Sandra Bullock in einer aktualisierten Aschenpuppel-Story? Auch ich hatte so meine Zweifel, als es hieß, dass Liebchen Sandra Bullock eine kratzbürstige und äußerst maskuline Polizistin (mit ebensolchen Manieren) spielt. Doch schließlich bewies sie auch in "Mord nach Plan", dass sie in solchen Rollen glaubhaft rüberkommen kann. Auch der Film kann sich durchaus sehen lassen: "Miss Undercover" überzeugt vor allem durch ironische Seitenhiebe auf die Szene der "Miss-Wahl-Barbies" sowie herrliche Dialoge voll rotzigem Humor.
Die Story: Gracie Hart (Frau Bullock) ist eine knallharte Polizistin, die in ihrer Freizeit schon einmal liebend gern einen saufen geht und sich mit Kampfsport fit hält. Als sie bei einem Einsatz Mist baut, wird sie in die innere Abteilung versetzt. Doch die Einsatzleitung um Mathews (etwas blass trotz seiner Bräune: Benjamin Bratt) reaktiviert Gracie, als bekannt wird, dass ein bekannter Killer auf der "Miss America"-Wahl zuschlagen soll und will sie undercover bei selbiger einschleusen. Also wird der etwas tuntige Benimm-Trainer und Stylist Victor (köstlich: michael Caine) angeheuert, um aus dem Raubein eine Lady zu machen, was zunächst nicht zu gelingen scheint...
Wie gesagt: der Film spart nicht mit Seitenhieben auf das Milieu der potenziellen Schönheitsköniginnen. Sie sind zickig und teils so dumm ("Weltfrieden") und süß, dass zuweilen in der Klischee-Kiste etwas zu tief gekramt wurde. Davon abgesehen werden sie aber herrlich ironisch aufs Korn genommen (ich habe des Öfteren herzhaft gelacht). Auch die Polizei als pseudo-arbeitsame Party- und Nichtstuer-Institution bekommt hier ihr Fett weg (hier ein Beispiel: die "Recherche", wer als Bikinimodel am Besten aussieht). Das Angiften von Michael Caine als Vertreter alter Knigge-Schule und Sandra Bullock als "emanzipierte Feministin", die nicht von kalorienreicher und ungesunder Kost lassen kann, stellt ein Highlight des an Brüllern nicht armen Films dar. Auch William Shatner als etwas debiler Co-Moderator der Show ist schlicht zum Schießen. Schade nur, dass dem Film im letzten Drittel etwas die ironisierende Puste ausgeht und er in einem zu zuckrigem Finale endet. Der verwässerte (Alibi-)Krimi-Plot mit Kritik am Schönheitswahn wird urplötzlich zur ausgelutschten Romantic-Comedy mit der obligatorischen "Die-sind-ja-gar-nicht-so-idiotisch-wie-ich-dachte"-Botschaft. Das wirkt schlicht unglaubwürdig. Ein lustiger Film ist es aber trotzdem geworden.
Fazit: Ein sehr witziger Film, der durch seine skurrile Hauptfigur getragen wird. Der Alibi-Krimiplot bei "Miss Undercover" stört angesichts zahlreicher hochklassiger Wortgefechte und vieler ironischer Seitenhiebe auf Polizei und Beauty-Zicken kaum. Schade nur, dass der Film zu Ende seine eigenen Ansprüche durch ein zu versöhnliches Finale verrät.