. Und ist jener Wahnsinn nicht das, was uns nationenübergreifend mit dem jeweiligen vermeidlichen Klassenfeind vereint? Diese Doppelvorstellung zeigte es uns Zuschauern jedenfalls und zwar auf weitaus erfreulicherem Wege als dieser Tage.