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Der Videomarkt-unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1982, die Bewegung Slasher Film hat sich als das regierende Subgenre etabliert. Der aufstrebende Regisseur Armand Mastoianni hat bereits zwei Jahre zuvor seine Werkantwort auf Halloween, namentlich He Knows You're Alone geliefert, nun folgt mit The Clairvoyant, so der Originaltitel von American Killing, sein zweiter Beitrag zu der neuen Kunstform.

Der klingende Name dieses Filmemachers mag bei manchen Assoziatonen zu Orrore all'italiana wecken und tatsächlich scheint der gebürtige New Yorker diesesUS-Machwerk systematisch nach Blaupausen der Giallo Fashion einkleiden zu wollen. Stimmungsvoller Soundtrack, schwarzbehandschuhte Serienkiller, Polizeiermittlungen, alarmierende Farbsymbolik, eine Portion Nacktheit und Sleaze, gekrönt von übersinnlichen Einsprengseln, so gut wie alle variablen Zutaten des Rezepts scheinen vertreten. Solche kontinetenüberschreitende Adaptionen des Genres können durchaus gelingen, wie Alfred Soles Alice, Sweet Alice schon 1976 bewiesen hat, allerdings schafft es American Killing letztlich nicht, das gelbe Gewand richtig auszufüllen.

Was als vielsprechendes und trotz allem immer noch sehenswertes Filmerlebnis beginnt, senkt sich bald zu einem eher seichten Thriller mit seinen obligaten Elementem, dem zudem ein sehr starker Stempel seiner Entsehungsära anhaftet. Die archetypischen Leckerbissen aus 80er Mode, 80er Humor und 80er Chauvinismus die einem serviert werden, erweisen sich bei heutiger Sichtung als schwer verdauliche Kost. Abseits dieser Störfaktoren, was noch eine mangelnde Charakterentwicklung, bzw. Charakterisierung der Akteure einschließt, sind neben der Einganssequenz auch relativ kreative Mordszenen des handelnden Handschellenkillers zu sehen. Diese wiederum bauen in ihrer Stilisierung, wie ein Us-Reviewer treffend formuliert hat, keine anhaltende Bedrohlichkeit des Killers auf, was sich gar nicht auf die Blutleere besagter Szenen beziehen soll, es ist vielmehr die sowohl visuell und pragmatisch völlige Unsichtbarkeit des Täters, die dem Effekt entgegenwirkt.

Mastroianni setzt die richtigen genrestiftenden Konstituenten, sie erfahren aber mehr eine lineare Aneinanderreihung als eine kohärente Entfaltung. Unter ihnen ist neben dem Soundtrack auf jeden Fall das Grundgerüst der Story herauszuheben, welches ungeachtet seiner verzeihlichen Irrationalität, unter konsequenterer Realisation potentielle Wirkung bergen würde. Die Fallhöhe, sprich der Enttäuschungsgrad über dieses Werk wird durch die beschwörten Erwartungen über die bekannt reißerische deutsche Vermarktung, die Titel, Untertitel, sowie Coverdesign radikal umkrempelt, naturgemäß erhöht. "American KillIing" sei somit vorrangig den Genre-Enthusiasten mit Vervollständigungsbedarf ans Herz gelegt, womit klarerweise die Giallo- und nicht die Slasher Freunde angesprochen sind. Ersteren erscheint der Film als ein amüsantes Kuriosum in seinen Bestrebungen als alternative Variaton von vertrautem Material. Letzteren beschert er je nach Gemütsverfassung bestenfalls eine angenehme Einschlafhilfe.

Wäre American Killing ein Schulaufsatz unter der Fragestellung: "Wie kreire ich einen Giallo Made in USA"; so bekäme Armand Mastroianni von Dr. Vornoff noch die Note "Genügend", versehen mit dem Kommentar "Themenverfehlung".

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