Mit „Event Horizon“ erfindet Regisseur Paul Anderson das Genre des Sci-Fi-Horrors sicherlich nicht neu, aber unterhaltsames Genrekino hat er trotzdem geschaffen.
Im Jahre 2040 verschwindet das Raumschiff Event Horizon spurlos. Im Jahre 2047 soll das Rettungsschiff Lewis & Clark unter der Leitung von Captain Miller (Laurence Fishburne) am Rande des Universums zu einer geheimnisvollen Rettungsaktion aufbrechen. Zwar erklärt „Event Horizon“ noch nicht, was genau gerettet werden soll, aber der Aufbau (vom Filmtitel mal ganz abgesehen) stößt den Zuschauer schon fast mit Gewalt auf des Rätsels Lösung.
Und kurz nach der Ankunft (und damit auch nur wenige Zeit nach Filmbeginn) enthüllt Dr. William Weir (Sam Neill) dem Rest der Crew, dass es sich bei dem zu bergenden Schiff um die Event Horizon handelt. Weir ist kein Teil der Standardcrew, ist aber von großer Wichtigkeit, weil er die Event Horizon gebaut hatte. Das Schiff sollte Weltraumreisen beschleunigen, indem es das Raum-Zeit-Gefüge faltete, doch es verschwand für sieben Jahre spurlos. Der Zuschauer weiß ab diesem Punkt schon direkt, dass die Event Horizon an keinem anheimelnden Punkt gewesen sein kann.
So stellt sich auch bald heraus, dass die Ursprungsbesatzung der Event Horizon das Zeitliche gesegnet haben muss. Man begibt sich an Bord des Schiffes, um die Ursachen der Katastrophe zu untersuchen und wichtige Daten zu bergen. Doch schon bald stellen sich den Genregesetzen folgend die ersten unheimlichen Ereignisse ein…
Um es gleich vorwegzunehmen: Originell oder innovativ ist „Event Horizon“ keinesfalls, stattdessen unterhaltsam aus bekannten Versatzstücken geschaffenes Genrewerk. Dabei wird überraschend wenig von der „Alien“-Saga, die ja für die meisten Sci-Fi-Horrorfilme Pate steht, übernommen, aber es gibt Parallelen. So reagiert die eingespielte Crew ähnlich reserviert auf den fremden Spezialisten Weir wie die Space Marines auf Ripley in „Aliens – Die Rückkehr“. Hinzu kommt die Tatsache, dass diverse Visionen von Qual und Schmerz an „Hellraiser“ angelehnt wurden, aber in erster Linie scheint man hier einen Geisterhausfilm im All zu sehen (und ähnlich wie in „Shining“ wird eine Figur Hauptangriffspunkt der fremden Macht, auch wenn die Axt im Schrank bleibt).
Doch das ist erstmal egal, denn spannend sind die Ereignisse an Bord der Amityville Horizon (oder so ähnlich) auf jeden Fall. Die Ursache für alles Übel erkennt man recht früh und auch wo die Event Horizon auf unfreiwilligem Urlaub war ahnt man schon vor den Charakteren, aber Anderson erzählt seinen Film ebenso geradlinig wie kurzweilig. Jede der Figuren wird mit alptraumhaften Visionen gequält, die ihr Verhalten unterschiedlich beeinflussen, es wird immer bedrohlicher und bald kommt es auch zu Verletzungen und Todesfällen. Doch ohne große Pausen wird aufs Gaspedal getreten und der Film kann auch mit einigen Ideen überraschen. So wird auch das alte Spiel, wer überlebt und wer nicht, ziemlich pfiffig gemacht und es werden geschickt die Erwartungen in dieser Hinsicht unterlaufen.
Größter Pluspunkt ist jedoch sicherlich die Atmosphäre. Das Schiff kommt herrlich gruselig rüber und Anderson platziert immer wieder gut sitzende Schockeffekte. Flapsige Sprüche gibt es erfreulich wenig und wenn sie dann doch kommen, wird die Atmosphäre nicht wirklich gestört. Auch die Auswahl, wer mit welcher Vision konfrontiert wird, ist ganz gut getroffen, obwohl man über die Charaktere leider kaum mehr als den Grund dafür erfährt, warum sie gerade auf diese Art heimgesucht werden. Andersons Regie lässt aber keine Wünsche offen und präsentiert nette Bilder (schick z.B. die Zoom Outs aus den Raumschiffen heraus).
Abzüge in der B-Note muss „Event Horizon“ leider an ein paar Stellen verbuchen, an denen die Logik nicht so ganz mitspielen möchte. So bricht ein Raumschifffenster an einer Stelle dermaßen leicht, dass man sich fragt, wie das Ding einen Meteoritenschwarm oder bloß intergalaktischen Kieselhagel ohne Glasbruch überstehen soll. Zudem scheint das All hier nicht wirklich ein luftleerer Raum zu sein, wenn man sich z.B. die Schleusenszene oder einige Momente im Finale anguckt, aber sei es drum. Denn die Logikfehler stören den Erzählfluss und die Atmosphäre nur geringfügig und auf die kommt es schließlich an.
Laurence Fishburn überzeugt als harter Hund und auch Sam Neill liefert in der Wissenschaftlerrolle eine gute Performance ab. An den Nebendarstellern gibt es ebenfalls nichts auszusetzen, wobei man hier ein paar Leute wie Jason Isaacs („Der Patriot“) oder Sean Pertwee („Soldier“) vielleicht nicht vom Namen, aber vom Gesicht her kennt.
Paul Anderson liefert auch mit „Event Horizon“ gelungenes Genrekino ohne große Neuerungen ab. Neben „Soldier“ sein bisher bester Film und das gibt 7,5 Sterne von mir.