Ein Attentäter möchte die Miss-Wahl sabotieren und das FBI beschließt eine Agentin einzuschleusen. Schließlich einigt man sich auf eine überaus zynische Feministin, gespielt von Sandra Bullock, die den Auftrag zuerst nicht annehmen will, dann aber mit Unterstützung ihrer Kollegen und eines Schönheitsberaters, gespielt von Michael Caine, zu einer echten Schönheitskönigin aufblüht.
Die Geschichte vom hässlichen Entlein ist mittlerweile schon ziemlich alt und abgenutzt, also musste man sich dringend etwas Neues einfallen lassen, um sich zumindest ein bisschen von den Stereotypen des Genres zu entfernen. Mit der Grundidee um die Miss-Wahl und einen Attentäter, der diese sabotieren möchte, hatte man schon einmal eine annehmbare Ausgangssituation, das was jedoch darum gesponnen wurde, könnte kaum vorhersehbarer sein. Man lässt kein einziges Model-Klischee aus, auch wenn man am Ende zur Toleranz aufruft und zu zeigen versucht, dass Models nicht nur hohle Klappergestelle sind, springt einem die Klischeehaftigkeit des Films förmlich ins Gesicht. Über die arrogante Leiterin der Miss-Wahl, über den schwulen Schönheitsberater, bis hin zur Love-Story zwischen Bullock und ihrem Kollegen ist alles absolut klischeehaft, kalkulierbar und vorhersehbar. Schade um die Grundidee. Die Geschichte vom hässlichen Entlein wird dann doch leider zum x-ten Mal abgespult und mit "Miss Undercover" eine weiter belanglose Komödie in die Kinos gebracht.
Gerade bei Komödien kommt es aber bekanntlich darauf an, wie man den Stoff serviert und dies ist bei "Miss Undercover" sehr gut gelungen und im Wesentlichen ist dies natürlich der Verdienst von Regisseur Donald Petrie, der nach "Richie Rich" und "Der Onkel vom Mars" schon einige Erfahrungen im Genre sammeln konnte. Er baut die meiste Zeit über eine behagliche Atmosphäre auf und setzt vor allem beim Finale auf Dramatik und Emotion, auch wenn er den Film ein bisschen zu billigem Kitsch abgleiten lässt. Auch ansonsten ist der Film ziemlich charmant geworden und unterhält vor allem durch seinen, stellenweise herzhaft charmanten und stellenweise zynischen Humor und bietet somit eine gelungene Abwechslung zu diversen Teenie-Fäkal-Humor-Filmchen. Er hält das Tempo ziemlich hoch und kann mit seiner kurzweiligen Komödie so recht lang unterhalten und erzeugt glücklicherweise wenig Leerlauf. Die wenigen gelungenen Wendungen bringt er zum richtigen Zeitpunkt, auch wenn er trotz der Krimi-Handlung überhaupt keine Spannung aufbauen kann. Die Musik passt ziemlich gut, die Ausstattung ist sehenswert und auch Sandra Bullock trägt in diversen engen Kostümchen sehr zum hohen Schauwert und zum ordentlichen Unterhaltungswert bei. Anschließend blieb Petrie mit "Wie werde ich ihn los in 10 Tagen" dem Genre treu, übernahm aber leider nicht die Regie im Sequel "Miss Undercover 2", dass bei Weitem nicht ans Original herankam.
Neben der ordentlichen und charmanten Inszenierung von Petrie ist es aber auch die überaus gut gelaunte Sandra Bullock, die mit ihrer starken und liebenswerten Darstellung ebenfalls zum Gelingen des Films beiträgt. Anfangs macht sie sich als zynische Feministin sehr gut, bringt den einen oder anderen sarkastischen Spruch und zeigt in ein paar Kampf-Szenen, dass sie hart im nehmen ist. Zum Ende hin macht sie sich als Model ebenfalls ziemlich gut und beeindruckt vor allem beim charmanten Zusammenspiel mit ihrem Film-Lover Benjamin Bratt. Nach "28 Tage" zeigt sie erneut, dass ihr amüsante Rollen liegen und, dass sie Veränderungen ihrer Charaktere sehr gut auf die Leinwand bringt. Michael Caine macht sich ebenfalls ganz gut und passt mit seiner trockenen Art ziemlich gut in die Rolle des Schönheitsberaters, der an seiner neuen Klientin zu verzweifeln droht. Die anderen Miss-Darstellerinnen machen sich als naive Püppchen, die sich den Weltfrieden wünschen und einen weiten Bogen um jede Form von Nahrung machen ganz gut und erfüllen voll und ganz das Klischee.
Fazit:
Durch die starke Leistung der sichtlich gut gelaunten Sandra Bullock und durch die ordentliche Regie von Genre-Spezialist Donald Petrie ist "Miss Undercover" eine charmante und unterhaltsame Komödie. Die nervige und klischeehafte Story, die zum hundertsten Mal die Geschichte vom hässlichen Entlein aufwärmt, bremst den Film dennoch stellenweise aus.
63%