"Auch ein König hat höflich zu sein!"
Für den 17-jährigen König Kuzco ist nichts wichtiger als sein eigenes Wohlbefinden und er und hält sich dabei für beliebt und vergöttert. Für seinen anstehenden 18. Geburtstag bereichert er sich also selbst um ein Geschenk, wofür er das Heim des Dorfbewohners Patcha und dessen Familie opfern will. Gleichzeitig kündigt er der königlichen Beraterin Yzma, die des öfteren den Thron für ihre eigenen Zwecke mißbraucht, und ihrem naiven jüngeren Handlanger Kronk den Posten. Yzma sinnt auf Rache und will Kuzco vergiften um selbst die Nachfolgerin des Throns zu werden. Statt ihn aber zu vergiften, verwandelt sie ihn versehentlich in ein Lama.
"Ein Königreich für ein Lama" ist nicht nur durch seinen überspitzten Humor ein Ausnahmefall aus dem Hause Disney. Auch die Produktion des Zeichentrickfilms hat schon etwas außergewöhnliches an sich, denn ursprünglich was der Film als typisches Disney Drama konzipiert. Die radikale Abänderung veränderte das Inka-Epos zu einer frechen überdrehten Komödie.
Entgegen der vorgefassten Meinung, alle Walt Disney Zeichentrickfilme benötigten zwangsläufig viele Musikstücke, die sie zu einem Musical machten, kommt "Ein Königreich für ein Lama" mit nur einer Gesangs- und Tanzeinlage aus. Der Auftakt beginnt mit Musik, in dem der Charakter des jungen Patriarchen umrissen wird. Bereits hier wird der eigenwillige Humor des Films etabliert.
Der Zeichtrickfilm legt bis etwas über die Hälfte den Fokus auf seine zahlreichen Gags und verrückten Ideen, wird dann ein wenig bewegender und schlägt gegen Ende nochmal richtig zu. Dass die Handlung äußerst schlicht ausfällt, bemerkt man eher selten. Viel zu oft fesselt das höllische Erzähltempo sowie die häufig eingesetzte Selbstironie mit einer gehörigen Prise Zynismus.
Der Humor ist in einer zwar stark stilisierten und von modernen Einflüssen geprägten Inka-Welt verankert, kommt allerdings alles andere als altmodisch daher. Nicht zuletzt, da man stellenweise jegliche Logik komplett über Bord wirft und damit erst recht zeigt, dass man hier neue, und vor allem für Disney ungewohnte Pfade betrat.
Dass der zum Lama verwandelte Kuzco alles andere als ein Sympathieträger ist, mag zunächst leicht irritieren, aber bei genauerer Betrachtung ist sowieso nicht König Kuzco, sondern Bauer Patcha das Herz und die Seele des Films. Die Interaktion zwischen den Figuren funktioniert aber ohnehin erst durch die wunderbar überzeichnete Yzma und ihrem muskulösen aber wenig intelligenten Gehilfen Kronk. Das Gespann macht den stellenweise bitterbösen Humor aus, der vor allem mit viel Wortwitz glänzt.
Dass es wenige Überraschungen in der Handlung gibt und trotz allem Unsinn auch eine Moral durchdringt, spricht für den mit knapp 75 Minuten sehr kurz geratenen Film. Spätestens wenn der vormals egozentrische König Kuzco seine menschliche Seite entdeckt, wird klar, wohin die Reise gehen wird.
Die zu Beginn ein wenig eintönig gehaltenen Farben, werden sehr bald durch eine bunte Kulisse ersetzt. Optisch ist "Ein Königreich für ein Lama" eher zweckmäßig, an Details mangelt es.
Mit seiner kurzen Laufzeit ist "Ein Königreich für ein Lama" genau richtig für einen kurzweiligen Spaß für zwischendurch. Der eigenwillige Humor trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, die spontane Spritzigkeit ist dennoch etwas völlig neues für einen Disney-Zeichentrickfilm. Die verrückten Charaktere, die moderne Präsentation und die Moral um Freundschaft und Anstand harmonieren. Zeichnerisch hätte es dennoch etwas detailreicher sein dürfen.
9 / 10