Kann Paul W. S. Anderson neben unterhaltsamem Genrestandart auch richtig gute Filme machen? Ja kann er, Event Horizon beweist das recht eindrucksvoll. Wobei der tolle Gesamteindruck sicher nicht allein auf Andersons Inszenierung beruht, sondern viele Aspekte zum tragen kommen. Allem voran die wirklich gute Geschichte, die fernab von ausgetretenen Sci-Fiction Pfaden zu überraschen weis.
Die Story von der Manifestation der Hölle in der Realität hat man natürlich schon ein paar Mal gesehen, vor allem bei Hellraiser wurde sich kräftig bedient. Aber die Verfrachtung in ein klaustrophobisches Raumschiff frischt das Thema ausreichend auf. Außerdem spielt der Film geschickt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, so erwartet man anfangs einen Alienklon und staunt dann doch über die Offenbarungen der Story.
Natürlich ist der Film nicht perfekt, Defizite gibt es vor allem bei den Charakteren. Diese sind größtenteils schablonenhaft und uninteressant, wir haben den coolen Sprüche klopfenden Schwarzen, die toughe Tussi, der naive Hosenscheißer, man braucht die Figuren nur eine Szene zu sehen und weis sofort wer sich wann wie verhalten wird. Die Ausnahme ist hier Dr. Weir klasse gespielt von Sam Neil. Man erwartet seine Wandlung zum Schurken nicht wirklich, die Rolle kann überraschen und trägt viel zum gelingen des Films bei. Über einige Anschluss- und Logikfehler (ja ja die beliebten Vakuum-Explosionen) kann man gerne hinwegsehen, der Film nennt sich ja schließlich nicht 2001.
Die Ausstattung ist klasse die Sets wirken allesamt kalt und unheimlich, vor allem der Antriebsraum der Event Horizon ist klasse gelungen. Die Kamera nimmt sich anfangs viel Zeit uns das Schiff detailliert zu zeigen und behält auch bei hektischeren Szenen das Geschehen ruhig im Blick. Die Musik ist meist spannungsfördernd, aber manchmal auch etwas unpassend, vor allem der missratene Vorspann fällt mir dazu ein, aber sobald wir uns auf dem Schiff, dem eigentlichen Hauptdarsteller befinden, gibt es an der auditiven Untermalung nix mehr zu meckern.
Fazit: Trotz einiger Schwächen einer der ganz weniger US-Horrorstreifen, der mir schon im Kino eine Gänsehaut über den Rücken liefen ließen. Ach wenn die Story bei anderen Genre-Klassikern abgekupfert sein mag, schmälert das den unheimlichen Gesamteindruck dieses toll ausgestatteten und fotografierten Höllentrips keineswegs. Einer der besten Si-Fiction Filme der neunziger und klar Andersons bestes Werk. Event Horizon erfordert starke Nerven, sollte aber dennoch oder gerade deswegen bei jedem Freund des phantastischen Filmes im Schrank stehen.