„Startup“ ist trotz des nicht ganz so gewöhnlichen Szenarios ein handelsüblicher Thriller, der erst in der zweiten Hälfte wirklich Drive gewinnt.
Milo Hoffman (Ryan Phillipe) ist ein Computergenie und besitzt mit Freunden eine kleine Programmiererarbeitsgruppe, die mit Arbeit in der Garage auf den Durchbruch wartet. Milo ist neben seinem besten Freund Teddy Chin (Yee Jee Tso) das talentierteste Mitglied der Truppe, weshalb sie bald auch Angebot von Firmen bekommen. Schönling Phillipe als bebrillter, unscheinbarer Computerfreak – an das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Welten muss man sich zwar erst gewöhnen, aber es funktioniert überraschenderweise.
Eines der Angebote kommt auch von Softwareguru Gary Winston (Tim Robbins), der die Firma N.U.R.V. (Never underestimate radical Visions) leitet. Er will beide Spezialisten für sich gewinnen. Milo steigt ein, doch Teddy lehnt aus Überzeugung ab – in seinen Augen klaut N.U.R.V. zu viele Ideen und bringt unfertige Produkte raus. Es ist ein offenes Geheimnis, das die Figur des Gary Winston an Bill Gates angelegt ist (es wird von den Filmemachern bestritten, obwohl sie auf den Microsoftgründer einmal sogar explizit verweisen) und auch N.U.R.V. weist Parallelen zu Microsoft auf.
Milo zieht mit seiner Freundin Alice Poulson (Claire Forlani) um und lässt Teddy zurück in der Garagenfirma, der von seinem Freund etwas enttäuscht ist. Bei N.U.R.V. entwickelt Milo die Kernsoftware eines revolutionären Kommunikationssystems, doch bald kommen ihm Zweifel daran, inwiefern die Machenschaften seines Arbeitsgebers eigentlich legaler Natur sind…
Das Softwaremilieu in derartiger Form zu präsentieren ist nicht unbedingt gewöhnlich: Statt altbackener Bürogebäude bekommt man die Firma hier als futuristisch und modern gestalteten Arbeitsplatz inklusive Kinderhort und andere Schikanen präsentiert, während die Programmierer mehr oder weniger die Klischees der unscheinbaren Jugendgeneration in bequemen Klamotten bedient. Auf allzu klischeebeladene Figuren wurde aber verzichtet und auch optisch kommt der Film recht erfrischend daher.
Leider braucht die erste Hälfte zu lange um in Schwung zu kommen und bietet zuviel altbekanntes was in ähnlichen Filmen vorgekaut wurde – zuletzt in dem strukturell ähnlichen „The Skulls“. Dem Gesetz des Genres muss der beste Freund dran glauben und die Fieslinge sind schattenhafte Mogule mit ungeahnter Macht, die für den eigenen Vorteil auch mal über Leichen gehen. So muss der Held natürlich mit Finesse die Bösewichter und das System austricksen, was man leider auch schon zur Genüge.
Erst ab der Mitte beweist der Film originellen Charakter: So erweisen sich die handelsüblichen Verdachtsmomente als nicht immer richtig und bei der Aufdeckung der wahren Verstrickung der verschiedenen Figuren erlebt man auch die ein oder andere Überraschung, da der Film hier stellenweise weiter denkt als vergleichbare Genreprodukte. Zudem erweisen sich in der Endphase einige Figuren, die man fest eingestuft hat, doch als auf der jeweils anderen Seite stehend. Hinzu kommen ein paar sehr geschickt inszenierte und auf Hochspannung getrimmte Einzelszenen wie das Abendessen. Leider kommt dies etwas zu spät, denn erst ab der Halbzeitmarke löst sich „Startup“ aus den gängigen Mustern und baut einen Spannungsbogen auf.
Ryan Phillipe macht seine Sache gut, während vor allem Tim Robbins sichtlich Spaß an seiner Rolle hat und den Rest der Besetzung an die Wand spielt. Claire Forlani und Rachel Leigh Cook agieren dennoch überzeugend und auch die Nebendarsteller präsentieren sich auf ordentlichem Blockbusterniveau.
So bleibt mit „Startup“ ein ganz solider und in der zweiten Hälfte recht spannender Thriller, der aber nicht aus der Masse der Genrefilme heraussticht.