Review

Mit „Bloody Marie“ schlägt John Landis in die gleiche Kerbe wie mit „American Werewolf“, wobei mir der Humor des Vampirwerks mehr zusagt.
Marie (Anne Parillaud) ist eine uralte Vampirin, die es inzwischen nach Amerika verschlagen hat. Sie zieht es allerdings vor unerkannt zu bleiben und auch keine neuen Vampire zu erschaffen – so werden ausgesaugte Opfer via Schrotflintenschuss in den Kopf unkenntlich gemacht und gleichzeitig eine Auferstehung als Untoter verhindert. Das ist schon leicht schräg, recht komisch, wobei Marie dann noch ein guter Gedanke kommt: Sie will Mafiamitglieder aussaugen, um rechtschaffenen Menschen Leid zu ersparen.
Gegen die Mafia ermittelt auch der Undercovercop Joe Gennaro (Anthony LaPaglia), dem Marie auch prompt über den Weg läuft als dieser seinen Mafiakumpel Tony (Chazz Palminteri) zum Wagen bringt. Tony wird Maries nächstes Opfer, aber an Joe findet sie Gefallen – als Vampirin ist sie menschlichen Liebhabern nicht ganz abgeneigt. Was bald für eine Form von Romanze auf dem Plan stehen wird, das ist jetzt selbst dem dümmsten Zuschauer klar, aber etwas Vorhersehbarkeit kann man dem Film nachsehen.

Dann begeht Marie einen Fehler, der beide zusammenbringt: Sie fällt über den Mafiaboss Sal Macelli (Robert Loggia), Joes Zielobjekt, her, kann seine Leiche jedoch nicht bearbeiten und muss fliehen. Leider wird Sal zum Vampir, weshalb bald sowohl Cop als auch Vampirin hinter ihm her sind – und sich dabei natürlich über den Weg laufen…
„Bloody Marie“ bietet eine leicht schräge, recht amüsante Geschichte, die sowohl auf Vampir- als auch auf Mafiafilme anspielt. Da darf natürlich die Sonnenlichtallergie ebenso wenig fehlen wie ’la familia’. Zwar reizen die Gags selten zum lauten Loslachen, aber ein Schmunzeln kann „Bloody Marie“ dem Zuschauer öfter doch entlocken. Da fällt es dann auch wenig auf, dass die Geschichte nicht allzu viel Substanz hat und im weiteren Verlauf eh in eine reine Hetzjagd ausartet.
Aber „Bloody Marie“ hat Drive, denn Landis könnt dem Zuschauer kaum Ruhepausen und zieht die Story mit viel Tempo durch. Das ist zwar bestenfalls durchschnittlich spannend und wirklich originelle Wendungen bietet die Geschichte nur selten, aber dafür kann „Bloody Marie“ mit einigen Schauwerten aufwarten. Da wären zum einen die Make-Up Effekte, die schön old school und handgemacht daherkommen und so ein ähnliches Flair verströmen wie die FX von „American Werewolf“. Ansonsten gibt es noch ein wenig Action in Form kurzer Schießereien, Zweikämpfe und Verfolgungsjagden. Sieht alles schick ist, kommt nicht allzu spektakulär daher, macht aber Laune.

Einzige gravierende Schwäche des Films ist eigentlich die Interaktion seiner beiden Hauptfiguren, denn hier stimmt die Chemie so gar nicht. Marie und Joe wirken beide ziemlich blass und warum die beiden ein paar werden, das kommt so gar nicht rüber. Dementsprechend langweilig wirken dann genau die Szenen, die sich mit der Beziehung der beiden beschäftigen, was den Film dann stellenweise ziemlich ausbremst. Schade, dass der Film hier so versagt, denn gerade viele andere Ansätze (z.B. das Entstehen eines vampirischen Mafiaclans) sind doch ziemlich gut umgesetzt worden.
Die Blässe der beiden Hauptfiguren muss dann auch leider den beiden Hauptdarstellern zuschreiben. Anne Parillaud wirkt etwas zu distanziert und emotionslos (selbst für eine Untote), während Anthony LaPaglia als Undercoverbulle recht austauschbar bleibt und seiner Rolle kaum neue Akzente verpasst. Aber immerhin gibt es Nebendarsteller wie Chazz Palminteri, Robert Loggia, Luis Guzman und Dauerfiesling Kim Coates, die ihr Handwerk verstehen und den Film aufwerten. Angela Bassett wird mit ihrer Minirolle etwas verschenkt, aber dafür kann man sich an Gastauftritten von Frank Oz und Sam Rami freuen.

Mit „Bloody Marie“ serviert John Landis dem Zuschauer eine unterhaltsame Horrorkomödie mit originellen Ideen und ordentlichen Schauwerten. Nur mehr Spannung und bessere Hauptdarsteller hätten den Film noch aufgewertet.

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