Thriller im Computerumfeld – das schreit doch schon nach schwieriger Umsetzung.
Da die meisten Zuschauer da vermutlich eher unbedarft rangehen, muß sich auf der Leinwand schon einiges tun, damit das Geschehen noch von Interesse ist und mit Programmiersprache und Codes braucht man niemandem zu kommen, insofern ist es schon ein Glück, daß das Interesse an „Startup“ nicht innerhalb der ersten 15 Minuten schon versiegt.
Das liegt zum Teil natürlich daran, daß man hier mit einer Blaupause spielt, in der ein talentierter, junger Computernerd mit argem Entwicklungspotential gegen einen wahren Bill Gates antritt. Und das nicht nur als Metapher, sondern gegen eine wahre, wenn auch wahnsinnige Gates-Kopie. Zwar macht man sich über die Ähnlichkeiten in einer Szene sogar lustig, aber welchen Zweck sollte es sonst gehabt haben, einen Darsteller wie Tim Robbins genauso herzurichten, wie den Software-Tycoon, dessen Produkte ich hier gerade selbst benutze.
Robbins, politisch interessiert und motiviert, hat die Rolle vermutlich gefallen, mit der man auf Monopolen, Überwachungen und totaler Willkür herumhacken kann, etwas Subtileres wäre sicher trotzdem einfallsreicher gewesen.
Den jungen Widerpart spielt Ryan Phillippe, der natürlich aus dem Garagenentwicklerumfeld kommt und diese leise Kritik und lautstarke Werbung für das Silicon Valley optisch aufwertet.
Er nimmt den angebotenen Job an, entwickelt ein globales Kommunikationssystem mit und, wie der Ami sagt, „smells a rat“. Der Wurm ist natürlich drin im Konzern und wie sehr hier mit dem Geldern und Mitteln Schindluder getrieben wird, das zu enthüllen ist Sinn und Zwecks des Plots, denn von Spionage bis Mord ist hier einiges dabei.
Natürlich ist „Startup“ im Wesentlichen vordergründig, arbeitet Laufzeit anhand immer neuer Enthüllungen ab und kümmert sich sonst noch darum, unbemerkt in geheime Sektoren des Konzerns einzudringen, wobei die Verschleierungstaktiken und Ermittlungen immer größere Probleme haben, den Zuschauer noch zu überzeugen.
Den Rest der Zeit arbeiten sich dann mit Claire Forlani und Rachel Leigh Cook zwei junge Damen an Phillippe ab, die dazu beitragen, zu grübeln, wer in welchem Maße den armen Jungen aufs Glatteis führt.
Letztendlich postuliert der Film dann, das solche Telekommunikations- und Computerkonzerne schon die Regierung und die Medien so gut wie in der Tasche haben, weswegen am Ende die Nerds und ausgerechnet ein Mann, der von Computern nichts versteht und deswegen nicht für voll genommen wird, die Welt retten werden – da verläßt man sich auf ein altes Feelgood-Hollywood-Konzept.
Dennoch, als pure Unterhaltung wird der mittelprächtige Spannungsbogen überraschend gut durchgehalten und es werden so viele Wendungen ausgestreut, daß man nicht alles von Beginn an vorhersagen kann, was man einem kleinen Thriller schon zugute halten sollte. Darüber hört man die Hymne, daß das Wissen der Welt allen gehören sollte und so ist der Traum von der Kapitalismuskritik vollendet worden, aber so etwas Banales kann ja bei ordentlicher Unterhaltung schon die halbe Miete sein. (6/10)