Verzweifelt versuche ich mich an die positiven Elemente zu erinnern, die mir gestern abend seit kurz nach acht begegnet sind. Ich glaube, das Beste war der „White Russian“ in der Bar nach dem Kino.
Hatte uns Stephen Sommers mit Die Mumie 1 + 2 zwar genauso anspruchslose, aber wenigstens gelungene kurzweilige Filmkost geliefert, so versagt er hier doch an fast allen Ecken.
Meine Ansprüche hatte ich im Vorfeld durch Trailer und schlechte Mundpropaganda bereits runtergeschraubt und habe mich bemüht, möglichst vorurteilsfrei im Kino zu sitzen. So ganz hat es nicht geklappt und eine freudige Überraschung habe ich auch nicht erlebt, schade eigentlich.
Es fing ja noch recht stimmungsvoll in Schwarz-weiss mit dem Ende von Frankenstein (1931) an. Und die Begegnung von Graf Dracula und Dr. Frankenstein ist auch recht originell (wurde sie doch in den frühen 80er Jahren bereits in Gruselhörspielen verwendet).
Mit gutem Willen sah ich über die nur mäßig gelungene Animation eines CGI-Mr. Hyde hinweg (Merke: CGI nur dann verwenden, wenn man „wirklich“ keinen Unterschied zu realen Figuren sieht). Und schon war klar: hier sollen möglichst viele der alten Filmmonster verwurstet werden. Nagut, mal sehen was kommt.
Es folgte ein auch nicht so gelungener CGI-Werwolf (CGI: siehe oben), unnötig langgezogene Szenen mit CGI-Vampirbräuten und so weiter und so weiter.
Die Atmosphäre bleibt da recht schnell auf der Strecke und auch großzügige rasante Kamerafahrten über stimmige Landschaften können da nicht mehr viel retten.
Und das größte Manko ist: sobald man aus Versehen auch nur einmal nachdenkt, bemerkt man sofort mindestens zehn Unmöglichkeiten oder unlogische Stellen.
Von dem unsäglich lachhaften Sprung einer Kutsche mit sechs vorgespannten Pferden über eine kaputte Brücke rede ich noch nicht mal. Waren bei der Produktion alle Leute samt Regisseur und Produzenten besoffen? Noch vor fünf Jahren wäre eine solche Szene rausgeflogen, weil sie zu lächerlich aussieht.
Aber nein, irgendwer wird das schon cool finden!
Das ist wohl auch der einzige Grund, warum eine Kutsche sofort anfängt zu brennen, wenn ein Werwolf daraufspringt: weils cool aussieht.
In einem Actionfilm kann ich ja damit leben, das Autos sofort explodieren, wenn man die Tür zu fest zuschlägt. Aber wieso zum Geier explodiert eine Kutsche, wenn sie eine Schlucht runterstürzt? Weils cool aussieht.
Warum sind anscheinend sämtliche Darsteller Amateur-Spidermen und können aus dem Stand zehn Meter weit springen? Weils cool aussieht.
Wieso muss im Lauf des Films jeder der Hauptdarsteller an einem Seil entlangschwingen? Weil bald Spiderman 2 kommt... quatsch.
Warum kann Van Helsing in 5 Minuten rund 150 Mal mit seiner Armbrust feuern ohne den fliegenden Vampirbräuten auch nur einen einzigen ernsthaften Treffer beizubringen und in der nächsten Szene muss er nur einmal in Ruhe zielen und trifft sofort ins Herz?
Achso, die Armbrust: gut hundert Mal schießt er auf einen Vampir, der Kate Beckinsale verfolgt, spickt die gesamte Umgebung mit Pfeilen, ohne Beckinsale (die in einer geraden Linie flüchtet) auch nur mal zu streifen?
Das alles gehört zum Hauptproblem des Films: ja nicht auch nur einmal nachdenken, sonst geht die Illusion flöten.
Es ist wirklich schade drum. Hier wurden sämtliche klassischen Filmmonster nicht wiederbelebt, sondern gndadenlos verheizt, ebenso wie der große Van Helsing selbst (ich muss dringenst mal wieder einen der guten alten Filme mit Peter Cushing sehen!!).
Stephen Sommers schrammte mit der rückkehrenden Mumie gerade eben noch so an der Grenze vorbei. Die hauchdünne Grenze, bei der der Zuschauer eine Szene entweder lachhaft oder saugeil findet.
Bei Van Helsing ist Sommers das nicht gelungen, hier trampelt er auf dieser Grenze herum.
Wenn er dieses Feingefühl endgültig verliert, möchte ich lieber keine Filme mehr von ihm sehen.
Dasselbe gilt auch für Hugh Jackman, der mich in X-Men immer so an Clint Eastwood aus den 70ern erinnert und den ich allein dafür schon genial finde:
Bitte bitte, Mr. Jackman, halten Sie sich von diesen hohlen Drehbüchern fern, die genau auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet und bis zum Bersten mit CGI und sonstigen Effekten gefüllt sind. Sowas ist nicht gut für die Karriere.
Machen Sie sich lieber startklar für einen weiteren Wolverine-Einsatz mit Bryan Singer. Den X-Men-Filmen kann man zwar dasselbe vorwerfen wie Van Helsing, aber Singer hat als Regisseur nämlich noch das Feingefühl, daß man für solche Effektfilme braucht.
Und Stephen Sommers wird seines hoffentlich wiederfinden.
3 Punkte, einer ist ein Gnadenpunkt um den Film nicht ganz abzuwerten.