Review

Machen wir es uns doch ganz einfach: Popcornblockbuster sind pures Entertainment. Sie sollen Spaß machen, Intelligenz nicht unbedingt benötigt, aber auch nicht ungern gesehen.
Pure Fun, ggf. auch als No-Brainer zu genießen.
Stephen Sommers ist so ein Popcornregisseur und seine Filme machen Spaß. Wir wollen sie hier nicht untereinander vergleichen, also müßte „Van Helsing“ eigentlich auch Spaß machen.
Macht er aber nicht, nicht oft zumindest. Und dafür muß es irgendwo einen Grund geben.

Allerdings haben wir hier einen echten No-Brainer vor uns, bis zum Erbrechen vollgestopft mit Action und Spezialeffekten, die Populärfilmgeschichte zitierend, als gäbe es kein Morgen, weil eben genau diesem Genre so etwas erlaubt ist. Und so reichen sich die Anleihen aus den Horrorklassikern die Hände, Werwolf, Frankenstein, Dracula, rüsten sich bei James Bond aus, machen Mr.Hyde platt, wandern durch Matrix-meets-Alien-Settings, zitieren fröhlich Indiana Jones („Ah, Paris“) und Tanz der Vampire (Spiegelsaal) und haben sich alle nach Kräften lieb.

Was aber fehlt dann „Van Helsing“, was so unbedingt nötig wäre, ihn trotz seiner Mängel richtig ins Herz zu schließen als ein reiner Spaßfilm?
Seele.
Die scheinen Popcornfilme ja auch nicht zu brauchen, aber tatsächlich haben die wirklich qualitativ Hochwertigen so etwas, ein bißchen Herz, den richtigen Anstrich, den notwendigen Kontakt, um beim Publikum zu klicken.

„Van Helsing“ dagegen ist Arbeit. Was als Hommage an alte Universalklassiker in s/w beginnt und durchaus noch ein Funkeln in den Augen bereitet, wird zur Hangelei von einer Actionsequenz zur nächsten und in selbigen wird auch noch ausgiebigst gehangelt. Dazu Tricks, Tonnen von Tricks und noch mehr Geschwindigkeit und Krawumm, damit man die arg deutliche Künstlichkeit aller Horrorwesen nicht gar so schrecklich mitbekommt.

Nur werden die Augen über die Distanz von über 2 Kinostunden langsam aber sicher überanstrengt, die Prämisse des Schneller, Höher, Weiter, Zerstörerischer nützt sich zunehmend ab. Viel zu lang die Actionsets im transsylvanischen Dorf und gegen Ende im Eisschloß, noch ein Effekt, noch ein Höhepunkt.
Man muß sich, wie die Figuren im Film, hindurchkämpfen. Und man wird müder, anders als der Held an sich.

Der, so muß man sagen, ist immerhin sympathisch. So aufgesetzt der Plot auch wirkt, so konstruiert, so kann ein guter Protagonist ein solches Konstrukt immer noch retten, mit Ausstrahlung, mit, ich sag mal, Charisma. Hugh Jackman hat dafür die besten Voraussetzungen, er sieht gut aus, er kommt gut rüber.
Aber seine Figur...hat kein Charisma. Manchmal kann er die Dummheit der Sprechszenen durch bloße Erscheinung entkräften, aber meistens müht er sich vergeblich.

Das liegt sicherlich am Drehbuch, das nur das Nötigste an Plot herauswürgt, um um die nächste Ecke neue bombastische Überraschungen auf die Zuschauer loszulassen. Wenn das Skript mal eine Pause einlegt, dann aber selten um die Handlung weiterzuspinnen, sondern um eine Art gefühlvolle Stimmung zu generieren, die nicht funktioniert, weil die Figuren keinerlei Chemie untereinander entwickeln müssen, keine Lovestory, keine wirkliche Bindung. Man nimmt sich hier nicht mal die Zeit, Hintergründe dem Seher in Ruhe mitzuteilen, nein, die werden mitten in einer oder zwischen zwei parallel laufenden Actionsequenzen im Telegrammstil in den Saal geworfen, so nachlässig, daß sich die Zuschauer, mit der Augenarbeit vollends beschäftigt, die Hintergründe nach dem Film gegenseitig erklären müssen.
Und letztendlich sich die nicht mal erschöpfend, sondern so rudimentär, daß genug Fragezeichen bleiben, um damit noch hoffentlich drei weitere Filme zu füllen.

Die komisch gemeinten Antics des Sidekicks Carl (David Wenham macht das Beste aus seinem Post-Faramir-Ruhm) sind dann tatsächlich bei allem Kalaueranteil die Oasen der Ruhe in einem wogenden Sturm und verleihen mehr Tiefe, als alle Bemühungen der Dialoge.

Womit man bei einer echten Schwachstelle wäre, denn wenn hier tatsächlich mal Dia/Mono-log abgesondert wird, dann kracht der Film in allen Gelenken. Nicht daß es so rasend kitschig wäre, daß man den Schinken in die Hölle verdammen möchte, sondern diese abgeschmackten One-Liner aus der Mottenkiste werden so kraftlos und steif in den Film gebaut, daß man das große Husten bekommt.
Das trifft vor allem Kate Beckinsale sehr hart, die sich steif und hartgesotten durch mehr Klischeezeilen quälen muß, als gut für sie ist, weil sie schon zwei solche Dialoge-des-Grauens-Schoten in der Tasche hat (Underworld, Pearl Harbor). Zwar sieht sie rassig aus (ihre Frisur ist aber immer top!) und soviel Action hat auch noch keiner in Korsage durchgestanden, aber der Effekt bleibt hölzern und leblos. Daß vieles, was geredet wird (vor allem von den Vampirbräuten) noch dazu überflüssig ist, als müßte man die Bilder wegen der Geschwindigkeit noch erklären, paßt gut dazu.
Die deutsche Synchro setzt dem Ganzen noch die Krone auf, indem man Dracula eine Stimme gegeben hat, als säße er in einem dunklen Brunnen und hätte starke Bronchitis, während das Frankensteinmonster (das im übrigen von allen Monstern am besten wegkommt) ebenfalls stimmlich viel zu hoch ansetzt. Der Wolfsmensch hält zum Glück das Maul, aber der inflationäre Einsatz des total künstlich aussehenden Biests macht die Sache auch nicht beser.

Und so wirkt denn „Van Helsing“ wie eine monetär-grandios Merchandising-Idee, aus der man mit Brachialgewalt eine Franchise herausprügeln will und hofft, daß dabei ein Film entsteht. Wie die Vampirkinder im Film ist das Ergebnis aber nur ein lebensunfähiger Bastard, dessen sensueller Overkill verpufft, sobald man den Strom vom Projektor nimmt.
Man hat geschmunzelt, man hat versucht mitzukommen, man hat viel gesehen und nichts davon sah echt aus. Seelenlosigkeit als Maxime, das paßt zu den Protagonisten recht gut.
Und wenn der Held am Ende samt Sidekick in den rumänischen Sonnenuntergang reitet, weil viel verloren und viel gerettet wurde, dann bleiben nicht mal ein paar abschließende Worte, ein Muntermacher, ein letzter Joke, ein Hinweis auf die Fortsetzung übrig. Ohne Worte reiten die beiden, während das Helsing-Thema aus den Boxen donnert und irgendwann wird ausgeblendet.
Diese ultimative Wortlosigkeit ist signifikant für einen Film, bei dem man erwarten können sollte, daß zumindest einer wußte, worum es eigentlich geht. Der muß hier frühzeitig entlassen worden sein. (3/10)

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