Review

Killing Zoe
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Paris, am Tag vor dem 4. Juli. Zed ist aus Amerika in die Stadt der Liebe gekommen um einen "Job" für seinen alten Kumpel Eric zu erledigen. Die Zeit bis zum Treffen mit Eric verbringt Zed mit der Prostituierten Zoe, einem sehr netten jungen Mädchen und zwischen den Beiden funkt es. Eric platzt ins Zimmer, schmeisst Zoe raus und nimmt Zed mit in seine Chaos-WG wo sich heraustellt das der "Job" von Zed aus dem Öffnen eines Safes während eines Banküberfalls am nächsten Tag besteht. Nach einer langen Nacht der Drogenexzesse machen sich die Bankräuber ans Werk...

"Killing Zoe" ist ein brillianter, nahezu perfekter Film geworden der meiner Ansicht nach zu Unrecht den zweifelhaften Ruf einer reinen Gewaltorgie geniesst. Roger Avary fusionierte hier Drama, Charakterstudie, Liebesfilm und natürlich bluttriefende, verstörende Action auf eine einzigartige Weise. In erster Linie wird "Killing Zoe" von den genialen Darstellern getragen, allen voran Jean Hugues Anglade dessen Performance als Eric die Kiefer der Zuschauer reihenweise auf den Boden knallen lassen müsste.

An diesem Character kann ich gut beschreiben was "Killing Zoe" für mich ausmacht. Einerseits ist Eric zwar ein drogenabhäniges und im Endeffekt nur auf sich selbst bezogenes Arschloch, zumindest bis zum eingentlichen Überfall ist er aber für den Zuschauer trotz aller offensichtlicher Markel sympatisch, es macht Spass ihm zuzuhören und zuzusehen (" Der Louvre?? Gütiger Gott!" ). Charakterliche Eindimensionalität kann man dem Film wahrlich nicht vorwerfen, man nehme nur die Szene im Auto in der, während sich alle anderen drogenbedingt totlachen, lustig rumlabern und generell Party machen Eric Zed in einem Moment der Besinnung erzählt das er Aids hat. Oder als Eric scheibar im totalen Tötungswahn zwei Bankangestellte aufs grausamste tötet, einem dritten aber danach sagt er solle nach oben gehen und sich auf seine Familie heute abend freuen. Im Verlauf des Filmes wird Eric zwar unglaublich abstoßend aber nichts desto trotz als cooler, auch in den übelsten Situationen noch humorvoller ("Toll, ihr seid wirklich eine Bande von Komikern!") Hoffnungsträger der Gruppe dargestellt der durch seine Drogensucht ("Ich muss mal pinkeln") und seinen Menschenhass jedoch zum schwächsten Glied der ganzen Crew wird. Auf die anderen "Gangster" wird zwar nicht so ausführlich wie auf die beiden Hauptpersonen (Eric und Zed) eingegangen, aber man erfährt viel über ihr Wesen durch den extremen Druck dem sie während des Banküberfalls ausgesetzt sind und viele Labilitäten, Ängste und Neurosen zu tage treten.

"Killing Zoe" mündet natürlich in der totalen Katastrophe, aus den einstmals liebenswerten Chaoten werden kaltblütige, unberechenbare Killer die sich mit allem was sie tun das eigene Grab ein Bißchen tiefer schaufeln. Sicher ist die physische und psychische Gewalt in dem Film überpräsent allerdings wird auch hier auffällig viel mit Suggestion gearbeitet, man hört beispielsweise die Schüsse eines MG nachdem Eric mit einer Geisel den Raum verlassen hat, sieht aber nicht die eigentliche Tat. Der Banküberfall hat teilweise schon fast etwas surreales, die außergewöhnliche Helle Beleuchtung des Safebereiches der Bank mit den monoton-faszinierenden roten Wänden und steril-weißen Fußbodens indem die Protagonisten ein Blutbad anrichten erinnerte mich sogar etwas an Dario Argento's "Inferno".

Unterm Strich erscheint "Killing Zoe" schon fast wie ein "Morality-Tale" über ein paar Ausgeflippte die zwar eindeutig zu ausgeflippt aber keinesfalls unsympatisch ("Du magst Vikingerfilme?") eine Spur zu spontan den Coup ihres Lebens durchziehen - und damit ins endgültige Verderben laufen. Am Ende ist weder der von Eric oft gepriesene Zusammenhalt zweier alter Freunde intakt, noch die auf das gemeinsame Ziel gerrichtete Dynamik der Gruppe vorhanden, die Freundschaft und Lebensfreude endet in einem ausweglosen Alptraum. Das Schicksal von Eric und Zoe (übrigens Angestellte in der Bank) erscheint eher wie verdientes Glück als ein glücklicher Zufall da Eric im Endeffekt der Einzige der Bankräuber ist dem der Reichtum nicht an seine Prinzipien geht und sein zwar nicht gerade gesetztestreues aber trotzdem gutes Herz angesichts des "großen Coups" ihn nicht über Leichen gehen lassen will.

Alles in allem - genialer Film, nicht verpassen und ruhig mal etwas zwischen die blutigen Zeilen lesen.

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