*** Spoilerwarnung ***
Es scheint eine Ewigkeit her. Mit 17 saß ich damals mit einem Freund im Kino, wir sind extra in die nächste Großstadt gefahren, um diesen Film zu sehen. Das Setting, die Effekte und das infernalische Drumherum luden zum Gruseln ein.
Die Geschichte dieses unheimlichen Raumschiffs, das mit seinem Gravitationsantrieb durch das Weltall sprang, verschwand und sieben Jahre später aus unerklärlichen Gründen in einer Umlaufbahn des Neptun ausgemacht wurde, barg viel Mysteriöses. Ein Bergungsschiff wird entsandt, um alldem auf den Grund zu gehen...
Zugegeben, so geflasht wir damals war ich bei der jetzigen Sichtung nicht mehr. Aber trotzdem, und sicherlich auch wegen dem damaligen Erlebnis, macht mir „Event Horizon“ immer noch Spaß. Inzwischen habe ich doch den einen oder anderen Film gesehen und auch der Name Paul W. S. Anderson ist mir ein paar Mal über den Weg gelaufen. Und wieder bin ich erstaunt, dass dieser doch tatsächlich mit dem vorliegenden Werk auch mal was wirklich Gutes abgeliefert hat. Eine Ausnahme in seinem Schaffen.
Dabei gilt allerdings die Devise „Lieber gut geklaut, als schlecht selbst gemacht“. Denn der Film befindet sich irgendwo in der Schnittmenge von Filmen wie „Alien“, „Shining“, „Flatliners“ und auch einer Prise „Das schwarze Loch“.
Sehr gelungen empfinde ich hier das Design. Seien es die dunklen und verschlungenen Gänge, das Interieur der Lewis & Clark oder das titelgebende Schiff an sich. Bekanntermaßen stand für seine Architektur der Grundriss der Kathedrale Notre Dame in Paris Pate und allein schon sein Schweben in den Wolken des geradezu zornig wirkenden Neptun ist ein schaurig-schönes Bild. Im Inneren kommt durch die permanenten Blitze eine richtige Geisterhausatmosphäre auf, die sich durch den kompletten Film zieht. Gerade in der starken ersten Hälfte erzeugt er einen Spannungsbogen und baut schrittweise das Mysterium auf, während die Crew das Schiff erkundet. Leider schafft er es aber nicht, dieses Niveau bis zum Ende zu halten. Auf den Showdown zusteuernd setzt Anderson dann doch mehr auf Krawall als Suspense – und da stößt der Film an seine Grenzen. Nicht alle Effekte sind da ansehnlich geraten; seien es die leeren Augenhöhlen oder generell diverse Szenen im Endkampf zwischen Miller und Dr. Weir. Praktische Effekte gibt es auch und diese sind durch die Bank gut, doch reißt eben so manch suboptimales Ergebnis aus dem Rechner aus der meist dichten Atmosphäre. Ambivalent gibt sich auch der Soundtrack. Die klassische Untermalung von Michael Kamen geht in Ordnung, die elektronischen Beats am Anfang und Ende wollen aber nicht zum Rest des Films passen.
Auch sonst sollte man aber über ein paar Dinge hinwegsehen können. So hapert es inhaltlich doch an mancher Stelle. Warum es zum Beispiel in der Luftschleuse keine Abbruchvorrichtung gibt, die durch Justin aktiviert werden könnte, ergibt schon rein aus sicherheitstechnischen Gründen keinen Sinn. Solche Überlegungen könnten das Sehvergnügen öfters trüben, doch lässt „Event Horizon“ einem dazu meist keine Zeit und überspielt seine Unzulänglichkeiten damit, ein Ereignis nach dem Anderen auf seine Figuren einprasseln zu lassen.
An der Besetzung gibt es aus meiner Sicht nichts zu bemängeln. Laurence Fishburne, Jason Isaacs und Sam Neill dürften bekannt sein, aber auch der Rest spielt ohne Ausfälle. Und jeder darf ein Trauma bewältigen, das durch das Schiff zutage befördert wird; manches interessanter als anderes und eventuell nur mal selbstzweckhaft eingesetzt. Das alles ist nicht Shakespeare, wollte es aber auch nicht sein und erfüllt seinen Zweck, gibt jeder Figur etwas Raum und macht sie nicht zu reinen Statisten. Dabei wirkt die Crew sympathisch und man hat in all der Düsternis auch ab und an mal einen flotten Spruch auf den Lippen.
Trotzdem kann der Film nicht verhehlen, dass er am Ende des Tages einfach ein SciFi-Horror-Schocker ist, der plakativ mit vielen Versatzstücken bekannter Vorbilder hantiert. Aber das macht er in meinen Augen einfach richtig gut, sodass man sich am Design erfreuen kann, an der flotten Inszenierung und den auch mal gelungenen Effekten.
Auch ein Anderson findet mal ein Korn.