Die Macher deutscher Amateurhorrorfilme gehen entweder den Weg ewig gleichen Vorgarten – Splatter - Unsinns oder sie geben sich etwas Mühe und drehen Tears Of Kali.
Regisseur Andreas Marschall hat sich der Wurzeln des Genrefilms besonnen: Das Heraufbeschwören psychologischen Terrors unter den Protagonisten und der Versuch des Überspringen - Lassens des Horrorfunkens auf den Zuschauer.
Seinen Tears Of Kali hat er im Milieu der Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger Jahre sehr beliebten New Age Sekten im indischen Poona angesiedelt. Drei Mitglieder der Taylor-Erickson-Gruppe haben währen der Hochzeit ihrer Bewegung versucht, auf dem Wege intensiver Meditation, körperliche und psychische Grenzerfahrungen zu erleben und werden jetzt mit den Spätfolgen dieser Selbstexperimente konfrontiert.
Auch das gewählte Format des Omnibus-Films, also mehrere, in einer Rahmenhandlung gebettete, gruselige Kurzgeschichten, ist Zitat einer Zeit, in der Studios wie die Engländer von Amicus auf diese Art und Weise in den Horrorolymp aufstiegen.
Dieses Gerüst der Rahmenhandlung stellen hier die in sauberem schwarz/weiß gefilmten Rückblenden auf die Selbstversuche der Taylor-Erickson-Gruppe. Ehrlich gesagt sehen diese stellenweise besser aus, als die eigentlichen Stories. Die sind in ihrer, von okkult-düsterer Stimmung getragenen, mit Bestimmung auf ein blutiges Finale zutaumelnden Art nicht weit von jenen Geschichten des vielerorts verehrten britischen Hardcore Horror Schriftstellers Clive Barker entfernt, deren Filmadaption dieser selbst in die Hand nehmen wollte, besonders seine Verfilmungen der Hellraiser-Reihe kommen ins Gedächtnis. Das aus einer psychiatrischen Sitzung entsehende Folterszenario des zweiten Segments von Tears Of Kali – der Folternde besinnt sich seiner Reisen in die ganz finsteren Abgründe seines Bewusstseins und zwingt sein Opfer, einen Nazi so zum gewünschten Geständnis – wäre hier als Bestätigung zu nennen. Insgesamt ist diese zweite Geschichte auch der beste Moment des Film. Der Anfang ist deutlich danebengegangen und die Abschlussepisode glänzt durch ein gelungenes Set und die gekonnt und spannend abgespielte Entwicklung der Erzählebene, wird aber von ihrem Ende, welches man fast als albern bezeichnen könnte, um ein bis zwei Schulnoten schlechter.
Marschall hat deutlich mehr handwerkliches Talent als verschiedene, hier jetzt nicht namentlich genannte Kollegen der Hobbyhorrorzunft. Kameraarbeit und Schnitt gehen in Ordnung. Für die hölzerne Beschaffenheit seiner Schauspieler (wie soll ich sie sonst nennen?) kann er ja fast nichts. Der scheppernde Industrial-Soundtrack ist äußerst unpassend und macht atmosphärisch leider mehr kaputt als man glauben möchte. Alles in Allem bestimmt keine Zeitverschwendung. Nicht-Amateurhorrorbegeisterte sollten sich den Film aber vielleicht erst einmal ausleihen.