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Als „Miss Undercover“ ermittelt Sandra Bullock gegen fieses Schurkenvolk im Rahmen einer Misswahl.
FBI-Agentin Gracie Hart (Sandra Bullock) macht ihrem Nachnamen alle Ehre: Sie isst am liebsten blutige Steaks, verbringt den Abend mit Kickboxtraining und hat auch im Einsatz nicht die geringsten Skrupel mal ordentlich hinzulangen. Man merkt direkt den Spaß, den Frau Bullock an dieser Rolle hat. Sie benimmt sich so dermaßen daneben, wie es normalerweise nur männlichen Charakteren vorbehalten ist (und das dann meist auch in Actionstreifen).
Wegen ihrer Waghalsigkeit wird allerdings ein Kollege bei einem Einsatz angeschossen und Gracie wandert in den Innendienst. Doch dann droht der wahnsinnige Bombenleger, den man Citizen nennt, eine Misswahl in die Luft zu jagen. Gracie wäre das bei ihren Ansichten über derartige Veranstaltungen gar nicht mal so unrecht, aber sie ist die einzige Frau, die noch für den Job geeignet ist, denn das FBI will dort eine Agentin undercover einschleusen. Das ist zwar alles etwas konstruiert, aber irgendwie muss man ja diese amüsante Grundkonstellation zusammenbekommen. Außerdem ist das virtuelle Kleider anprobieren per PC eine ziemlich witzige Szene.

Widerwillig lässt ihr Chef Harry McDonald (Ernie Hudson) Gracie für den Einsatz wieder in den Außendienst. Allerdings braucht Gracie eine Generalüberholung, wofür man den Modeltrainer Victor Melling (Michael Caine) engagiert. Der hat zwar Probleme mit der bärbeißigen Powerfrau, aber aufgrund des Einsatzes reißen sich beide zusammen…
Die Handlung von „Miss Undercover“ ist selbst für eine Komödie eher simpel und dient in erster Linie als eine Folie für die Gags. Die Geschichte um das geplante Bombenattentat ist eher zweitrangig und es ist an sich gar nicht von Interesse, wer dann schlussendlich der Attentäter ist; es könnte ebenso gut der Weihnachtsmann sein. Da bleibt die Spannung zwar etwas auf der Strecke, aber trotzdem zieht der Film seinen Plot mit ordentlich Tempo vom Leder, sodass man an sich nicht langweilen muss.
Im für eine Komödie wichtigsten Punkt kann „Miss Undercover“ meist recht gut punkten: die Gags. Zwar fehlen noch absolute Brüller, aber die meisten Gags regen zum Schmunzeln an. Vor allem die Wortgefechte zwischen Victor und Gracie haben viel Esprit und sind definitiv das Highlight des Films, aber auch Frau Bullocks Parodie auf prollige Männersitten machen Laune. Da verzeiht man dem Film auch einige weniger gelungene Witzchen (der Running Gag, dass Gracie andauernd auf die Fresse fällt, ist doch eher für das weniger anspruchsvolle Publikum). Die ein oder andere Anspielung auf Polizeifilme kann der Film dann auch unterbringen (so bezeichnet Victor Gracie als „Dirty Harriet“ usw.).

Allerdings lässt der Film doch nach, sobald er sich auf das Terrain der eigentlichen Misswahl begibt, denn hier legt man nicht nur die Prollsitten Gracies beiseite, sondern reduziert auch die Gags und versucht es mit Moral. Im Falle Gracies lernt man, dass es schön ist nicht nur für die Arbeit zu leben und man durchaus was aus seinem Aussehen machen sollte, im Falle des Models lautet das Motto: Gönn dir auch mal was (und wenn es nur ein Achtel Pizza ist). Wahnsinnig neue Erkenntnisse gewinnt man ergo nicht daraus, sodass dieser Hauch „Mach deinen Traum wahr“ doch gelegentlich den Brechreiz animiert, wenn er zu stark weht (vor allem in den Szenen mit Miss Rhode Island). Auch die Liebesgeschichte untergräbt die Powerfrauenbotschaft doch entscheidend, denn im schönen Stadium angelt sich Gracie dann ihren Kollegen Eric Matthews (Benjamin Bratt), denn sie als hässliches Entlein bereits merklich angeschmachtet hatte. Leider fehlt der Interaktion der beiden irgendwie der Pep, weshalb dieses Plotelement zu den schwächeren Seiten des Films gehört.
Sandra Bullock liefert hier eine sehr gute Comedy-Leistung ab, auch wenn ihre Performance schwächer wird, je schöner man ihr Charakter wird. Ernie Hudson als Chef ist klasse, William Shatner als dummer Moderator erheiternd und Michael Caine als Modeltrainer einfach göttlich. Benjamin Bratt hingegen kommt dann doch etwas sehr schmierig rüber und hat weniger Ausstrahlung als der Boxsack in Gracies Wohnung, weshalb er definitiv zu den schwächeren Akteuren des Films gehört. Die Nebendarsteller sind ansonsten ganz gut, bedienen aber meist Klischeerollen (vor allem was die Model-Darstellerinnen angeht).

Somit knallt uns Sandra Bullock mit „Miss Undercover“ schlussendlich kein neues Comedy-Highlight um die Ohren, aber ein unterhaltsamer und überdurchschnittlicher Spaßfilm ist ihr nicht zuletzt wegen der amüsanten Streitereien zwischen ihr und Michael Caine geglückt.

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