Aufgrund der vielen schlechten Kritiken und negativen Mundpropaganda bin ich Stephen Sommers´„Van Helsing“ lange Zeit aus dem Weg gegangen, aber irgendwann wollte ich mir dann doch ein eigenes Bild machen und habe zur DVD gegriffen, durch welche ich wenigstens die grauenhafte deutsche Synchro umgehen konnte, die mir noch aus der Zeit der Berichterstattung zum Kinostart schmerzhaft in den Ohren klang.
Ich kann mich noch erinnern, als im Internet die ersten Produktionsfotos auftauchten, die ein atmosphärisches Epos zu versprechen schienen – wenig später veröffentlichte man jedoch den Trailer, der meine Hoffnung fast vollkommen schwinden ließ, denn er schien auf ein Effekt-verliebtes Werk ganz in der Tradition von Regisseur Sommers´ letztem Film („the Mummy returns“) hinzudeuten, welcher (in meinen Augen) letztendlich an genau jenem exzessiven „CGI“-Einsatz scheiterte ... und wie schon damals musste ich nach dem Sichten auch dieses Mal exakt dasselbe denken: Manchmal ist weniger einfach mehr!
Und dabei beginnt alles so ungemein viel versprechend: Gleich in der ersten Szene werden wir Zeuge, wie es Dr.Frankenstein gelingt, seiner Kreatur Leben einzuhauchen, während sich draußen vor seinem Turm eine Horde Dorfbewohner in Lynchstimmung zusammenrottet. Was wir dann erfahren, ist dass es sich bei Frankensteins Finanzier um keinen geringeren als Dracula (Richard Roxburgh – „MI:2“) handelt, der dessen Forschung zu seinem eigenen Zweck missbrauchen will. Als dem Doktor das bewusst wird und er sich dagegen auflehnt, wird er vom Grafen getötet, worauf sich seine Kreatur befreien kann und ihren nun toten „Vater“ zu einer nahe gelegenen Windmühle trägt, um nicht dem Mob in die Hände zu fallen. Noch bevor Dracula das Gebäude erreichen kann, um wenigstens das Produkt der Forschung zu bewahren, wird es von den hass- und furchterfüllten Bauern angezündet und letztendlich zum Einsturz gebracht...
Folgende Faktoren unterscheiden diesen Anfang vom Rest des Films: Er ist spannend, weckt Interesse, erzeugt eine großartige Atmosphäre im Sinne der klassischen Vorbilder und ist vor allem in stimmigem Schwarzweiß gedreht worden. Hätte es sich um eine eigenständige Kurzepisode gehandelt, hätte sie die Bestnote verdient – doch so beginnt nun erst die eigentliche Handlung: In Paris, ein Jahr später und in Farbe...
Gabriel Van Helsing (Hugh Jackman – „Swordfish“), der für einen geheimen Orden des Vatikans arbeitet, ist in der Stadt an der Seine, um einen Mörder aufzuspüren, der mehr als nur ein Mensch ist und sich somit der normalen Justiz entzieht – Mr.Hyde (Dr.Jekylls bösartige andere Persönlichkeit). Nach einem spektakulären Kampf mit hohem Sachschaden kann er ihn schließlich zur Strecke bringen und kehrt in Folge dessen nach Rom zurück, wo er sogleich seinen nächsten Auftrag erhält: Er soll nach Rumänien reisen und den dort wütenden Dracula aufhalten, der Angst und Schrecken innerhalb der Bevölkerung verbreitet. Zusammen mit seinem Waffenausstatter Carl (David Wenham) macht er sich umgehend auf den Weg...
Vorort angekommen, trifft er auf die schöne Zigeunerin Anna (Kate“Underworld“Beckinsale), der letzte Nachfahre der Valerious-Blutlinie, die Dracula schon seit Jahrhunderten bekämpft. Gleich bei seiner Ankunft kann er sich einen gewissen Respekt verschaffen, indem er als erster Mensch seit hunderten von Jahren einen Vampir beim Angriff auf die Stadt töten kann. Die zuerst skeptische Anna erkennt schnell den Verbündeten in ihm, worauf sie gemeinsam herausfinden, dass Dracula noch immer mit Frankensteins Forschung experimentiert, da er nur auf diese Art eigenen (untoten) Nachwuchs zum Leben erwecken kann – ihm zur Seite stehen dabei Igor (Kevin J.O´Connor), ein Werewolf (ehemals Annas Bruder) sowie drei durchtriebene Vampirbräute. Zum Wohle der Menschheit gilt es nun, die Erweckung von tausenden Vampirkreaturen unter allen Umständen zu verhindern...
Es hätte ein großartiger Film werden können: Eine Hommage als die legendärsten Monster der Filmgeschichte, verpackt in eine moderne Geschichte mit einem üppigen zur Verfügung stehenden Budget, welches eine aufwändige Inszenierung garantierte – und doch kam alles anders…
Ich wage es mal, Regisseur und Drehbuchautor Stephen Sommers als Hauptschuldigen zu benennen, da das Skript und die Inszenierung nun mal die Hauptschwächen ausmachen: Der rote Handlungsfaden ist extrem dünn geraten und hangelt sich bloß von einer Actionszene zur nächsten, ohne einen interessanten Hintergrund bieten zu können. Alle Charaktere sind nicht mehr als eindimensional, die Dialoge pendeln zwischen platt und peinlich. Schade, denn die Schauspieler bekommen hier einfach kein Material, welches sie ausfüllen können – so bleiben sie zwar allesamt hübsch anzusehen (nur Richard Roxburgh gibt einen grauenhaften Dracula ab), besitzen jedoch keine Tiefe, so dass selbst die tragische Schlußszene für den Zuschauer nicht wirklich bewegend daherkommt, sondern statt dessen nur peinlich und kitschig wirkt.
Initiatorisch blieb Sommers seinem „Mummy returs“-Motto treu – nicht kleckern, klotzen! Litt jener Film schon unter den zu häufig eingesetzten CGI-Effekten, verdirbt diese Tatsache hier den gesamten Eindruck. Die F/X mögen zwar alle im Sinne des heutigen technischen Standards gut sein, können aber trotzdem nicht wirklich überzeugen: Die Hintergründe, Kulissen und Landschaften sehen klasse animiert aus, aber bei den Figuren hapert es dann – angefangen bei Mr.Hyde, über den Werewolf bis hin zu Dracula sehen alle doch ziemlich künstlich aus. Am meisten störten mich jedoch die Vampirbräute, die verwandelt schon fast billig wirkten (von den Texturen her). Es befinden sich einfach zu viele CGI im Film, die oft übertrieben und albern wirken (wie das ständige „die Wände Hochlaufen“), wodurch mich der finale Endkampf irgendwie an den Showdown von „Mortal Kombat 2“ erinnerte – da kam schließlich ebenfalls ein Wolfsmensch und ein Drachenwesen vor…
Inhaltlich wie optisch wurden fast alle Elemente aus anderen Werken zusammengetragen – und ich meine damit über die Hommage-Motive hinaus: Van Helsings Outfit entspricht dem des „Vampire Hunter D“, die Abenteuer- und Actionelemente lassen „Indiana Jones“ in den Sinn kommen und der humoristische Sidekick Carl stellt die Waffen genauso her und vor wie einst „Q“ bei James Bond. Die wenigen eigenen Aspekte (wie Draculas Brut, tödliche Schwäche oder Van Helsings Herkunft) können hingegen eher weniger überzeugen.
Was kann der Film also auf der „Positiv“-Seite verbuchen? Auf jeden Fall die opulenten Sets (wie Frankensteins Turm oder der Maskenball), die schöne Bebilderung (Landschaften, Hintergründe) und das allgemeine Tempo, das keine Längen entstehen ließ. Die Action an sich war nicht schlecht, jedoch teilweise einfach zu überzogen.
Im Endeffekt krankt „Van Helsing“ an den schwachen Charakterzeichnungen, den vielen übertriebenen Effekten sowie der Tatsache, dass der Film streng auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten ist, weshalb man Spannung, gruselige Atmosphäre oder gar Horror vergeblich sucht. Im Endeffekt verkommt alles zu einem Action-Dauerfeuerwerk. Zudem fehlt einfach der Charme, der den ersten Teil der „Mumie“ so auszeichnete. Besonders schwer wiegt die fehlende Atmosphäre in meinen Augen – dass man diese selbst in Anbetracht des technischen Aufwands erzeugen kann, beweisen schließlich die ersten Filmminuten…
Fazit: „Van Helsing“ ist ein seelenloses Werk moderner Tricktechnik, das bestenfalls aufgrund seines hohen Tempos und Actiongehalts zu unterhalten vermag ...
knappe 4 von 10.