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Deutscher Amateurhorror ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln, ich bin der Meinung, dass man vor allem bei Filmen mit fantastischen Elementen, sich nur an einer filmischen Umsetzung versuchen sollte, wenn man die Mittel hat das ganze adäquat umzusetzen. Keiner der Filme, die ich bisher aus diesem Genre gesehen habe könnte ich guten Gewissens weiterempfehlen, oder mich auch nur an ihnen erfreuen. Und auch der von Kritikern hoch gelobte Tears of Kali ist da keine Ausnahme. Zwar ein wenig besser als der meiste Mist von Ittenbach, Schnaas und Co. aber immer noch zu amateurhaft um von Filmkennern nicht als dilettantisch und schundhaft eingestuft zu werden.

Als Rahmenhandlung für die drei Episoden muss eine Horror-Esoterik Kombi herhalten. Im Indien der 70er Jahre führt ein Newage Guru seine Schüler an ihre mentalen Grenzen und weit darüber hinaus. Schon im Intro bekommen wir die grausigen Nebenwirkung serviert, wobei das ganze noch recht schmackhaft aussieht. Doch wenn die erste Kurzgeschichte beginnt schlägt die Ernüchterung umso härter zu. Leider ist die Verknüpfung der Rahmenhandlung mit den eigentlichen Geschichten viel zu lose um ihre Existenz zu rechtfertigen. Das ganze wirkt etwas zwanghaft und konstruiert. Überhaupt warum sind in einem deutschen Amateurfilm sämtliche Bildschirmtexte auf Englisch, es ist schon schlimm genug, dass es in Deutschland ein Publikum für diesen Mist gibt.

Die erste Episode Shakti kann man fast schon als Geduldsprobe auffassen, eine absolute filmische Katastrophe. Darsteller, die anscheinend zu schlecht waren um bei Richterin Barbera Salesch Statistenrollen zu bekommen, quälen sich durch eine uninspirierte und uninteressante Geschichte. Die verkappte Reporterin, eine Art Frauke Ludowig für Arme bekommt von mir Konkurrenzlos den Preis für den hölzernsten Vortrag von Text auf Filmmaterial, seit Erfindung des Tonfilms. Das ganze stolpert auf ein dilettantisch umgesetztes Finale zu in welchem wohl versucht wurde dem fassungslosen Zuschauer mit etwas Splatter für die vorangegangene Tortur zu entschädigen. Funktioniert natürlich nicht, ein paar Liter Kunstblut an eine Fahrstuhlwand zu klatschen sorgt nicht mal mehr für ein müdes Grinsen. Das ganze ist weder spannend, noch atmosphärisch, unpassendere Musik hätte man wohl auch nicht wählen können, und einfach nur unglaublich schlecht.
1/10

Wer bisher tapfer durchgehalten hat, wird mir dem packenden zweiten Teil Devi halbwegs entschädigt. Ein recht authentischer Nazi versucht dem Knast durch Sitzungen mit einem Psychiater zu entgehen. Dieser ist als ehemaliger Anhänger des im Vorspann eingeführten Newage Meisters etwas eigenwillig in seinen Behandlungsmethoden. Das ganze läuft auf ein extrem hartes Finale hinaus, ist aber durchgehend spannend und die Chemie zwischen den Darstellern stimmt. Die Kamera ist weitestgehend sehr ruhig und rückt das Kammerspiel ins rechte Licht, nur eine etwas unnötig hektische, von Rockmusik untermalte, Kampfszene stört etwas, da sie nicht in die ansonsten ruhige Inszenierung passt. Sehenswert, aber zu kurz.
6/10

Nun kommt mit Kali die längste Episode, sie ist zwar etwas besser als der alberne Auftakt, aber nicht viel. Vor allem sind dafür die recht passablen Darsteller verantwortlich. Eine Art Wunderheiler befreit in kleiner Runde seine Anhänger von ihren Leiden. Dumm nur, dass eine seiner Patientinnen, in ihrem inneren, eine Inkarnation der dunklen Seite ihrer Seele trägt, welche durch die Behandlung befreit wird. Die Idee ist prinzipiell gut, nur wenn es dann auf ein albernes Gummimonster hinausläuft das an der klapprigen Kellertür klopft, ist das ganze einfach nur Lächerlich umgesetzt. Musik und Schnitt sind auf inzwischen erwartet niedrigem Niveau und das Ende ist ebenso unspektakulär wie unbefriedigend. Ich will ja gar nicht leugnen, dass für kurze Augenblicke ein Hauch von Spannung aufkommt, allerdings wird dies durch die hektische Kamera und die bereits erwähnten Mängel rasch wieder zu Nichte gemacht.
3/20

Fazit: Die Qualität der einzelnen Episoden von Tears of Kali ist recht unterschiedlich, vom katastrophalen Anfang, über den gelungenen Mittelteil bis zum eher schlechten als rechten Finale kann man festhalten, dass der Film nie wirklich überzeugen kann. Die begrenzten technischen Möglichkeiten und das darstellerische Unvermögen reichen in Kombination mit dem furchtbaren Soundtrack nie aus um eine erwähnenswerte Gruselatmosphäre zu schaffen. Da reicht die ansehbare zweite Episode auch nicht aus um die Leihgebühr oder gar den Kaufpreis zu rechtfertigen. Finger weg!

Insgesamt reicht das nicht für mehr als: 3/10

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