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Horrorfilme aus deutschen Landen haben es schwer. Einerseits ist anscheinend das Massenpublikum diesen Genre-Produktionen aus Germany nicht wohlgesonnen und gibt sich lieber mit amerikanischer Durchschnittsware zufrieden, andererseits haben viele Amateurproduktionen der letzten Jahre, genannt werden sollen hier nur die unsäglichen Werke eines Andreas Schnaas und Andreas Bethmann, viele potentielle Fans in der Independent-Szene vergrault. Die Filme eines Jörg Buttgereit blieben die Ausnahme.
TEARS OF KALI, dies schon mal vorneweg, stellt nun aber alles in den Schatten! Andreas Marschall geht von der ersten Sekunde an in die vollen. Hier stimmt von der Kamera über die Musik und den Schauspielern fast alles. Selbst die vielen Laienschauspieler fallen hier nicht schlecht auf. Einzig der „Video-Look“ in der ersten Episode trübt den Filmgenuss ein wenig. Hier merkt man dann doch, dass es sich bei aller Professionalität um eine Independent-Produktion handelt. Dies tut der Spannung und der grandiosen Atmosphäre jedoch keinen Abbruch, zumal in den beiden anderen Episoden und in der Rahmenhandlung der kalte Look dem geliebten und wärmeren Zelluloid-Look weicht.
Splatterszenen sind zwar vorhanden, wurden jedoch sehr dürftig und nie zum Selbstzweck eingesetzt. Eben dieses Manko bricht vielen Amateur-Filmen das Genick. Hier ist dies nicht der Fall. Die gut gelungenen und äußerst heftigen Blut-Szenen in Andreas Marschall’s Film erinnern dann auch sehr stark an Klassiker wie Clive Barker’s HELLRAISER.
Viel mehr Augenmerk als auf Blut und Gore wurde auf Spannung und Atmosphäre gesetzt. Und dies ist dem Filmteam wirklich meisterhaft gelungen. Wer asiatische Grußelfilme wie RINGU und JU-ON mag, wird sich hier wie zuhause fühlen.
Leider ging der Film beim deutschen Publikum ziemlich unter. Weder ein Kinoeinsatz bei deutschen Festivals noch eine größere Werbeaktion zum DVD-Start war Marschall’s Meisterwerk vergönnt. Im Ausland heimste TEARS OF KALI dafür viele Preise ein. Zu hoffen wäre noch, dass die schlechte DVD-Umsetzung von Anolis (lediglich ein Making of und ein Trailer als Bonus) durch eine fette Special-Edition ersetzt wird. Dies würde dem Film nur gerecht werden.
Fazit: Definitiv die beste deutsche Genre-Produktion seit Jahrzehnten! Andreas Marschall wird seinen Weg machen. Hoffen wir, dass ihm nicht die gleichen Steine in den Weg gelegt werden wie einst Jörg Buttgereit ...

9/10 Punkte

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