Review

Huiii, „American Killing“, was für ein Titel!
Moment, heißt der nicht „The Killing Hour“?
Ach nee, der heißt „The Clairvoyant“ (also „Die Hellseherin“).

Mehrere Titel, ganz schlechtes Zeichen.
Offenbar war man sich da selbst nicht so ganz sicher, wie man den Teufelsbraten denn nun vermarkten wollte und wenn man in der historischen Aufarbeitung dann so liest, dass der Titel geändert wurde, weil man es den Amis nicht recht zutraute, mit „Clairvoyant“ irgendwas anfangen zu können (Oh, Mann!), kam es eben zu den fröhlichen Titelanpassungen.

Hinter all dem steckt aber nun kein irre mörderisches Treiben mit stark übernatürlicher Schlagseite, sondern, wie man nach und nach ernüchtert feststellt, um einen recht überschaubaren City-Thriller von der Stange, in der immer wieder unter Zuhilfenahme von ein paar Handschellen gemeuchelt wird. Nachdem es denn schon drei Opfer gibt, trifft sich die örtliche Cop-Landing-Party immer grummelnd, aber wenig inspirativ an den Tatorten und schustert die Verantwortung schließlich Detective Weeks zu, der in seiner Freizeit viel lieber an seinen Stand-Up-Comedy-Künsten schraubt, als Täter zu entlarven. Das kriegt parallel auch der Talkshowhost „Mac“ McCormack spitz, der an den Tatorten da und dort was aufschnappt und schließlich mit Weeks so eine Art Abkommen schließt, um es zugunsten der Quoten gleich vor laufender Kamera zu brechen.

Ach ja, ich hab die Hellseherin vergessen! Die heißt Virna Nightbourne (Leute, diese Namen...echt mal…) und studiert Kunst oder so. Auf jeden Fall macht sie aus ihren Kohlezeichnungsstudien aufgrund ihres Talents für das „automatische Schreiben“ so eine Art voraussehende Phantombildzeichnung für Tatorte und Opfer, weswegen sie bei den realistischen Beamten bald im Revier hockt, die sie ausnahmsweise mal nicht sofort veralbern.
Nur, dass der Film dann in eine Art Zweikampf der Männer um die Gunst der schönen Virna abkippt und nur hier und da noch was zum Handschellenkiller einstreut. Der Film dampft lässig über die Ein-Stunden-Marke hinweg und geht schon auf die Schlussgerade, als der Plot dann plötzlich noch auf eine Pointe hinausläuft, die man a) nicht unbedingt hat kommen sehen und die b) entsprechend ungünstig in diese Konstellation hineinpasst.

Was soviel heißt wie: „The Clairvoyant“ ist ein mittelprächtiges Vergnügen, das eher durch die Big-Apple-Bilder der frühen 80er punkten kann, die allerdings auf TV-Niveau schweben. Polizeiarbeit oder gar Blut sieht man eher weniger im fertigen Produkt und so mitreißend sind die drei Hauptfiguren nun auch nicht.

Für 80er-Freunde ist sicherlich die frühe Hauptrolle des „Trio mit vier Fäusten“-Schnäuzis Perry King als Talkshowhost eine wahre Freude (wenn hier auch rasiert), aber sonst gibt der Film erst zum Showdown wieder Gas, nach dem er nach etwa 25 Minuten in einen betont braven RomCom-Rhythmus geschlittert ist.

Wie gesagt, alles nice und unaufdringlich, aber dabei leider ein wenig blutarm und angesichts des Whodunit-Charakters auch leider mit wenig Wiederholenswert. Nette 5/10.

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