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Ryan Phillippe, Claire Forlani, Rachel Leight Cook – auf den ersten Blick lässt der Cast einen lupenreinen Teenie-Thriller vermuten, ein Subgenre, das nach dem Abebben der Teenie-Horrorfilme um die Jahrtausendwende aufkam und schnell wieder verschwand. Die meisten dieser Filme scheiterten an allzu unrealistischen Szenarien, krude konstruierten Wendungen und durchschnittlich begabten Schauspielern, die eine Geschichte nicht glaubhaft transportieren können. Mit Tim Robbins hat „Startup“ allerdings ein echtes Schwergewicht an Bord und auch im Gesamteindruck hinterlässt der Streifen ein klar überdurchschnittliches Bild.
Milo Hoffman (Ryan Phillippe) und sein Kumpel Teddy (Jee Yee Tso) sind zwei talentierte Nachwuchsprogrammierer und wollen gemeinsam eine Garagenfirma im IT-Bereich gründen. Milo steigt jedoch aus diesem Projekt aus, als er von dem Softwaremilliardär Gary Winston (Tim Robbins) angeworben wird. Sein schönes neues Leben erfährt einen herben Rückschlag, als er vom Tod seines Freundes Teddy erfährt und er Gary Winston und seinen übermächtigen Softwarekonzern NURV zum Kreis der Verdächtigen zählen muss. Bald weiß er nicht mehr wem er vertrauen kann, sogar seine Frau Alice (Claire Forlani) scheint etwas zu verbergen. Zusammen mit der Programmiererin Lisa (Rachel Leight Cook) will er die Machenschaften von NURV aufklären.
Die Grundkonstellation von „Startup“ ist beinahe identisch mit dem artverwandten „Skulls“ (2000), in dem Joshua Jackson zunächst von einer übermächtigen Organisation verführt wird und sich nach dem Tod seines Kumpel zu deren erbittersten Gegenspieler entwickelt. Was „Startup“ zunächst von seinem Pendant abhebt, ist die personifizierte böse Versuchung in Gestalt des Softwaregurus Gary Winston. Tim Robbins, der hier den bösen Bruder von Bill Gates geben darf ( man beachte die optische Ähnlichkeit), gibt mit sichtlicher Spiellaune den kindlich begeisterten und dadurch umso gefährlicheren Bösewicht, agiert dabei leider stellenweise eine Spur zu übertrieben. Ryan Phillippe spielt deutlich zurückgenommener und fällt in der Hauptrolle weder besonders positiv noch negativ auf, liefert aber eine anständige Leistung ab. Beiden Schauspielern ist anzurechnen, dass sie den beachtlichen Anteil an Computerkauderwelsch glaubhaft aufsagen und man als Zuschauer immer das Gefühl hat, dass die Herren wissen, von was sie da reden. Den nächsten Pluspunkt verdient sich „Startup“ durch die brillante Ausstattung und die beeindruckenden Schauplätze. Das gesamte NURV-Firmengelände, die imposante und bedrohlicher wirkende Hütte von Gary Winston, der amateurhafte Localsender, die biometrischen Wandgemälde – alles Beispiele für ein Setdesign, das Stimmung erzeugt und Spannungsbögen verstärkt. Von letzterem hat „Startup“ eine ganze Reihe zu bieten. Das typische „Der Held muss fertig werden, bevor er vom Wachpersonal erwischt wird“ wird in der zweiten Hälfte des Films beinahe im Minutentakt zelebriert. Nicht besonders innovativ, aber in der Ausführung sehr professionell und überwiegend schön spannend anzusehen. Nur einmal wird es in dieser Hinsicht unfreiwillig komisch – als Stichwort sollte „Die Sesam-Killerin“ genügen, um nicht zuviel zu verraten. Auch die in Thrillern obligate Vertraue-keinem-Regel wird hier ein wenig überreizt, streckenweise mutet der Film wie eine Swingerparty an –jeder darf mal mit jedem, aus Feind wird Freund und umgekehrt. Was in „Wild Things“ (1998) noch auf ironischer Basis funktioniert hat, mutet in „Startup“ bisweilen ein wenig lächerlich an. Den dankbarsten Part in dieser Hinsicht hat dabei der zwielichtige und it-resistente Sicherheitschef von NURV, der durch wer-braucht-schon-Computer?-Sprüche Sympathie und einige Lacher abstaubt.
Unterm Strich ragt „Startup“ einzig und allein aus der Masse vergleichbarer Produktionen heraus, weil die grundsolide, wenn auch reichlich vorhersehbare Handlung in einer ansprechenden und interessanten Verpackung serviert wird, tolle Locations, eine straffe Regie und anständige Schauspielerleistungen inklusive.

Daran werde ich mich noch lange erinnern:
Die Einbruchsszene in der Kindertagestätte

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