Ein Vietnamfilm, der im deutschen Wald spielt?
Manch einer denkt da vielleicht an O.K. (1970), der den Vietnamkrieg zu dekonstruieren versucht und als Pate für Die Verdammten des Krieges (1989) stand.
Im Gegensatz dazu gibt es auch Deadly Nam, einen deutschen Amateur-Kriegsfilm, der von Vietnamfilm-Fans als Hommage und Parodie auf das Namsploitation-Genre (Jäger der Apokalypse (1980), Im Wendekreis des Söldners (1983), Rückkehr der Wildgänse (1986) oder Kampfratten (1989)) verstanden wird und besonderen Fokus auf das Zelebrieren des Heldenpathos legt.
Weil das Namsploitation-Genre mit seiner Überzeichnung und Klischeehaftigkeit selbst bereits so etwas wie eine Parodie auf Genreklassiker wie Die durch die Hölle gehen (1978), Apocalypse Now (1979), Platoon (1986) und Full Metal Jacket (1987) darstellt, hält sich Deadly Nam genau an deren Dramaturgie. Dabei bewegt sich der Film auf der ironischen Metaebene: Er parodiert ein Subgenre, das selbst schon übertrieben, klischeehaft und oft unfreiwillig komisch ist und bringt dabei eine bewusste wie unbeabsichtigte Komik hervor.
Der Film beginnt in einem Helikopter, der die GIs zu ihrer Vietnam-Mission fliegt. Tatsächlich ist der „Helikopter“ aber das Innere eines Autos und der Song, der im Hintergrund ertönt, ist eine eigenwillige Variante von Fortunate Son von Creedence Clearwater Revival. Bereits jetzt ist klar: Das ist billigster Trash. Wessen Sehgewohnheiten durch millionenschwere Budgets konditioniert wurde, der wird beim Anblick dieser DIY-Version des Vietnamkriegs fassungslos sein.
Es ist aber nicht so, dass man sich hier keine Mühe gegeben hätte, ein möglichst authentisches Feeling zu kreieren. Die Waffen und Uniformen der GIs wirken echt, wohingegen die Vietnamesen von angemalten Weißen dargestellt werden. Einer der weißen Soldaten ist durch Blackfacing zum Schwarzen geschminkt und prangert die rassistischen Missstände an:
„Ihr weißen Bastarde denkt doch immer nur an euren eigenen Arsch. So war es schon immer, so wird es auch immer sein. Und wir schwarzen Brüder, wir kämpfen für eine Freiheit, die wir niemals haben werden.“
Es gibt also eine Diskrepanz zwischen dem epischen Kriegsfilm, dem man huldigt und dem, was man tatsächlich darstellen kann. Darin liegt bereits eine Spannung, die den Film interessant macht und zugleich eine gewisse Komik verleiht. Im Wesentlichen gibt es drei Setpieces, in denen es blutige Shootouts und mickrige CGI-Explosionen zu sehen gibt. Der Bodycount liegt bei grob geschätzten 50 bis 60 Personen. Qualitativ ist die Action besser als in philippinischen Billigproduktionen wie Raging Anger (1984), Crossbone Territory (1987) oder Eagle of the Jungle (1987). Allein schon deshalb, weil die Kamera hier interessante Einstellungen findet und der theatralische Score auffallend hochwertig ist und den Szenen dadurch eine gewisse Epik verleiht.
Die Einteilung in Gut und Böse folgt zunächst den klassischen Klischees:„Verdammte Motherfucker! Je eher die Gelben rauskommen und sich von uns abknallen lassen, desto eher komm ich hier raus aus der Scheiße!“
Doch die Heldenhaftigkeit der Truppe wird nochmals potenziert, weil sie sich todesmutig aufopfert, während sie durch die Inkompetenz der „Bürohengste“ verheizt wird.
„Denken Sie, was ich denke, Chief?“
„Ganz recht. NAPALM!“
Wer ein ausgeprägtes Faible für Vietnamfilme hat, insbesondere für Namsploitation wie The Firebase (1988) oder Eye of the Eagle 1–3 und dem Amateurfilm offen gegenübersteht, der wird hier seine Freude haben. Tonal und dramaturgisch orientiert sich Deadly Nam sehr genau an diesen Vorbildern und hebt sich nur durch leichte Übertreibungen wie das Overacting, die mickrigen Production Values sowie die daraus entstehende Lächerlichkeit ab. Mit gerade einmal 67 Minuten Laufzeit verzichtet der Film dankenswerterweise auf künstliches Aufblasen und verhindert dadurch unnötige Längen.
Ich schließe hier mit einem Zitat des Off-Sprechers, der die Essenz des Films wiedergibt:
„Es gibt Tage im Leben eines Soldaten, in denen er zwischen Hoffnung und Erschöpfung, zwischen Leben und Tod wandert. [...] Männer, die sich ihrer Ideale wegen durch den tiefsten Dreck schinden, ein Schritt nach dem anderen, durch Felder, Flüsse, Urwald und Grauen [...] Der Tod schien zu einem alten Bekannten zu werden, wenn man ihm Tag für Tag ins Angesicht blickte und dabei die heiße Luft dieser Hölle in die Lungen sog.“