Review

Man ist in Fankreisen recht einhellig der Meinung, dass „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ zu den schwächsten Beiträgen der Reihe zählt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Es steht „Karl May“ drauf, aber es ist kein „Karl May“ drin. Mitte der 60er sah man den Western schon eher mit Dreck, Gewalt und Särgen in Verbindung als mit romantisierten Blechbüchsen-Abenteuern der alten Schule. Also sprangen die Macher kurzerhand auf den Zug auf und inszenierten einen Winnetou-Film mit deutlichen Anleihen beim Italowestern.

Die Story lehnt sich überdeutlich an Kurosawas „Die sieben Samurai“ an und verzichtet auf großartige Schlenker zu Nebenkriegsschauplätzen. Der Film spielt tatsächlich nur in einem kleinen Kaff, welches nicht von ungefähr an ein mexikanisches Dorf erinnert. Prächtige Cinemascope-Bilder sind rar gesät, Ausflüge in die Natur selten. Da passt es nur zu gut, dass sich auch die Hauptfigur Old Firehand (ohne jegliches Charisma: Rod Cameron) von seinem Trapperleben zurückgezogen hat und dies vor seinem Filmsohn mit stichhaltigen Argumenten unterstreicht: Das Leben in den Bergen sei gar nicht so schön, wie sie alle sagen; im Winter friert es einen und verhungern müsse man auch fast. Da unterstützt man lieber ein paar Dorfbewohner im Kampf gegen mexikanische Banditen.
Soweit trifft man zwar den Zeitgeist relativ gut, aber der Karl-May-typische Charme fehlt diesem Film natürlich völlig. Verzweifelte Versuche, diesen noch mit humorvollen Figuren heraufzubeschwören, enden in herzlichen Einladungen zum Fremdschämen (Hallo, Robert Ravenhurst). Kein Vergleich zu Eddi Arent und Ralf Wolter!

Winnetou selbst (diesmal übrigens gesprochen von Thomas Danneberg) hält sich die ganze Zeit dezent zurück, die Hauptfigur ist hier ganz klar Old Firehand. Von weiten Tälern, Wäldern und türkisblauen Gebirgsseen ist ebenfalls kaum etwas zu sehen, das Fehlen von Martin Böttcher als Komponist ist da nur die logische Konsequenz. Dass dies dem Film ebenfalls nicht gut tut, ist da eigentlich überflüssig zu erwähnen. Wer manche Karl-May-Verfilmung in sein Herz geschlossen hat, kann sich über „Winnetou und Old Firehand“ nur wundern; statt dem letzten von Rialto produzierten Winnetou-Film noch einmal diesen unverwechselbaren naiven Charme zu geben, inszenierte man eine schlechte Spaghettiwestern-Kopie, die man sich nur der Ergänzung wegen ansehen sollte.

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