1999 brillierten Sarah Michelle Gellar, Ryan Phillipe und Reese Witherspoon in dem Beziehungsdrama "Eiskalte Engel". Nun steht bereits die zweite Fortsetzung in den Videotheken herum, aber kann die sich mit dem großen Vorbild messen?
Um es kurz zu machen: natürlich nicht. Die Handlung von EE 3, sofern man sie so nennen kann, beschreibt eine Handvoll attraktiver, triebgesteuerter Twens an einer kalifornischen Universität. Und die haben nur das eine im Kopf: Sex, Sex, Sex. So wird quasi von der ersten Minute an geheuchelt, betrogen, angebaggert und intrigiert, was das Zeug hält. Und mehr passiert auch nicht - Eiskalte Engel 3 ist sehr episodenhaft aufgebaut und könnte auch als zusammengeschnittenes Serienspecial mit den schönsten Liebesszenen irgendeiner Soap-Opera bestehen. Typ A versucht sich an Mädchen B ranzumachen, um sie von Typ C loszubekommen, woraufhin Typ C sich mit Mädchen D tröstet, die eigentlich nur mitmacht, um Typ A eifersüchtig zu machen. So läuft das typische Schema dieses Films ab und wiederholt sich leicht abgewandelt immer wieder, doch halt, in der Tradition des ersten Teils gibt es auch hier wieder diese raffinierten Wetten, ob Typ A oder B zuerst Mädchen C klarmachen. Kann man gewissermaßen als Highlight des Films ansehen... Dabei bewegen sich sämtliche Figuren wie ferngesteuerte (bzw. libidogesteuerte) Roboter durch den Film, irgendeine halbwegs glaubwürdige, nachvollziehbare Hintergrundgeschichte oder Charakterentwicklung existiert quasi nicht, es sei denn, man akzeptiert einfach, dass dieser Film nur platte Klischeerollen bietet, und auch gar nicht mehr bieten möchte.
Gäbe es einen Oscar für die attraktivste Schauspielerriege, so hätte ihn EE 3 vermutlich schon in der Tasche. Das ist aber auch das einzige, was man den Darstellern zugute halten kann, schauspielerisch liegen Welten zwischen ihnen und denen des ersten Films. Zugegebenermaßen verlangt ihnen das platte Drehbuch kaum viel mehr ab, als lüstern oder erregt zu glotzen. Apropos erregt: EE 3 zeigt zwar deutlich mehr nackte Haut als der erste Teil, ist aber dennoch nicht halb so erotisch wie dieser. Das liegt natürlich hauptsächlich daran, dass man als Zuschauer nicht die geringste Zuneigung oder Bindung zu den Figuren entwickeln kann, da das Drehbuch sie allesamt höchst unglaubwürdig darstellt. Während der erste Film eine glaubwürdige Charakterbildung der Hauptfiguren vorsah, und so zu fesseln vermochte, wird hier mit Worthülsen wie "Ich liebe dich", "Typ A liebt dich gar nicht, aber ich" oder "Aber Mädchen B, das war doch bloß ne Wette, ich wollte dich nur flachlegen" nur so um sich geworfen. Wie sich die Hauptdarsteller binnen Minuten verlieben, entlieben und wieder neu auf die Jagd begeben, ist völlig unglaubwürdig. Auch nicht gut: Durch die episodenhafte Struktur kommt nicht mal ein Hauch von Spannung auf, und da hier jeder mit jedem ran darf, wirkt der Film mit seinen 75 Minuten Dauer leicht überladen.
EE 3 ist sehr billig inszeniert. Die tristen Sets wiederholen sich laufend und sind menschenleer. Keine Spur also vom herrlichen dekadenten Flair, das der erste Film versprühte. Überhaupt wirkt der Film lieblos heruntergekurbelt, irgendwelche Besonderheiten oder Einfälle braucht man von Regie und Kamera nicht erwarten. Auf gewisse Weise passt das aber auch ins inhaltliche Bild des Films. Auch völlig daneben ist die musikalische Untermalung des Streifens. Bei Vergewaltigungen wird das gleiche leichtgängige Musikstück (mit Humpumtrallala-Charakter) eingespielt, wie bei den meisten anderen Nummern auch. Auch die Auswahl echter Songs, die hier und da eingespielt werden, kann sich niemals mit dem ersten Film messen.
Trotz all dieser Mängel muss ich dennoch sagen, dass ich EE 3 gar nicht mal so schlecht fand. Der Film ist dermaßen übertrieben und dämlich, dass es irgendwie schon wieder Spaß macht, ihn anzusehen. Ein gewisser trashiger Charme ist durchaus vorhanden, und wenn man schon etwas an Alkohol intus hat, hat man an dem seltsamen Treiben auf dem Bildschirm viel zu lachen. Nimmt man den Film also nicht so ernst, wie er sich selbst, unterhält er auf passablem Niveau. Die ansehnlichen DarstellerInnen tun ihr übriges.
Fazit: Nicht mal würdig, im Schatten des ersten Teils zu stehen, aber als Kuriosum durchaus kurzweilig. 4,5 Punkte.