Tarnatino goes Paris, so könnte man sein Experiment "Killing Zoe" auch umschreiben. Hauptcharaktere sind die beiden Freunde aus Kindheitstagen Zed (ein gewohnt ruhig und ausgeglichen wirkender Eric Stoltz) und Eric (Jean-Hugues Anglade). Sie haben sich etwas aus den Augen verloren, aber immer noch das gleiche Ziel: reich werden, mit allen Mitteln. Eric hat die Leute, Zed die Ahnung – er ist schließlich Spezialist im Safe knacken. So macht er sich auf den Weg nach Paris, um dort mit der Bande um Eric eine Bank auszurauben.
Der Stoff aus dem viele Actionfilme sind mag abgedroschen sein, in Killing Zoe ist er es keineswegs. Denn eine gewichtige Komponente kommt hinzu, die Liebe. Zed verliebt sich in eine Prostituierte (Zoe, gespielt von einer ganz passablen Julie Delpy), die tagsüber als Bankangestellte arbeitet, just in der Bank, die überfallen werden soll. Nur sie ist es, die ihm letztlich helfen kann. Guter Einfall, aber die Umsetzung hapert.
Tarantino übernimmt nicht nur die Location aus Frankreich, nein, auch viele typische Elemente französischer Filme fließen hier in sein Werk ein. Zwar beweist der große Meister damit seine Wandlungsfähigkeit und rückt notgedrungen von seiner typischen Art ab, doch einmal Klischee, immer Klischee – "Killing Zoe" paßt irgendwie nicht so recht zu Tarantino. Doch nicht nur weil es nicht wie ein "echter" Tarantino wirkt gibt's Minuspunkte, es sind auch einfach typische filmerische Elemente die zu wünschen übrig lassen. Insbesondere der Showdown wirkt auf den Rezipient wie Billigware der frühen 80er Jahre aus der Videothek.
Es fehlen die tarantinoesken Gespräche, die liebe zum Detail, der Hang zur Ausweitung der Belanglosigkeit. Straight wird hier der Plot verfolgt, Gelegenheiten zur Charakterausarbeitung bewußt ignoriert. Vieles wirkt zu schnell abgedreht, wie das Abhaken Punkt für Punkt, unausgereift, in der Summe eher Versuch denn Meisterstück. Zudem nervt die "französische Sicht": Franzosen reden normal, Zed als Amerikaner mit Akzent – das stört auf Dauer, sowohl in der deutschen wie auch in der englischen Originalversion.
Umschreiben kann man den Film am ehesten mit "Profi trifft auf völlig fertige, asoziale, durchgeknallte und verdrogte unsympathische Amateurbande. Eine Identifikationsfigur fehlt, Eric Stoltz bemüht sich zwar um Übernahme dieser Rolle, doch gelingt es ihm nur ansatzweise. Wer auf sowas steht wird zufriedengestellt, für anspruchsvolle Fans des "großen Meisters" ist Killing Zoe eine Enttäuschung.
(4/10)