“PIG“ ist ein komplett in schwarz-weiß gehaltenes, experimentelles Zwei-Personen-Stück. In diesem geht es um einen namenlosen Killer [= dargestellt von Rozz Williams] und seinem wehrlosen [sowie ebenfalls namenlosen] Opfer [= gespielt von James Hollan]. Entführt und gefangen gehalten in einem völlig heruntergekommen Haus mitten im “Death Valley“, muss das Opfer diverse sadomasochistische Rituale über sich ergehen lassen, bis es letztendlich stirbt...
Soweit zur “Story“ des gerade einmal 23 Minuten lagen Experimental/Industrial-Kurzfilms. Gestoßen bin ich auf ihn selbst erst vor kurzem, nachdem ich mich aktuell wieder vermehrt mit dem musikalischen Schaffen von Rozz Williams [= [die Ur-]Christian Death, Shadow Project, Daucus Karota & Permature Ejaculation] beschäftigt hatte. Schätzungsweise dürfte der Film aber wohl eher vor 1998 entstanden sein, da sich Co-Regisseur, Hauptdarsteller und Soundtrack-Komponist Rozz Williams bereits am 01.04.1998 - aus bis heute leider unbekannten Gründen - das Leben nahm.
Geboten wird in “PIG“ ein Konglomerat zwischen kryptischen Werken a la “Begotten“ und kruderen “Cyberpunk“-Filmen aus Japan. Ungewöhnlich für die damalige Entstehungszeit [= insbesondere für einen US-Film], sind die hier expliziten Genitalaufnahmen des Opfers - beziehungsweise deren “Behandlung“ in Form von “okkult“-/sadomasochistischen Praktiken. Im Übrigen sind eben jene “SM Performances“ im Film nicht gestellt - sondern tatsächlich mit den entsprechend echten Werkzeugen durchgeführt worden [= wenn auch bewusst eher dilettantisch anmutend]. Begleitet und untermalt wird das Geschehen von teils düster-verstörenden Industrial-Noise-Klängen. Sowie unter der “Anleitung“ eines Buches namens “Why God Permits Evil“; - welches [u.a.] christliche Heiligenbilder mit Symboliken aus dem Okkultismus und des Dritten Reiches vermengt.
Bezogen auf diesen Film soll Rozz Williams angeblich mal gesagt haben, dass er darin seine “inneren Dämonen“ widerspiegeln wollte. Was jedenfalls die detaillierten SM-Performances anbelangt, so waren diese teilweise schon vorher Bestandteil von diversen Bühnenshows seiner musikalischen Projekte. Genauso wie die für Unbedarfte ebenfalls durchaus verstörend wirkenden Verwendungen von Hakenkreuzsymbolen - sowie vereinzelte Tonfetzen von Reden Hitlers, welche in den düsteren Industrial-/Noise-/Ambient-Sounds eingewoben wurden.
Kurzum: “PIG“ ist definitiv kein audiovisuelles Werk für ein Mainstreampublikum! Vergleicht man den Film aber mit dem musikalischen, lyrischen und künstlerischen Werdegang Rozz Williams´, so mutet er letztendlich nur “konsequent“ an. Entsprechend viele Symboliken schmücken auch den gesamten Film und lassen demzufolge auch eine Menge an individuellen Deutungsmöglichkeiten offen.