Zwischen all dem Grossoutkäse ist man ja für nur ein paar frische Impulse auf dem High-School-Sektor richtig dankbar, vor allem wenn mal nicht nur um ersten oder besseren GV geht.
Mark Waters hat mit „Mean Girls“ so einen kleinen Lichtblick inszeniert, der seine Qualitäten vor allem aus einem recht saftigen Drehbuch bezieht, das die auch in einer Nebenrolle agierende SNL-Komikerin Tina Fey zusammengebraut hat. Das garantiert insofern schon mal ein sauberes Comedy-Timing, so daß nicht nur platte Albernheiten ausgetauscht werden.
Inhaltlich wird relativ realistisch vorgegangen, zumindest für amerikanische Verhältnisse, wenn Cady, bisher in Afrika groß geworden, relativ schnell in die Cliquen- und Klassengesellschaft einer amerikanischen High School eingeführt wird und diese in flotten Parallelen mit dem Lebenskampf in freier Natur vergleichen darf.
Um so naheliegender, daß sie als Freshman dann die bestehenden Zustände, vorzugsweise rund um die drei meistgefürchtetsten und beliebtesten Mädels der Schule („The Plastics“), untersuchen und torpedieren will, um sich ohne es zu bemerken, selbst in einen dieser schlimmsten neurotischen Alpträume zu verwandeln – was auch noch verständlich wirkt, da sie als Teenager selbst gewisse Bedürfnisse und Resentiments hegt. Der obligate Hormonausbruch der ersten Liebe läßt sie sich so lange verstellen, bis sie schlimmer als alle High School Queens ist.
Natürlich ist das im Kern eine typische Schulstory vom Neuling, der sich selbst verliert und dann wieder zu sich zurück finden muß und daß man die besten Stories dieser Art schreiben kann, wenn einem die Leute zwischen allen Stühlen, also Kadys Freunde Janis (Gothic!) und Damian (schwul!!!!!) sowieso als Sympathieträger am nächsten sind, weil sie die bestehenden Zustände wahrnehmen, ohne an ihnen zu scheitern – und dabei ein eigenes Selbst führen können.
Der Vorteil liegt darin, daß hier niemand blütenweiß und niemand tiefschwarz gezeichnet ist, Fey packt in ihr Drehbuch bei allen Klischees über Gruppenzwänge und Rituale jedoch auch immer die andere Seite, nämlich die notwendige Motivation, der dieses Verhalten zugrunde liegt.
Vom Schlankheitswahn über die Sucht nach Anerkennung bei gleichzeitig schwachem Charakter bis zu den Wechselwirkungen und Nebeneffekten (meistgehaßt und doch meistbegehrt) ist alles vertreten, die Lehrer sind bemüht aber neben der Spur, die Eltern sich abstrampelnd ohne wirklichen Zugang zu dieser besonderen Form von gelebter Realität.
Daraus entsteht immer wieder eine schöne Form von Witz, wenn etwa zwei Lehrer, die offensichtlich füreinander bestimmt sind, nicht zueinander passen wollen, weil einer sich nicht traut und der Andere es nicht wahrnimmt oder gegenseitige Anziehung wegen der Klassengesellschaft vorerst ausgeschlossen werden.
Das Ende wird dann natürlich mit einer großen Portion Süßlichkeit genossen, bleibt aber wenigstens in den Grundzügen ambivalent und bis dahin ist der Humor gleichzeitig so liebenswert und bösartig zugleich, daß man ohne schlechtes Gewissen Spaß haben kann. Ein guter Cast unterstützt das Ganze, wobei Lindsay Lohan (hier noch vor ihrem Absturz) eigentlich gegen die mit Druck gespielten Nebencharaktere keine Chance hat, die abgrundtiefe Bösartigkeit einer Rachel McAdams, Amanda Seyfrieds „dumb-ass“ oder Daniel Franzeses hinreißend schwules Role-Model-Klischee sind einfach reizvoller.
Eine gelungene, manchmal wunderbar anthropologische Abhandlung über Tiere und Menschen oder die Schule als Abbild der Gesellschaft mit unterhaltsamen Zugängen für jung und alt, insofern unbeschränkt empfehlenswert für einen lockeren Abend. (7,5/10)