Review

Bevor ab 1963/64 und so nur kurze Zeit und wenige Jahre später der italienische Western Europa und das Umland bis teilweise auch Amerika, und in seiner differenzierten Behandlung von Gut und Böse und der insgesamt moralischen Grauzone die Lichtspielhäuser eroberte, wurde in den populären Filmen zuvor sich zwar auch an (betagten) Hollywood orientiert, aber die Gegensätze des ewigen Kampfes beibehalten und streng voneinander getrennt. Der Heroe in den Schwert-, Sandalen- und Piratenfilmen war von vornherein, schon allein optisch von seinem Gegenüber zu unterscheiden und verhielt sich auch so aufrecht und integer, und waren die Produktionen trotz viel Aufregung in den Spektakelszenen und viel und ausreichend heftigen Gehaue und Gefechte auch für Kinder (und die Junggebliebenen) geeignet und wurde nicht etwa nur der Erwachsene mit einem horrenden Leichenberg per Revolver angesprochen und so niedere Gelüste gepflegt und bedient.

In den Werken bis dato wurde klassisches Abenteuer versprochen und trotz sicherlich geringer Kosten und auch niederer Talente als ehedem im Amerikanischen Kintopp, dafür mit viel Fleiß und Eifer, mit viel Herzblut und dem guten alten Handwerk als ausschlaggebende Kunst fabriziert; ein Wiedergeben von Kindheitsträumen und dem Drang des Publikums nach harmloser Unterhaltung, nach dem bunten Vielerlei und vergangenen Zeiten, nach fremden Welten und einfachen Botschaften, die den Alltag für einen Moment ablösten und der Zeitvertreib der Naivität, der Trivialität, des Kommerzes natürlich auch, aber der unbeschwerten und beschwingten Phantasie eben sind:

Während eines wütend tobenden Sturmes auf hoher See und einem dabei Mast- und Schotbruch erleidenden Schiff gelingt dem dort gefangen genommen Robin Hood [ Lex Barker ] die Flucht. An die Küste Englands und direkt an die Grafschaft Sherwood angespült, muss Hood bei der Rückkehr in die Heimat allerdings feststellen, dass sein Vater vom Verräter Jonathan Brooks [ Mario Scaccia ] getötet wurde; auch dessen Tochter Lisbeth [ Rossana Rory ] macht fleißig bei den Intrigen des nunmehrigen Herrscher und der Unterdrückung des Volkes mit. Hood, der sich mit seinem ehemaligen Feinden, den Piraten, gegen die Milizen des Regime verbündet, kann beim Freiheitskampf auf die Gunst der Einheimischen und der schönen Kareen Blain [ Jocelyn Lane ] zählen.

In der Vielfalt der Arten reich und in der Vielzahl an Produktionen hoch und im Grunde keinerlei Grenzen der Imagination unterwerfen und derart keineswegs beschränkt, wurden mit zunehmender Dauer und Beliebtheit auch verschiedene Möglichkeiten gemischt und bis dato unterschiedliche Markennamen, Räumlichkeiten und Phasen wild miteinander korreliert.Zorro gegen die drei Musketiere bspw., Zorro gegen Maciste, Robin Hood in der Stadt des Todes oder hier auch Robin Hood und die Piraten, was natürlich auch ein Weg des Ansprechens diverser Kundengruppen und/oder das Erreichen der Aufmerksamkeit der eventuell gesättigten Zuschauerschaft ist.

Mit für den Piratenfilm vielleicht standesüblichen Mast- und Schotbruch und entsprechenden Aufgeben des Schiffes im nächtlichen Sturme eröffnet der Film dann auch; der Titelheld wird infolge dessen gleich zweimal kurz hintereinander an die lokale Küste gespült, da kurz nach dem erleidenden Schiffsunglück auch noch eine anschließende halsbrecherische Flucht nur durch rettenden Sprung von der heimischen Schlossmauer erneut in das Wasser glückt. Viel geändert hat sich in der Abkehr von der Heimat nämlich, ist der frühere Majordomus zum gewalttätigen und auch sichtlich daran Spaß habenden und gar eine Hinrichtung genießenden Herrscher über die Gegend aufgestiegen, wobei er unliebsame und auch rechtmäßige Konkurrenz durch ebensolche Gewalt und Habgier vertrieben und anderweitig ausgeschaltet hat.

Grafschaft Sherwood also in Nöten, und der eigentliche 'Thronfolger' Hood des Vaters und des besten Freundes, des Bruders seiner Sandkastenliebe Kareen beraubt; wobei diese selber auch noch die einzig Aktive im Kampf gegen die neuen Verhältnisse und das andere Volk überaus tatenlos bis nur dem Schicksal zusehend ist. Hier kommen nun die Piraten ins Spiel, die zwar in der Eingangsszene – einem fliegenden Start ohne vorherige Erklärung der Reise von Hood überhaupt und seiner Gefangenschaft bei den Seeräubern – als eventuell die Bösen in der Geschichte dargestellt werden, dies aber beileibe nicht und da schon eher comigal überzeichnet, inklusive sprechenden Vogel, Hakenklaue und Augenklappe auch sind. Interessanterweise ist der Trupp auch durchaus exotisch, d.h. mit vielen 'braungebrannten' oder von Natur aus schon fremdländischen Frauen, leichtbeschürzte “Negerinnen“ mit Buschtrommeln, Singsang und Hüftschwung bspw. in ihrer Mitte und so multikulturell angelegt, während die englischen Besatzer ihres eigenen Landes natürlich der blasse weiße Typus per se und in ihrem Kettenhemd wie gefangen im Keuschheitsgürtel schon sind.

Die Handlung diesmal andersherum als üblich, wird von den 'Invasoren' hier nur Recht und Ordnung geschaffen bzw. wieder hergestellt, während die Einheimischen selber arge Hilfe benötigen und der Freiheitskampf nur mit Unterstützung von außen und eigentlich nicht von der üblicherweise besten Gesellschaft aus hergestellt wird. Barker dabei als An- und Wortführer, als auch im grünen Wams gutaussehender Held, der natürlich Schlag bei den Frauen hat, die Faust und den Säbel aber auch bei den Feinden einsetzt (und wo er sich zuweilen doubeln lässt, während die Synchronisation sowieso auffallend, da ungewöhnlich und auch recht asynchron zu den Lippenbewegungen und auch positiv kalauernd und das Geschehen aufheiternd ist.) Der Held also gut und edel, der Böse ein ordentlicher Halunke, die Damen in der Geschichte recht fesch und adrett; insofern macht dort zumindest der gewählte Regisseur Giorgio Simonelli, eigentlich ein ausgeprägter Komödienspezialist allzu viel falsch sicherlich nicht. Aktion ist vorhanden, aber daran ist der Mann hinter der Kamera sichtlich nicht interessiert, überhaupt ist das Ganze handwerklich eher bescheiden, technisch höchstens so lala, und auch die Grafschaft selber sieht aus wie ein längst ausgetrocknetes, links und rechts von nunmehr nur noch karger Flora bewachsenes Kiesbett.

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