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Im Kino ist er zwar verrissen worden und in der Zuschauergunst gesunken wie ein Stein, nur weiß ich beim besten Willen nicht, wieso. John Grishams erstes loses Drehbuch (also nicht auf einem seiner Romane beruhend) beweist durchaus hohe Film-Noir-Qualität mit Gerichtsthrilleranleihen und kann neben einer prominenten Besetzung mit beachtlichem Spannungsbogen aufwarten.
Vielleicht liegt es daran, daß kein zugkräftiger Titel und kein Mega-Star zur Hand war, aber dann ist das ein kleiner Film hier, der mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Der Film entwickelt das Prinzip des selbstbewußten Anwalts, der ein Verhältnis mit einer Mandantin hat, der er gleichzeitig in einem Familienfall weiterhilft (sowas kennt man eher von Richard Gere) weiter, läßt es nach der Hälfte in einen konventionellen Thriller überkippen, in dem ein scheinbar durchgeknallter Vater seiner Tochter nachstellt, ehe der Film im letzten Drittel noch einmal die Wendung zur Intrige nimmt.

Dabei präsentiert sich ein erlesenes Kabinett von dubiosen Figuren dem Zuschauer: Branagh spielt den stets gewinnenden Anwalt, der in die Falle geht, mit gebührender Zurückhaltung gegen die faden Klischees, Embeth Davidtz ist eine hinreißend zurückhaltende Mandantin. Bombenrollen dagegen haben Robert Downey als versoffener Ermittler und Robert Duvall als halbverrückter, agressiver Waldschrat. Ergänzend dazu glänzen sogar die sonst blasse Daryl Hannah und ein beinahe vergessener Tom Berenger in Nebenrollen.

Der Film birgt nicht gerade wahnsinnig viele nie gesehene Wendungen, ist aber bei seinem Rätselspiel dermaßen abwechslungsreich, den Zuschauer permanent bei der Stange zu halten. Zahlreiche atmosphärische Sequenzen, besonders aber der Schlußkampf bei Orkan im Hafen sind spannend umgesetzt. Regisseur Robert Altman bleibt dabei sogar mal dem Plot treu und inszeniert nicht ins Leere hinein, versöhnt sogar mit einem probaten Schlußstrich der dramatischen Art, wo es heute modern ist, ein offenes Ende zu präsentieren.

Zwar gegen den Zeitgeschmack veröffentlicht (die Phase dieser Thriller ging Mitte der 90er eigentlich zuende), bietet "der Pfefferkuchenmann" (das Gleichnis des Titels wird im Film erklärt) aber solide bis sehr gute Unterhaltung, im Popcornzeitalter schon Grund genug, ihn als Abwechslung zu genießen. Solche Filme muß man in kleinen Kinos riskieren oder ggf. einfach mal gegen den Klappentext die einzige Videocassette greifen, die sich der Videothekar zu mieten getraut hat. (7/10)

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