Review

Lara Crofts italienischer Schnäuzerschwippschwager

Ich will nicht lügen, zu diesem frühen Giallo bin ich nur zufällig gekommen. Eigentlich habe ich einen zehn Jahre jüngeren, im Originaltitel ähnlich klingenden Film von Sergio Martino gesucht („Assassinio al cimitero etrusco“), doch dieser grabstaubige Giallo von Armando Crispino kam mir zuvor. Glücklicherweise… Erzählt wird hier (obwohl der englische Titel fast einen Zombie-Reisser erwarten lassen kann!) irgendwo zwischen Edgar Wallace, Alkoholikerdrama und Grabräubergiallo samt übernatürlicher Vibes von einem Archäologen, der (zu seiner eigenen Entlastung!) einen okkulten Doppelmord aufklären will, der von einer sagenumwobenen etruskischen Grabkammer auszugehen scheint…

Gräber, Flüche und andere Pannen

Schöne Frauen, staubige Kulissen, saftige Morde, stumpfe Waffen, flotte Verfolgungsjagden, tolle Landschaften, miserable Nachsynchro, böse Machos, „Archangel“ ohne Augenklappe, tragische Familienschicksale, cleveres Vexierspiel… Ja, die einzelnen Teilchen von „L'Etrusco uccide ancora“ sind vielleicht stärker als das etwas lose Gesamtbild. Und trotzdem bin ich gerne in diese Welt der Wandgemälde, doppelten Böden und sandigen Leichen eingetaucht. Eine erstaunlich komplexe Geschichte mit Verzweigungen und Überschneidungen. Sehr viel Trieb, Lust, Instinkt, trotzdem Klasse. Riz Ortolanis wundervolles Klimpern obendrauf. Routinierte und edle Italokameraarbeit. Euroschlockiges Flair ist auch nie ganz weg. Immer ein ungutes Gefühl in und unter der Magengegend. Nie wird man sich richtig der Gefahr und der Dunkelheit bewusst. Alles bleibt hell und schwitzig. Immer spürt man jedoch diesen kalten, ganz leichten, gemeinen und gänsehautigen, eventuell krankmachenden Durchzug. Sehr 70er. Fertig ist ein empfehlenswerter und erstaunlich verzwickter Giallo, der einen leicht verlieren, aber noch leichter verzaubern, verheddern, verführen kann… 

Fazit: sexuell, rituell, experimentell… dieser knallgelbe „Schatz der Etrusker“ hat es in sich! 

Details
Ähnliche Filme