Einer der weniger bekannten Filme von sowohl Akteur Stephen Chow als auch Regisseur Johnnie To, die hiermit nach Streitigkeiten am Set auch gleich das Ende ihrer kurzfristigen Zusammenarbeit beschlossen und sich getrennt zu neuen Wegen aufmachten. Dabei ist der spezielle Film vor allem nach dem alle Box Office Rekorde - brechenden Justice, My Foot! ein Jahr zuvor auch ein zwiespältig-misstönender Abschluss, der selbst in seinem Heimatland nicht auf allzu viel Zuspruch stiess und mit einem Einspiel von HK $21,6 Millionen ganz unüblich für den erfolgsverwöhnten Chow noch nicht einmal die Top Ten der Jahrescharts erreichte. Zwar war er dort immer noch mit zwei Werken vertreten - der ähnlich bescheidene Fight Back to School III auf Platz 8 und Flirting Scholar als Spitzenreiter -, aber die Zeichen deudeten bereits auf eine baldige Veränderung der Produktions- und Verkaufsstrategie hin. Unabhängig von dem gerade seinen Höhepunkt erreichenden Swordsplayboom liess sich nicht umhin zu bemerken, dass man nicht ewig die gleichen Kalauer nur mit dem charismatischen Star selber in den Mittelpunkt rücken konnte; abgesehen davon wollte das Publikum aber auch keine bahnbrechenden Erneuerungen, sondern einfach eine frische Brise in altbewährter Raffinesse.
Bei The Mad Monk ist tatsächlich das Drehbuch ausschlaggebender Faktor für sowohl provisorischem Gelingen als auch letztendlichem Scheitern des Projektes: Man tischt mit einem moralischen Gleichnis ein Faust und Mephisto - Chiffre auf, dass den Zuschauer auf die ziellose Suche nach einem Lebenssinn mitnimmt und ihm eine Welt zwischen Himmel und Hölle bereithält. Das vorherbestimmte Schicksal greift als Erzählmotiv dabei ebenso eine gewichtige Rolle ein wie der Kreislauf der Wiedergeburt und der transzendenten Dimensionen von Zeit und Raum.
Ein Lehrstück in lapidarer Lakonie über Fatum und Fügung, beeinflusst durch die eigene Bereitschaft, Mitwirkung und Anstrengung. Eine Welt der Diskrepanz, in der eben nicht Befriedigung von materiellen und damit egoistischen Bedürfnissen an erster Stelle, sondern das Gute im Menschen im Vordergrund stehen sollen. Arbeitseifer, Tatendrang und Schaffensstolz. Nicht mit der Ethikkeule oder der Sittenlehre verabreicht, aber in seiner "falschen" Terminologie von tugendhaft-befreiender Läuterung aus dem Leidensweg schwerer verdaulich als die harmlose Klamotte. Nicht nur, weil man einen erweiterten Reflexionsraum und puritanischen Zeitgeist schafft, sondern sich auch in ästhetische Grenzüberschreitungen begibt.
Was nicht nur in den ersten Prologminuten als prägnant auffallend wirkt, ist die hiesige visuelle Anpeilung an die früheren Chu Yuan - Filme. Dieser hat sich in den 70ern mit recht bunt und zuweilen sogar psychedelisch aussehenden wuxia Arbeiten mit vielseitigem Traumgehalt für das Shaw Brothers Studio einen bis heute nachhallenden Ruf erworben. Filmemacher To benutzt die gleichen Drehhallen und hält vor allem die Anfangsgeschehnisse in der Götterwelt in exakt identischer Tradition; achtet statt auf Pointen sowieso mehr auf das Gespür für die Kleinigkeiten kreativer Ausdrucksfähigkeit, eine apart-kunstempfängliche Kompensation und allgemein poetische Installationen. Die Wolkendecke als Sichtschutz vor dem Treiben der wahren Mächtigen, die nicht nur das Wetter bestimmen, sondern ihre eigene Unvergänglichkeit damit füllen, sich eben auch eher streng als fürsorglich um ihre 'Schäfchen' zu kümmern. Dabei gehen sie davon aus, dass sich von der Geburt bis zum Tod nichts im Wesen und Verhalten ändert und prädestinieren das jeweilig Neugeborene durch ihre höhere Gewalt bereits auf seine endgültige Fügung vor. Entsprechend verärgert sind sie von den ständigen Einmischungen von Dragon Fighter Lo Han [ Stephen Chow ], der ihnen nicht nur ausserhalb von Bürokratie, Vetternwirtschaft und Klüngelbeziehungen auf der Nase herumtanzt, sondern auch die Meinung vertritt, dass der Mensch sich neugestaltend revidieren vermag. Als Strafe für seinen Ungehorsam schickt der Gott ihn und seinen besten Freund Tiger Fighter Lo Han [ Ng Man Tat ] auf die Erde; mit der Auflage, den Bettler Chu Ta Seung [ Anthony Wong ], die Prostituierte Pai Hsiao Yu [ Maggie Cheung ] und den notorischen Bösewicht Yuan Pa Tien [ Kirk Wong ] auf den rechten Weg zu bekehren.
Annahme und Ausgangspunkt stehen dabei famos dar: Ein Bruce Allmächtig, Jahre vor dem Carrey [ der eine Weile mit einer Aufbereitung der Chowschen Filmography im Gespräch war ], aber mit derselben grundlegenden Operationsbasis ausgestattet und neben mehr oder minder prächtiger Unterhaltung auch gleich einen Denkanstoss hinsichtlich der Lösung des Daseinsproblems bereithaltend. Hier steht das Wichtigste nicht nur zwischen den Zeilen, sondern ist gleich das bestimmende Thema in voller Prachtentfaltung.
So findet man in den kommenden Bildern neben allen verschrobenen Äusserlichkeiten und Nachstellungen von Himmelstor, Regenbogen, Fegefeuer, Schattenreich und Hades auch innere Symmetrien, Bezüge und Spiegelbildlichkeiten vor, die unterschiedliches Licht auf einzelne Verhaltensweisen werfen und dabei auch die Interaktion prägnanter Individuen bereithalten. So kennen sich die drei Zielobjekte natürlich und haben sich auch gegenseitig selber auf dem Kieker, was die Aufgabe nicht nur unwesentlich erschwert: Der Bettler ist heimlich in die Prostituierte verliebt. Der Bösewicht kann den Niederen schon von vornherein nicht ausstehen und nimmt sich auch die Frauen eher mit Gewalt statt mit Liebreiz. Lo Han, der sich nunmehr als 'Mad Monk' bezeichnet, hat folglich gut zu tun.
Hinzukommen nämlich noch weitere arge Schwierigkeiten, die das Geschehen dann doch auf seine 85min Laufzeit drücken und neben einer gewissen dramatischen Funktion - wobei auch hier Leid und Qual nebst anschliessender Bekehrung und Reinigung detaillierter als nötig dargestellt wird - dann doch auch die Witze eingespielt werden. Die gesellschaftlichen Eckpunkte des Beziehungsgeflechtes halten dabei weniger Material bereit, also wird mit externen Verkleidungen, viel gross out oder auch Pseudohumor gearbeitet, die sich in ihrem Übermut und der teils aufgesetzt wirkenden Frohnatur recht gerne auf Schmerzfreiheit und Disharmonie stürzen. So bekommt der Bettler, der übrigens mit äussert undekorativen Pestbeulen ausgestattet ist, neben einem schlauen Rat von 'Mad Monk' auch öfters einen Schlag oder Tritt ins Gesicht und darf sich später auch als Opfer einer recht gorigen Todesszene betrachten. Schauspieler Wong ist dabei ebenso wie ein Grossteil der Hauptbesetzung schlichtweg fehlbesetzt: Zwar kann er durchaus komisch wirken und hat zuweilen Glanzleistungen von Narretei und Posse abgeliefert, stellt sich hier aber wenig gekonnt als reiner Fussabtreter dar und wirkt in seiner maskierten Hässlichkeit auch eher gereizt als amüsiert. Wenn man weiss, dass Wong häufig weniger begeistert von seinen Regisseuren ist - sein John Woo bashing nach Hard Boiled ist legendär -, und sich hier zumindest sichtlich unwohl in seiner aufgedunsenen Haut zeigt, lässt sich wohl eher Distanznahme und gute Miene zum bösen Spiel in seinem Gesicht ablesen. Chows gewohnter sidekick Ng Man Tat wäre weitaus geeigneter für den part; wird aber weitgehend aus der Handlung herausgehalten und darf in seinen wenigen Minuten nur das körperlich erwachsene Baby geben. Auch die sonstigen regulars glänzen durch Abwesenheit. Da hilft es wenig, dass eine Maggie Cheung viel zu unterfordert für plumpe sexuelle Zoten und gleichzeitig zu steif als weiblicher Gegenpart ist und Kirk Wong nur die Standardrolle als wütender Derwisch hat. Das Cameo von Anita Mui ist löblich, aber nicht der Rede wert.
Bleibt einzig Chow selber als kabarettistische Reserve über. Der sicherlich die gleiche Klamaukmethode von Ausgelassenheit, Entstellung und Torheit wie sonst auch probiert, aber durch das Skript auf wenig Resonanz oder auch Gegenwehr bei Mitspieler stösst und trotz viel Allotria, Uz und Neckerei mit sattem Lächeln auch einige Male frappierend ins Leere läuft. Durch das vorgebene züchtige Ziel vom Streben nach tieferer Erkenntnis und dem Aufsteigen in gehobene Existenzzustände bleiben die sonstige stolpernde Hanswursterei, die forsche Lausbüberei und die unverschämten Jungenstreiche als Merkmale von ungetrübtem Beschwingtsein sicherlich nicht komplett auf dem Weg, werden aber merklich zurückgefahren. Chows Rolle als autoritärer Spielführer statt als Spielball erwartet zuviel buddhistische Verdienste von ihm, die auch noch mit Befehlston eingebleuht werden sollen. Die Pidgin-Attacken zu Beginn erschliessen sich ausserhalb des kantonesischen Sprachraums wahrscheinlich nur linguistisch Eingeweihten. Auch die fantasievollen Metaphern und symbolischen Verweise sind eher bemüht, als vom Herzen herrührend. Tony Chings massives Effektgewitter aus Trickminiaturen, Spannholzplatten, Flechtwerk und Windmaschine versteift sich währenddessen auf ein Godzilla-ähnliches Finale, dass zumindest genug Radau in die freudenarme Angelegenheit einspeist. So ergibt sich durch die anstellig benutzten Kulissen samt kuriosem Environment und auftretender Studioatmosphäre ein zuweilen speziell gelungenes Ambiente wusseliger Leere, aber mit Humor einer fidelen Spritztour und wirklich köstlichen Einfällen hat dieser Vorgang wenig zu tun.