Tears of Kali, ein recht verheissungsvoller Titel für eine deutsche Horrorproduktion ist ein wirklich gut durchdachter Independent Trip mit extrem subtilen Horror und einer Story, die für eine solche Produktion wirklich liebevoll präsentiert wird. Erzählt wird uns eine in 3 Episoden umfassende Geschichte über eine in Indien ansässige Selbstfindungsgruppe, die unter der Leitung eines okkulten Lehrers ihre eigenen Grenzen erfahren sollten, sich selbst finden mussten und das Leben in ständiger Selbsfindung, Hass und Demütigung verschärft durch Drogen kontrollieren mussten. Dabei missachten sie jegliche Folgen, überschreiten bewusst Grenzen und 20 Jahre danach werden uns davon 3 Fälle nähergebracht.
In einer einführenden Szene sehen wir wohl vermutlich die Behausung der Gruppe, in der ein scheinbar "blindes" Mädchen vom Lehrer aufgefordert wird, nach draussen zu schauen. Daraufhin schneidet sie sich mit einer Schere die Augenlider ab. Symbolisch, selbstzweckhaft oder gar tieferer Bedeutung? Jedenfalls eine Szene die schockiert, ekelhaft ist und mit dem besagten Kontext an immenser tiefgründiger Bedeutung gewinnt.
Kapitel 1: Shakti
Eine Autorin interviewt in einer Anstalt Elisabeth, die vermutliche Shakti, die damals ihren Geliebten umbrach und als Teil der Taylor Anderssen Selbstfindungsgruppe nach der Bedeutung der "Tulpa" sucht.
Fazit:
Visuell extrem hochwertige Episode, die negative und positive Energie und Erfahrungen unseres Ichs durchleuchtet, unsere innere Dämonen zum Vorschein bringt und das alles in einem künstlerischen Kontext darstellt ,der für eine solche Produktion wirklich bemerksenswert ist. Die Darsteller mögen hier und da hölzern wirken, und die Dialoge erscheinen uns arg einstudiert trotzallem erfüllt es seinen Zweck, die Spannung reisst einen von Anfang an mit, bis es zu einem symbolischen, skurrilen und vorallem blutigen Kampf endet. Der Kampf mit sich selbst. (8/10)
Kapitel 2: Devi
Hooligan Rolin kommt dank Justizauflage zum Psychiater und ist gewillt sein inneres Ich ins Reine zu bringen. Die Vorgehensweisen des Doktors sind aber nicht ganz so gewöhnlich und Rolins Aussage "Ich möchte raus aus meiner Haut" werden nur zu symbolisch fabriziert.
Fazit:
Eine inszenatorisch wirklich düstere Episode, die rein psychologisch gesehen wirklich umhaut und die abermals symbolisch und zweideutig und vorallem blutig endet. Die Darsteller sind durch die Bank weg überzeugend und abermals mit subtilem Horror in durchweg gewagte Bilder getränkt. (9/10)
Kapitel 3: Kali
Eine abermals Angehörige der Taylor Ericson Gruppe wird von einem Wunderheiler von ihrer Last befreit. Ein dunkles Phantom, das duch den Kaliprozess entstanden sein soll.
Fazit:
Das Ende dieser ausdrucksstarken und spannenden Episoden ist mehr als kryptisch, das ein oder andere ist so mehrdeutend aufgefahren, dass sich einem der Sinn dahinter nicht ganz erschliesst. Die Szenen im Keller, in das die beiden eingesperrt werden als Interpretation für die eigne Stagnation und Isolation seiner eigenen Seele und all ihren dunkle Abründe? Wer weiss, zumindest abermals eine ausserordentlich gewagte Episode die erdrückend spannend ist und verdammt viel Potenzial hat. (10/10)
Endfazit:
The Tears of Kali ist ein verdammt innovativer und vorallem erdrückend spannender Film über die eigenen Abgründe des eigenen Ichs. Grafisch, visuell und inszenatorisch als Independentproduktion absolut mitreissend und als deutsche Horrorproduktion absolut eigenständig und hochinnovativ und es ist eine Frechheit, das dieses Werk von einigen Reviewverfassern mit Werken von Taubert oder Schnaas gleichgestellt werden. Das ist allerhöchster Schwachsinn, denn Tears of Kali ist ein tiefgründiger Film, der zwar im Kontext gesehen weniger als Selbstfindungsfilm dient, aber zumindest stellenweise extrem schockiert und äusserst gewagt ist. Ein Meisterwerk um Esoterik, Mythologie, Dämonologie und eigene Findung der guten und bösen Seite.
9/10
Hast du schon ein mal tief in dein Inneres erblickt?
Das Wichtigste im Leben, ist der Tod darin.