Ein altes Lichtspielhaus in Taipeh gibt seine Abschiedsvorstellung. Der letzte Film flimmert über die Leinwand, King Hus Dragon Inn (Die Herberge zum Drachentor). Danach wird das Kino geschlossen, vielleicht für immer.
Nur eine Handvoll Gäste, darunter auch Schauspieler aus dem Film, wohnen der Aufführung bei & von denen interessieren sich nicht alle für den großen Klassiker. Der Vorführer geht allen aus dem Weg, die Mitarbeiterin humpelt mit ihrem verkrüppelten Fuß unermüdlich durch das Gebäude & auch der Hausgeist wirkt traurig & lustlos. Selbst der Himmel beweint dieses stille, unwürdige Ende.
Tsai Ming-Liangs Goodbye, Dragon Inn lässt sich am besten als zärtliche Ode an das Kino beschreiben, als melancholische Liebeserklärung an diese Form des Filmerlebnisses. Ich glaube, ich habe noch nie einen Film gesehen, in dem so wenig & gleichzeitig so viel passiert. Wenn man es nicht schafft, in dieses seltsame Werk aus Taiwan einzutauchen & dabei zwischen den Zeilen zu lesen, dann wird man die ca. 80 Min. vermutlich als furchtbar öde & unsagbar langweilig empfinden. Möglicherweise sind es gar die längsten 80 Filmminuten überhaupt.
Denn der Film ist unendlich langsam erzählt, mit sehr langen, statischen Einstellungen, auf deren Wirkung der Regisseur vertraut, ohne einer richtigen Geschichte, ohne richtige Dialoge, ohne Figuren, über die man etwas erfährt. Der eine weint beim Schauen, die andere futtert unentwegt & nach Filmende "schaut" die Leinwand in den Saal, den die Mitarbeiterin ein letztes Mal kontrolliert & ihn dann verlässt & die schlussendlich auch das Gebäude verlässt & durch den strömenden Regen nach Hause humpelt.
Ein sehr spezieller & faszinierender Stimmungsfilm, der versucht, die traurige, jedoch auch schöne Stimmung, die dieser altehrwürdige Filmpalast in seinen letzten Zügen verströmt, dem Publikum zu vermitteln. Bei mir hat das großteils prächtig funktioniert.