Die Bibliothekarin Joan Parker stößt auf ein Buch namens CHINESE KAMASUTRA. Schon nach den ersten Seiten zieht sie das Buch in ihren Bann und ihr Blut gerät dermaßen in Wallung, dass wir bereits nach 20 Minuten die haarige Musch der durchaus attraktiven Hauptdarstellerin (Gloria Chen) dank der tiefen Einblicke in- und auswendig kennen. +
Joe d’Amato wie wir ihn kennen und „mögen“ – der Pionier der italienischen Soft-Core Erotik-Welle Anfang der 70er Jahre bleibt auch bei einem seiner späteren Filme DIE LIEBESKAMMERN DES CHINESE KAMASUTRA seinem Ideal treu, weitgehend inhaltsleere Filme mit unzähligen Nacktaufnahmen und Sex-Szenen konsumierbar zu gestalten. Allerdings konzentriert er sich dabei weitestgehend auf Masturbations- und Lesben-Szenen. Alle diejenigen, die - berechtigterweise - aufgrund des Titels einen wilden Stellungskrieg erwartet haben, werden enttäuscht, da die Priesterschar des mysteriösen Liebestempels scheinbar keine Tinte mehr auf dem Füller hat – Tja, das kommt davon!
Dafür sorgt die englische Synchronisation dieses Schauspiels (eine deutsche ist leider/zum Glück/verdientermaßen noch nicht auf dem Markt erhältlich!) für einige Brecher, wurde doch beispielsweise die greise Haushälterin mit deiner jungen Mädchenstimme beglückt (!!!). Seltsam, seltsam! Aber die innovative Storyline (Beten, Essen, Fummeln) beschert uns infolgedessen noch einige Absurditäten., so verfolgen wir zum Beispiel gespannt die Dildo- Beschwörung des Hohepriesters, auf dass sich die Gute doch endlich draufsetzen möge (und welch ein Wunder: Das hilft!) Vielleicht sollte ich mich zuhause auch mal zu Kerzenschein und Weihrauch hinsetzen und meinen………….. na gut, lassen wir das!
Ein weiteres Highlight in diesem wirren Mix aus verschiedenen Zeit- und Realitäts-Ebenen stellt das nachfolgende Dildo-Folter-Szenario dar, bei der auf „Song Liam“ von vier Männern mit besagten Gummi-Dödeln eingedroschen wird. Der echte Brüller! Und so weiter und sofort!
Ich könnte noch einige Szenen erzählen, aber das würde zum einen den Rahmen dieses Reviews sprengen und andererseits der eigentlichen Qualität des Streifens nicht gerecht.
Fassen wir zusammen: Kamasutra als Aufhänger für ein bisschen Sex und ganz ganz wenig Blut. Prinzipiell zu wenig für einen Film, um sich noch eine Stunde nach Betrachten desselben daran zu erinnern. Allerdings wird dieses krude Machwerk sicherlich auch seine Freunde finden (ich denke da vor allem an die vielen Trash-, Nonnenfilm-, Emmanuelle-Fans). Und wenn man das Ganze nicht so bierernst betrachtet, ist immerhin aufgrund des unfreiwilligen Humors und der eigenwilligen Synchro der ein oder andere Schenkelklopfer dabei! Objektiv gesehen: Unterirdisch!
(4 / 10)